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Liechtenstein 167 Liechtenstein
Irrthum, der sich in vielen Biographie
des Fürsten vorfindet, beruhet und we'
ihn der Erste vorgebracht, ist kaum m
Bestimmtheit anzugeben. Im Jahre 4733
ging 3. mit seinem Negimente in da
anfänglich bei Oppeln. spater bei Groß
Glogau zur Deckung der Königswah
August I I I . zum Könige von Polen
aufgestellte Zager. Im September d. I .
wurde der Fürst General<Major. Als im
Jahre 1734 Frankreich und Spanien
— die polnische Frage hatte zum Vor-
wände dienen müssen — Oesterreich den
Krieg erklärten, erhielt Prinz Eugen
den Oderbefehl über die Rheinacme
und der Fürst Joseph Wenzel ein
Commando unter Eugen. Doch in
diesem ersten, aus Märschen und Geg
märfchen bestehenden Feldzuge bot sich
dem Fürsten koine Gelegenheit zur A
zeichnuug. Im Jahre 1733 berief der
Kaiser den Fürsten aus dem Felde an
seinen Hof und schickte ihn mit der Mis<
sion, Preußen in guter Gesinnung für
Oesterreich zu erhalten und zur Absendung
eines größeren Corps als Verstärkung
der Rheinarmee zu bereden, nach Berlin
zum Könige Friedrich Wilhelm. In
diese Zeit fällt auch Liechtenstein'S Be>
kanntschaft mit dem damaligen Kronprin»
zen, nachmaligen Könige Friedrich II .
Der Fürst hatte Gelegenheit gefunden,
sich dem von seinem Vater sehr karg
dolirten Kronprinzen gefällig zu erweisen.
Nach vielen Jahren, nachdem Fried-
rich I I . längst König war, schickte er
dem Fürsten die geborgte Summe sammt
den Interessen. Der Fürst Liechtenstein
nahm das Capital an und schickte dem
Könige die Interessen zurück. Der König,
der sich diese kleine Lehre des großen
österreichischen Cavaliers hatte gefallen
lassen muffen, entbot nun mit einem
schmeichelhaften Handbillet dem Fürsten ein kostbares Tafelservice,
schreibt der witzige König, »c^s votrs
Hraitis xour inoi ssra pg.3 si oasLiI-
I6UX, cOUIMS lg. POrocilHiQS, HU6 ^H
V0UL envois". Der Fürst, der dem Könige
durchaus nicht verbindlich bleiben wollte,
machte diesem nun mit einer Bronoestatue
ein Gegengeschenk. Es war ein Antinous,
für den früher einmal der König dem
Fürsten selbst bereits 30.000 fl. ange-
boten, welche aber der Fürst, dem dieses
Kunstwerk um Geld nicht feil war, da«
mals ausgeschlagen hatte. — Nach seiner
Rückkehr von Berlin wurde 3. Feldmar-
schall «Lieutenant, Obersthofmeister der
Erzherzogin Mar ia Anna, wohnte im
Februar ^736 den Vermalungsfeierlich-
keilen der Erzherzogin MariaTheresia
und des Herzogs Franz Stephan
von Lothringen bei und begab sich
nun nach Ungarn in das Lager, welches
Johann Graf Palffy zur Beobachtung
der Türken aufgestellt hatte. Im Herbste
1737 wurde er zum Botschafter am fran«
ösischen Hofe ernannt, wo bereits die
Fried ensunterhandlungen eingeleitet wa«
en. Am 22. März 4738 schloß er mit
Frankreich einen Vertrag wegen der Grenz«
ftreitigkeiten in Luxemburg und hielt dann
am 21. December d. I . seinen Pracht-
ollen Einzug in Paris. Durch den gro«
ien Aufwand, den er machte, erregte er
Erstaunen bei den Franzosen und durch
seine geselligen Talente gewann er die
uneigung des Königs Ludwig XV.
Zrn März 1739 ernannte ihn der Kaiser
General der Reiterei und im No-
»ember d. I . zum Ritter des goldenen
Vließes. Der Kaiser Kar l VI. war ge«
orben und hatte die Beruhigung in'S
Zrab mitgenommen, daß die ersten euro»
äiscken Mächte die pragmatische Sanction
arantirt hatten. Aber kaum hatte der
aiser die Augen geschloffen, als man
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon