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Liechtenstein 152 Liechtenstein
Fürst überwand sein Leiden, stellte die
Armee in der kürzesten Zeit auf und
kämpfte mit derselben am 2. December
1805 die Dreikaiserschlacht bei Austerlih
mit, nach welcher er in der heillosen Ver»
wirrung den Rückzug der Unseren deckte.
Der Fürst hatte in dieser denkwürdigen
Schlacht wie bisher immer seine todes»
verachtende Kaltblütigkeit bewiesen, und
als wäre er gefeit gewesen, blieb er, ob«
gleich ihm Hut und Kleider von Kugeln
durchlöchert, mehrere Pferde unter ihm
getödtet und verwundet wurden, doch
abermals unverletzt. I n der Nacht dieser
Schlacht erhielt er für die durchbrochenen,
abgeschnittenen, in völliger Auflösung
flüchtigen Russen einen Waffenstillstand,
leitete die erste Unterredung zwischen bei»
den Kaisern, Franz und Napoleon,
bei der Czeitschermühle ein, und schloß
einige Wochen spater, am 26. December,
mit Tal leyrand den Preßburger Frie-
den. Den Neujahrstag 4806 feierte der
Fürst durch die Auswechslung der Frie.
densratisicationen. Wie Zeitberichte mel>
den, wurden er oder seine Adjutanten,
die Grafen Chotek und Starhem-
berg, wenn sie auf der Straße erschie»
nen, von dem Jubel deS Volkes begrüßt,
und die Aufregung der Wiener in ihrem
unbedingten Vertrauen auf den Fürsten
steigerte sich dermaßen, daß er — der
bald darauf zum commandirenden Gene»
ral ob und unter der Enns und Com>
Mandanten von Wien ernannt wurde —
am 11. Jänner einen Aufruf an die Wie«
ner, zur Mäßigung und Ruhe, erlassen
mußte. I n Anerkennung der von dem
Fürsten in den unglücklichen Tagen rühm-
voll erprobten Selbstverleugnung und
Heldenkraft, verlieh ihm der Kaiser am
12. Februar d. I . das goldene Vließ. —
An den großartigen Vorbereitungen zu
dem Kampfe deS Jahres 1809 — in welchem der große Kaiserftaat eben als
ein zusammengehöriges Ganzes
wie nie vorher und leider auch nicht wie»
der in solcher Art nachher erscheint — ent»
wickelte der Fürst eine großartige Thätig,
keit. Unter seinen Befehl wurden das Gre-
nadier und Cavallerie-Reservecorps ge»
stellt. Die Regierung seines Fürstenthums,
daS von dem französischen Machthaber
ohne des Fürsten Wissen dem Rheinbunde
war einverleibt worden, übertrug er seinem
Sohne und er selbst zog in's Feld und
begann mit Regensburg, dessen franzö«
sische Besatzung er am 20. April zurCapi-
tulation zwang, den neuen Reigen glan.
zender Waffenthaten. Durch den Fall
Regensburgs wurde der durchbrochenen,
in der Flanke und im Rücken bedrohten
und gegen die Donau gedrängten öster-
reichischen Hauptarmee der Rückzug auf
die linke Seite des Flusses ermöglicht.
Bei dem bedenklichen Donauübergange
am 23. April war es vornehmlich der
Fürst, der den Muth der österreichischen
Reiterei aufrecht hielt und sich zu wieder»
holten Malen mit wenigen Zügen Küras-
fieren, einmal sogar im heftigsten Platz-
regen, ohne Hut. auf dem ersten besten
fremden Rosse und mit fremdem Pallasch
auf den heftig andrangenden Feind warf.
„Wie bei Aspern", schreibt sein Biograph,
„sein Allen wohlbekannter, krumm ge-
bogener Federbusch, recht mitten im Ge>
dränge, als eine Warte der Zuversicht
geweht", spricht die erst in neuester Zeit
wieder (bei Enthüllung des ErzherzogKarl»
Denkmals) und mit Recht aufgefrischte
Relation über diese Schlacht. Die Nacht
vom 21. zum 22. Mai brachte der Fürst
einen Pistolenschuß weit von dem fran«
zösischen Vorposten, in einen gemeinen
Reitermantel gehüllt, auf der bloßen
Erde zu. Ein Stückchen Zucker und ein
Trunk schlechten Wassers, von dem Oberst
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon