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Liechtenstein 162 Liechtenstein
denArmen den Wink,
sich
aus dem Staube
zu machen. Wenn er ausging oder aus-
fuhr, mußten die Bedienten die Taschen
voll Münzen haben. Es stand der Ver-
li!st seiner Gnade darauf, wenn sie einen
Armen unbescheukt wegließen. Erfuhr er,
daß es irgendwo verschämte Hausarme
gab, so schickte er ihnen, ohne sich erst
darum ansprechen zu lassen, oft betracht-
liche Summen zu. I n späteren Jahren
war 3. ganz das Bild des gutherzigen
Murrkopfes, den Goldoni uns so lie-
benswürdig schilderte. Er jagte bei übler
Laune oft wegen Kleinigkeiten Leute aus
dem Dienste, ließ ihnen aber lebenS»
länglich ihren Gehalt; andere durften
nicht mehr vor seinem Gesichte erscheinen;
aber er bedachte sie in seinem Testamente
— und viele gewannen durch seine Un-
gnade mehr, als sie vielleicht durch seine
Gnade würden gewonnen haben. Kurz
die Güte seines Herzens machte immer
die Fehler seines feurigen Temperamentes
wieder gut". Nur sein gegen seinen Ge-
fahrten und Freund, den Neger Angelo
So l im an ^siehe: Sol iman^ began-
genes Unrecht, den er sofort seines Dien»
stes entließ, weil er sich verheirathet hatte,
machte erst sein Neffe und Erbe Franz
Joseph wieder gut, indem dieser Soli»
man einen Iahresgehalt aussetzte, ihm
die Aufsicht über die Erziehung seines
Sohnes Alois Joseph ss. d. S. 139)
übertrug und ihm mit seiner Familie eine
Wohnung im fürstlichen Palais anwies.
Hormayr aber, der den Fürsten noch
persönlich gekannt, sagt kurz aber tref»
fend von ihm: „Der Grundzug in dem
Gemüthe dieses Fürsten war: Rasches
Wirken durch große Mi t te l . Darum
ritt er selber, in Augenblicken der Ent>
scheidung und des Beispieles wegen, mit-
ten in die Türken und Preußen hinein.
Darum waren ihm die Kanonen lieber ^ als die Flinten; darum gab er das Geld
lieber selbst, als es beim öffentlichen
Schatze zu suchen; darum verschenkte er
die Lehrbücher, welche Andere empfohlen
hatten". Und auch das kurze Urtheil
Friedrich's II . , dem der Fürst im Felde
gegenüber gestanden, dürfte am passend«
sten diese gedrängte Lebensskizze schließen.
Nach der verlorenen Schlacht von Kollin
schreibt der König an den Lord Mar-
schall: „daß die Oesterreicher den Vor»
theil einer wohlbedienten Artillerie hat«
ten, die Liechtensteinen Ehre bringt". Auf
welche Stufe aber der Fürst diese bis
vor ihm vernachlässigte Waffe gehoben,
dafür spricht das Urtheil Fouquets,
gewiß eines Kenners in diesem Stücke,
der der kaiserlichen Artillerie sogar den
Vorzug vor der preußischen einräumt
und von ihr sagt: „Ihre Kanonen sind
beffer gearbeitet, ihr Pulver treibt weiter
und ihre Feuerwerker sind geschickter".
l. Zur Kiograpl)ie. I'i'smiLo/me?' e^ok. Ha^t.^,
?HU6F5liLUL yi-woixi ^. ^v. I.isokt6N8tsiQio
(Viünnas 1772, 8«.). — (Vezzl. Johann).
Lebensbeschreibungen des Fürsten Raimund
Montekukuli. des Fürsten Wenzel Lichten-
stein, des Hofmths Ignaz von Born (Wien
1792, I . V. Degen. 6".) S. 127—214. —
Morgenstern (Naphael). Oesterreichs Hel«
den des 17. und 18. Jahrhunderts (St. Pöl»
ten 1783, 80.) S. 319. — Neue gen ealo»
gisch'historische, Nachrichten (Leipzig.
Heinsius. so.) Bo. X I I , S. 237-253. —
Hormayr (Joseph Freih.), Oesterreichischer
Plutarch (Wien 1807. A. Doll. 8«.) Bd. I I ,
S. 63. — Fr an kl (3. A. Dr.), Sonntags-
blätter (Wien, 8«.) I. Jahrg. (1842), S. 51:
„Heldentafel"; IV. Jahrg. (1845), S. 532:
„Fürst Wenzel Liechtenstein und die zwei Brü«
der" sonach einer wirklichen Begebenheit erzählt
von Friedrich Uhl). — Vehse (Eduard Dr.).
Geschichte des österreichischen H"ofs und Adels
und der österreichischen Diplomatie (Hamburg
1852, Hossmann u. Campe, kl. 8°.) S. 25. —
Thaten und Charakter züge berühmter
österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen,
8«.) Bd. I I , S. 125 z^ nnt der Angabe des
Todesjahres 1773, welches unrichtig ist). —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon