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Liechtenstein 188 Liechtenstein
in Oesterreich der Worte Eugen's ge-
dachte, eine Armee von Hundertachtzig
Tausend Mann sei die beste Garantie
der pragmatischen Sanction. Der Fürst
selbst rieth die sofortige Aufstellung von
40.000 Mann, aber die heimlichen Geg«
ner gewannen die Oberhand und es kam
nicht dazu. Als endlich der Fürst gewahrte,
wie Frankreich die Ansprüche des Chur«
fürsten von Bayern auf die österreichi«
sä-en Erblande unterstützte, nahm er am
23. Jänner 1741 seinen Abschied von
Versailles und kehrte nach Wien zurück.
Im November g. I . begab er sich zur
Armee nach Böhmen. Der erste Feldzug
fiel nicht glücklich für Oesterreich aus.
Im Treffen zwischen Czaslau und Chotu-
sicz (17. Mai 1742) führte der Fürst
den rechten Flügel der Cavallerie an und
richtete mit derselben die preußische Caval»
lerie zu Grunde. Bereits neigte sich der
Sieg auf die Seite der Unseren', aber
die ungarischen Truppen sahen sich, an»
statt die errungenen Vortheile zu benutzen,
nach Beute um, und die Schlacht wurde
verloren. Der Fürst selbst focht in dieser
Schlacht mit einer Bravour obne Glei»
chen. Auch da war er in's dichteste Hand»
gemenge gerathen und nahe daran, von
einem preußischen Kürassier niedergehauen
zu werden. Rechtzeitig noch wich der Fürst
diesem Hiebe auS und senkte seinen Degen
bis an das Gefäß in den Leib seines
Gegners. Nun ging er mit dem Groß-
Herzoge von Toscana nack Bayern, wel
cheS im Jahre 1743 völlig unterworfen
wurde. Die bisherige Führung des Krie.
ges hatte den Fürsten auf manche Män«
gel in unserer Armee aufmerksam gemacht
und ihn zur Neberzeugung gebracht, daß
die Siege der Preußen auf ihrem
schütze beruhen. I n der Schlacht bei
Czaslau, in welcher 80 preußische Ge>
schütze gegen die Unseren donnerten, hatte es der Fürst erkannt, daß alle persönliche
Tapferkeit vor den todtbringenden Ge>
schützen erliege, und daß eine gutbediente
Artillerie im Felde das Uebergewicht
gebe. Die Kaiserin billigte ganz die
Ansichten des Fürsten, der auf Reformen
nach dieser Nichtung abzielte. I m Juni
1744 wurde er General», Land», Feld»
und Haus-Artilleriezeugmeister, überhaupt
Chef des ganzen Artilleriewesens. Rasch
ging der Fürst an die Ausführung seines
Gedankens. Da es an heimischen Kräften
fehlte, mußten solche in der Fremde ge«
sucht werden. So kamen der Däne Alv<
son, der unter dem Namen „Feuerteufel"
in der Armee fortlebende, in sächsischen
Diensten stehende Rouvroy, der Ber«
liner Schröder und der durch seine tech»
nischen Kenntnisse hervorragende Mecha»
niker Iaquet auf des Fürsten Ruf nach
Oesterreich. Dann fchaffte der Fürst die
Auflagen zweier kostbarer Werke über
die Ingenieurkunst, nämlich jenes von
Bel idor und Deidier und ließ sie
gratis unter sein Corps vertheilen. Dabei
nahm er fleißig Uebungen mit der neu«
geschulten Mannschaft vor, sehte für ge«
schickte Kanoniere und Bomben Werfer
ansehnliche Preise aus, und indem er die
ihm angewiesenen Summen um ein Be«
trachtliches aus eigenen Mitteln erhöhte,
förderte er die Tüchtigkeit unserer Artille»
rie in kürzester Zeit in überraschender
Weise. I m Juli 1743 wurde der Fürst
General. Feldmarschall, Statthalter in
Mailand und commandirender General
in Italien. Bald nach seiner Ankunft bei
der Armee,, die bisher unter des Grafen
Schulenburg Befehl gestanden, nahm
der Fürst große Veränderungen mit der-
selben vor. Nicht bloß seine Reformen im
Geschützwesen fanden Platz, auch die sehr
gelockerte Disciplin wurde wieder herge«
stellt. Das Heer, das in Lumpen und Fetzen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon