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44s Ost
päpstlicher Hausprälat und Thronassi«
stent, im Jahre 4834 anläßlich der Ver<
malungsfeier mit dem Commandeur»
kreuze des Leopold-Ordens ausgezeichnet.
und ihm im Jahre 1848 von der theo«
logischen Facultät der Prager Hochschule
anläßlich der Jubiläumsfeier das Doctor«
diplom verliehen worden.
Kerschbaumer (Anton), Bischof Fcigerle nach
dem Leben geschildert (Wien 1864, Sartori,
8«.), auch im Auszuge in der „Vierteljahr»
schrift für katholische Theologie". — Wald.
Heim's Illustrirte Zeitung (Wien, Fol.)
I I . Jahrg. (l863). S. NlO. — Porträt. Im
Holzschnitt auf S. ilü9 des Jahrganges lä63
der Waldheim'schen Illustrirten Zeitung.
^Fesl, Michael Joseph (gelehrter
Theolog, geb. zu Prag 29. Septem.
ber 1788. gest. zu Wien 6. Februar
1364). Erscheint hie und da auch irrig
Feßl geschrieben. Sohn armer Eltern;
besuchte die Schulen in Prag und trat
nach beendeten philosophischen Studien
in daS Seminar. Nachdem er im Jahre
1811 die h. Weihen erlangt, wurde er
noch in demselben Jahre als Professor
des Bibelstudiums nach Leitmeritz ge«
schickt, wo ihn Bischof Hurdalek als.
bald zum Präses des Seminars bestellte.
Als solcher und als Professor entfaltete
F. eine segensreiche Thätigkeit, er weckte
regeren Sinn und wissenschaftlicheren
Geist im Seminar. Und um den sittlichen
Ernst unter den sich bildenden Dienern
der Kirche zu befestigen, errichtete er unter
ihnen einen Verein, eine Art Tugend«
bund, als dessen Abzeichen die Mitglieder
einen eisernen Ring trugen. Seine strenge
Disciplin und sein Eifer für die Lehre
Bolzano's Md. I I , S. 33 j^ schafften
ihm jedoch bald viele und so sehr erbitterte
Feinde, daß diese eigens zwei Alumnen,
die aus dem Leitmeritzer Seminar in das
Prager übergetreten waren, nach Rom
schickten, um dort Fesl, Bolzano und Bischof Hurdalek zu denunciren. Ba l .
zano und Fesl wurden als Nachtreter
Huß' und Luther's geschildert, die,
wenn ihre Wirksamkeit nicht gelähmt
werde, große Verwirrung in die böh-
mische Kirche bringen würden. I n Folge
dessen langte am 18. December 1819
ein papstliches Breve an den Bischof
Hurdalek herab, worin diesem auf.
getragen wird, Fesl allsogleich seiner
Stelle zu entsetzen. Hurdalek's Be«
mühungen, F. auf seinem Posten zu be.
lassen, blieben erfolglos; wahrend nam.
lich der Bischof mit dem obersten Kanzler
Grafen Saurau in der Angelegenheit
Fesl's correspondirte, erhielt der da-
malige Hofburgpfarrer Fr in t den Auf-
trag, gegen Fesl die Untersuchung ein-
zuleiten. Fr int 's Antheil an diesen
Maßnahmen gegen F. erhellt aus der
Thatsache, daß Fr int's „Lehrbuch der
Religion für die philosophischen Lehr«
anftalten" von Dr. Bolzano, dem
Freunde Fesl's, einer strengen Kritik
war unterzogen worden. Nun sollte
dem einen Freunde heimgezahlt werden,
was der andere Freund verschuldet. Am
11. März 1820 wurde F. in seinem Zim-
mer verhaftet, seine Papiere wurden ver-
siegelt und er selbst fünf Tage später
nach Wien abgeführt. Dort brachte man
ihn in das Servitenkloster in der Rossau,
wo er in einer Klosterzelle bis zum
11. August 1824 in strengster Haft ge>
halten wurde. Obgleich Fesl's Mutter,
die alt und krank war, von hoher Seite
das Versprechen erhalten hatte, daß ihr
der Sohn wiedergegeben werden solle,
wußte doch Fr in t die Erfüllung dieses
Versprechens zu vereiteln. F., dessen Ver-
setzung nach Salzburg, später nach Gali.
zien und Dalmatien beabsichtigt worden,
kam gegen alle Erwartung nach Gratz.
Dort traf er am 26. Mai 1823 ein und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Laicharding-Lenzi, Volume 14
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Laicharding-Lenzi
- Volume
- 14
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1865
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 550
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon