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Ehrlich 438 EhrUch
Hauswesens auf sich nahm, sondern auch
als Erzieher dessen Stelle mannhaft
ersetzte und sein ganzes 3eben hindurch
unserem J o h a n n Nepomuk der
treueste hilfreichste Freund blieb. Als Gym«
nasiast hatte Johann schon eine seltene
Begabung für das Lehrfach gezeigt und
daher suchte er die Aufnahme in den
Piaristenorden nach, zu dessen Haupt«
functionen das Lehramt gehört. Die
Bezüge eines Priesters der frommen
Schulen sind sehr eng bemessen; sie
bestanden noch im Jahre 4848 in einem
maßigen Mittag» und Abendmahl, ein-
maliger sparsamer Beheizung selbst im
strengsten Winter, zwölf Pfund Kerzen,
einem Ordenskleid und zwei Hemden
jährlich, dann in drei Abstufungen 3t),
40 oder 80 st. Iahresremuneration und
monatlich sechs freien Messen auf Bei-
schaffung der übrigen Bedürfnisse, wozu
auch der Bücherbedarf zu rechnen war,
da kein Collegium mehr als 23—30 st.
jährlich auf seine Bibliothek zu verwen»
den hatte. Dabei gab es aber vom Ein»
tritt in das Noviciat angefangen unaus»
gesetzte angestrengte Geistesarbeit. Schon
die Theologiestudirenden mußten sich auf
eine künftige Professur vorbereiten oder
gar wohl eine solche suppliren. Nichts«
destoweniger trat Ehrlich in diesen
Orden, dem er bis zum Tode angehörte,
und der ihm so sehr am Herzen lag, daß
er dessen Feind für seinen eigenen hielt.
Anfangs hatte ihn sein Provincial für
eine physikalische Lehrkanzel bestimmt.
Allein die Beschäftigung mit der Philo-
sophie zog ihn mehr an, und er bewirkte,
daß, nachdem er 1834 zum Priester ge-
weiht und als Doctor in die philo»
sophische Facultat aufgenommen worden
war, ihm die Professur der Philosophie
an der Lehranstalt in Krems übertragen
wurde. Als Student konnte er sich eigent- liche „Gottesgelehrtheit" nicht erwerben;
er war wohl christlich von Haus auS,
aber wissenschaftlich hatte er sich darüber
nicht Rechenschaft gegeben, da wurde
ihm der Sonntagsgottesdienft in Rohr»
dorf bei Krems übertragen. Gewohnt,
nichts halb oder oberflächlich zu machen,
benutzte E. die reichen Anregungen, die
er im Beichtstuhl und durch seine übrigen
seelsorgerlichen Functionen erhielt, zu
den gründlichsten Erwägungen und Stu«
dien; das Leben des Geistes bot sich ihm
in seinen tiefsten Geheimnissen dar und
gab ihm so Gelegenheit, seine psycho»
logischen Forschungen in der Praxis
selbst zu erproben und weiter zu führen
zu dem großen unantastbaren Ergebniß
aller christlichen Philosophie, daß alle
Weisheit nur in der Harmonie zwischen
Wissen und Glauben bestehe, und fetzte
nun die Aufgabe seines Lebens daran,
diese wissenschaftlich darzuthun. I n ein
Näheres kann hier nicht eingegangen
werden, da philosophische Erörterungen
nicht die Aufgabe dieses Werkes sind.
Ungeachtet einer schwächlichen Gesund-
heit lag E. doch mit musterhafter Punct»
lichkeit seinen Pflichten als Lehrer und
Seelsorger ob. Bei den geringen Mitteln,
über die er verfügen konnte, muß hier
zweier Namen gedacht werden, die ihn
in seinem Streben wesentlich förderten.
Abt Ar i gler von Göttweih stellte dem
armen Piaristen mit edler Liberalität die
Stiftsbibliothek zur Verfügung, und noch
mehr, der Buchdruckergehilfe Ehrlich
kaufte dem noch ärmeren Bruder-Profes»
sor vom ersparten Lohne theure Bücher!
Nur dadurch war er in den Stand ge«
setzt, sich stets auf der Höhe der Wissen«
schaft zu erhalten und jene Werke zu
liefern, welche entweder selbstständig oder
im Wege der Kritik anderer die Wahr«
heit entwickeln. Diese find: „Metaphysik
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon