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Liechtenstein 160 Liechtenstein
langt, erblickt er ein feindliches Chasseur-
Regiment vor sich. Die Gefahr gefangen
zu werden, lag zu nahe. Aber noch war
Rettung möglich. Der Fürst trug, der
damaligen Sitte gemäß, einen blauen,
golddurchwirkten Mantel. Sofort befahl
er der Ordonnanz, ihren weißen Mantel
wegzuwerfen. Da er, obwohl von den
feindlichen Chasseurs gesehen, unbehelligt
blieb, kam dem Fürsten der Gedanke, er
werde für einen französischen General
gchalten. Es galt nun sich zu retten, ehe
er erkannt würde. Da gerieth er auf fol«
gende kühne Idee. Er rief in französischer
Sprache nach dem Obersten des Regi«
ments, der auch sofort mit gesenktem
Säbel zum vermeintlichen General heran«
sprengte. Angesichts des Regiments ent»
riß nun der Fürst dem Obersten den
Säbel und mit den Worten: Sie sind mein
Gefangener! die Zügel seines Pferdes auf
der einen Seite ergreifend, während auf
seinen Befehl die Ordonnanz sie auf der
anderen erfaßte, jagte er mit seinem Ge«
fangenen spornstreichs davon, ehe das zu»
sehende Regiment genug Fassung gewon«
nen hatte, dem entführten Oberst zur Ret>
mng nachzueilen. — Im Feldzuge des Iah'
res 1796 schimmerte der Name des Helden
im alten Glänze an den Tagen von Hei«
dmheim, Forchheim, Bamberg (24. bis
26. August) und am hellsten in der
Schlackt bei Würzburg (1. bis 3. Sep-
tember), wo er mit seinen leichten Reitern
die Franzosen überflügelte, mit der schwe.
ren Cavallerie ihre Maffen durchbrach
und eine solche Verwirrung im Heere des
Feindes hervorbrachte, daß alle Zurufe
Iourdan's und Bonneau's die Flie«
henden nicht zum Stehen zu bringen ver«
mochten. Auf offenem Schlachtfelde um»
armte der Erzherzog Kar l den Fürsten
und übeischickte ihm spater durch seinen
Vetter Mor iz (außer Capitel, 26. Sep- tember 1796) das Commandeurkreuz des
Maria Theresien«Ordens. — Auch in
dem kurzen und unglücklichen Feldzuge
des Jahres 1797 flocht sich der Fürst in
seinen Ruhmeskranz ein herrliches Blatt.
Bei Rastatt richtete er ein französisches
leichtes Cavallerie»Regiment gänzlich zu
Grunde. (Einigen Nekrologiften, zum Bei-
spiel jenem in der Frankfurter „Didas«
kalia" 1836, in den erstenTagen des Mo.
nats Mai, genügte dieß eine Regiment
nicht, denn eS heißt daselbst: „4797 rich.
tete der Fürst mehrere französische Reiter»
regimenter zu Grunde!") Auch diese
Waffenthat des Fürsten fand in der Ar-
mee solche Anerkennung, daß die Officiere
mehrerer Kavallerieregimenter und meh»
rere Generale ohne vorangegangene Ver-
abredung, sondern auS eigenem Antriebe
herbeieilten, dem Fürsten für seine glän-
zende That ihre Huldigung darzubrin»
gen. — Im Feldzuge des Jahres 1799,
den Oesterreich im Bunde mit Rußland
in Italien führte, stand das Waffenglück
auf Seite des kaiserlichen Heeres, und
auch der Fürst hat in demselben mehrere
ruhmvolle Tage aufzuweisen. Kurze Zeit
vor der blutigen Schlacht an der Trebia
(17. bis 19. Juni) war der Fürst bei der
Armee angelangt, war aber noch nirgends
eingetheilt. Seine Bestimmung nicht erst
abwartend, focht er als Freiwilliger. Am
18. Juni. dem zweiten Schlachttage, war
das von der feindlichen Uebermacht hart
bedrängte Corps des Generals Ot t
bereits in einige Unordnung gerathen,
welche, da die Russen erst im Anmarschs
begriffen waren, sich bald ausdehnen und
in eine vollkommene Verwirrung aus«
arten konnte. Ein Theil der Geworfenen
bewegte sich durch die Weingärten und
gerade den unter Domb rowski hitzig
verfolgenden Polen entgegen. Die Situa»
tion war eine mehr als bedenkliche; da
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon