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4t 6 Choeholousek.
Hebung des für eine Landschaft, eine Ge-
sellschaftsschichte Typischen. Er ist der
Culturhistorischeste sozusagen aller Novel-
listen. Aus Ch.'s Erinnerungen erfahren
wir, daß er viel erlebt und viel gearbeitet
und an mehreren unter Spindler 's
Namen erschienenen Arbeiten einen große,
ren Antheil hat, als man vermuthen
möchte. Ch.'s Darftellungsgabe ist eine
scharf geschliffene; mit wenigen Strichen
zeichnet er seine Figuren, sei es durch eine
Anekdote, oder durch einen charakteristi-
schen Zug. Sein Urtheil über die Men-
schen, wenn auch oft sarkastisch und derb,
ist im ganzen doch wohlwollend und
discret. Was° insbesondere die ihm zum
Vorwurfe gemachte Indiskretion gegen
seine Mutter betrifft, deren schlimme
Seiten er so wenig schonend behandelt,
und wenn ihm vorgehalten wird, daß er
nicht lieber geschwiegen habe so darf wohl
nicht vergessen werden, daß Helmina als
Schriftstellerin selbst der Oeffentlichkeit
angehört und das Interesse des Lesers
herausgefordert ist, Näheres und Beglau»
bigtes zu vernehmen. Sie war eigentlich
der extremste Ausdruck des sogenannten
Blaustrumpfs und ihr Mangel an Hal>
tung bestätigt Jean Paul's gelegent.
liche Bemerkung: „Alle sogenannten ge»
nialen Weiber sind egoistisch. Da die
Wissenschaft ihrem Geschlechte fremd, so
machen sie eine Ausnahme und werden
ewig an ihr Ich erinnert"." Außer C he-
zy's selbstständig erschienenen „Erinne«
rungen" hat Ch. für mehrere deutsche
Journale, unter anderem für die von
ihm in's Leben gerufene „Deutsche Volks»
halle" und das Stuttgarter „Morgen,
blatt" mehrere Jahre hindurch regel-
mäßig , vornehmlich Korrespondenzen
aus Wien, gearbeitet. Seine Tochter ist
mit dem durch seine fachwissenschastlichen
Schriften bekannten, nunmehr als Bau« rath in Gratz lebenden Essen wein
verheirathet.
Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 61;
„WilhelmvonChezy" (kurzerNachruf);Nr. 64:
„Leichenbegängniß Wilhelm'S von Chezy". —
Wiener Zeitung 1863. Nr. 61, S. 791.
u. Nr. 64, S. 831.
^ Chocholousek, Prokop (öechischer
belletristischer Schrif tstel ler und
Journalist, geb. zu Sedlec im
Taborer Kreise Böhmens 18. Februar
4819, gest. zu Nadsjkau bei Sedlec
3. Juli i864). Nachdem er die Gym-
nafialclaffen zu Prag beendet, begab er
sich im I . 1837 über Tirol nach Italien,
über welche Reise er später in der öechi-
schen Zeitschrift „Viastiirai« Reisebilder
veröffentlichte. In Italien, vornehmlich
in Padua, verweilte er zwei Jahre,
machte noch vor seiner Rückkehr in die
Heimat einen Ausflug nach Dalmatien
und Montenegro, wo er den Stoff und
so zu sagen den richtigen Farbenton für
seine südslavischen Erzählungen fand,
welche in literarischen Kreisen zuerst die
Aufmerksamkeit auf ihn richteten. Nach
Prag zurückgekehrt begann er das Stu-
dium der Chirurgie, betrieb es einige
Zeit, gab es aber dann ganz auf, um sich
ausschließlich der Schriftstellerei zu wid«
men. Mit der Novelle „^anä^", welche
in der schon erwähnten Zeitschrift »Via-
Ltimil" erschien, betrat er die schrift-
stellerische Laufbahn und nun folgte eine
ganze Neihe größerer und kleinerer Ar»
beiten erzählenden Inhaltes, welche in
den beliebtesten öechischen UnterhaltungS»
blättern veröffentlicht wurden. Seit 1842
brachte das Unterhaltungsblatt «Tvst^
mehrere seiner Erzählungen, darunter:
die Frau des Dogen, — die Montene»
griner, — der Giftmischer, — die Toch»
ter Ottocar's, — Herr Simon von
Vrchotic, — die Hajduken, — Ilia,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon