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Lvndvay 388 Lendvay
diger Manner fortwährend Aufmuntern«»
gen zu. Er ließ sich im folgenden Jahre
bei der Fessr'schen Gesellschaft engagi«
ren und war da mehrere Jahre hindurch
Theilnehmer an dem Elende einer Wan-
dertruppe, und obzwar ihm daS Publi.
cum auch schon damals alle möglichen
Beifallsbezeugungen auf der Bühne er«
wies, außer derselben ließ es ihn außer
Acht und dabei hatte er stets mit einem
riesigen Feinde, dem Vorurtheile, zu
kämpfen. Oft schon schien es ihm, als
müßte jetzt der Sache ein Ende gemacht
werden, das Elend war länger nicht
erträglich, und da wollte er der Bühne
Lebewohl für immer sagen. Sein guter
Genius aber beschützte ihn und hielt ihn
davon ab. Das darauf folgende Jahr ver«
lebte er zu Bökes unter den drückendsten
Verhältnissen. Sein Elend war gräßlich;
er mußte sich seine Wäsche allein waschen
und von aus den Tümpeln gefangenen
Fischen nähren. Doch all' dieß entmuthigte
ihn nicht. Im Jahre 1832 nahm er die
schon damals sehr talentreiche Anna
Hivatal zur Frau, die dann eine der
bedeutendsten Schauspielerinen des un»
garischen Theaters ward, und ein Jahr
später berief ihn Graf Csäky für die
Kaschauer Gesellschaft. Von hier ging er
dann nach Ofen, wo er bis zur Eröffnung
des Pesther Nationaltheaters auch blieb.
An beiden letztgenannten Bühnen sang
er auch Tenorpartien und da mußte
sein edles Spiel manchmal die Mängel
seines Gesanges ersetzen. Im Jahre 184t)
hatte er viel mit der Parteilichkeit der
Kritik zu kämpfen. Man wollte Egressi
sBd. IV, S. 4) höher
stellen als ihn. Beim
Pefther ungarischen Nationaltheater blieb ,
er auch bis zu seinem nur zu früh erfolg-
ten Tode. Noch lange — so schreibt sein
Biograph in einem ungarischen „Por«
träts'Album" — noch lange wird uns diese edle schlanke Gestalt vorschweben,
mit dem ausdrucksvollen Gesichte, dem
glühenden Blicke. Sie wird uns unver«
geßlich sein in ihrer Eleganz, mit ihrer
künstlerischen Weihe. Noch lange werden
wir dieses Spiel voll Noblesse, adeligem
Feuer und männlicher Kraft nicht ver«
geffen können. Seme Erscheinung allein
war an und für sich gewinnend, ent>
zückend. Dieß waren seine Hauptvorzüge!
Das Leopardenfell, als Zierde des alten
Ritterthums, kleidete seine fürstlichen Ge-
stalten eben so gut wie der Frack des
Salons, und den Degen wußte er so
geschickt zu handhaben wie das Strauß«
chen der Geliebten oder das Spazier«
stöckchen des Stutzers. Löndvay war
ein vollkommenes Genie. Seine Viel»
seitigkeit war bewunderungswerth. Sein
Banus Bank, Fiesco, Don Cäsar,
Lugarto, Robin de Bois, Sir
Patrik, sein Lavater, Gutenberg
in dem Drama von Dobsa waren
sämmtlich gleich große Kunstwerke. Aus
Shakespeare's Stücken waren Ham«
let, Othello, Richard III. seine besten
Rollen, sein Romeo einzig zu nennen.
Im Jahre 4840 unternahm 3. eine größere
Reise in's Ausland, besuchte die besten
deutschen Bühnen und hielt sich auch
längere Zeit in Wien auf. Mit Seyd el«
mann war er innig befreundet und auf
einem ihm als Andenken gegebenen Por-
trat schrieb der große Mann eigenhändig,
wie es einer seiner sehnlichsten
Wünsche, den ungarischen Kunst»
ler auf der Bühne zu sehen". Seit
1831 war er kränklich und mußte sein
Spiel deßhalb oft unterbrechen. Im
Jahre 1834 betrat er zum letzten Male
die Bühne. Er spielte den Rochester in
der „Waise aus Lowood" und von der
Anstrengung erschöpft, sank er dann
zusammen. „Jetzt ist's aus. mit allem
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon