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Lotkomih 33l
Tyrnau und Preßburg sich aufgestellt hatte.
Nun wurde der Fürst zu der am 6. August
4646 stattfindenden Krönung deS Kronprinzen
Ferdinand IV. zum Könige von Böhmen
durch ein eigenes kaiserliches Handschreiben
eingeladen. Er trug bei dieser Feier die könig«
liche Krone und nahm vor allen dabei anwe«
senden Fürsten den ersten Rang ein. Als zu
Ende dieses Jahres der Erzherzog Leopold
Wi lhe lm, welcher bisher den Oberbefehl
über das Herr führte, zu «ner persönlichen
Unterredung mit dem Kaiser nach Wien sich
begeben mußte, übernahm der Fürst Wenzel
Euseb, der mit dieser Nachricht der Be«
rufung des Erzherzogs an das kais. Hoflager
an denselben entsendet worden, den Oberbefehl
aus dessm Handen und behielt ihn bis zur
Ankunft eines in der Person des Grafen
GallaS ernannten bestimmten Nachfolgers.
Nun erhielt der Fürst eine Mission an den
bayerischen Hof, dort galt eS, den Churfürsten
gegen die unablässigen Verlockungen Frank«
reichs mißtrauisch zu machen und jede Ver-
bindung mit dem Westen, die dem Kaiser
und Reiche gefährlich werden konnte, zu hin»
tortreiben. Im Jahre 1647 übernahm er eine
Sendung an den Feldmarschall Peter Gra«
fen Holzapfel. Das kaiserliche und das
schwedische Heer standen sich bei Pilsen un»
thätig einander gegenüber und brandschatzten
das ganze Land. Dieser Situation mußte
ein Ende gemacht werden. Lobkowitz ver«
abredete nun mit Holzapfe l eine Vereini»
gung des bayerischen mit dem kaiserlichen
Heere und eine Bewegung beider gegen die
schwedischen Feldherren Königs mark und
Wrangel. I n der Zwischenzeit hatte der
Fürst Würde an Würde erstiegen und wurde,
nachdem er schon im Jahre 1636 — erst
27 Jahre alt — kaiserlicher Hofkriegsrath.
1640 Feldzeugmeister. 1644 Hofkriegsrats-
Vicepräsident. 22. Jänner 1647 geheimer
Rath. 23. August 1647 General'Felomarschall
geworden, am 2. März 1632 Hofkriegsrat!)'
Präsident. Als nach dem Tode des KaiserS
Ferdinand I ir . (2. April 1637) eine neue
Kaiserwahl stattfand, ging der Fürst als
Haupt der kön. böhmischen Wahlgesandtschaft
nach Frankfurt, und vornehmlich seine klugen
Unterhandlungen und sein geschicktes Vor»
gehen in Beseitigung der von Frankreich,
Schweden und Savoyen heimlich und offen
geschmiedeten Ränke bewirkten die Wahl
Leopold's I . zum Kaiser. Bei dieser Gele«
heit führte Wenzel Euseb auch den Satz durch, daß Böhmens Köm'g nach vollendetem
46. Jahre großjährig sei. denn Leopold
zahlte damals, als er Kaiser wurde, nicht
mehr denn 17 Jahre. Nun richtete der Fürst
sein Augenmerk wieder nach den inneren
Angelegenheiten des Reiches, dem in seiner
Erschöpfung nach den langwierigen Türken«
kriegen der Friede noth that. Der Sieg, den
Ra imund Graf M o n t e c u c u l i hei
St. Gotthard über den Großvezier Achmet
K iup r i l i Pascha erfochten, hatte dessen
Trotz gebeugt; diese Stimmung benutzte der
Fürst und es gelang ihm, den Vezier zu
Friedensvorschlägen, die er ihm angetragen,
geneigt zu machen. Thatsächlich trat auch
bald eine Waffenruhe ein, welcher endlich
der förmliche Friedensschluß folgte. Aber mit
dieser Wendung der Dinae waren die Stände
Ungarns, unter denen sich eben die tapfersten
Türkenbekämpfer befanden, ganz unzufrieden.
Der Kaiser berief demnach die vornehmsten
der Mißvergnügten, um sie zu beschwichtigen,
und wieder unterzog sich der Fürst 3. und
mit Erfolg dieser Aufgabe. Dafür gab der
Kaiser den Ungarn die Zusage, er werde die
Festungen an der Wüag bauen und die deut«
schen Truppen, die im Frieden wenig will»
kommene und nicht minder bedenkliche Gäste
als die Türken im Kriege waren, aus dem
Lande ziehen. Im Jahre 1665 wurde der
Fürst Obersthofmeister und nach dem Abgänge
des Ministers Fürsten Auersperg vom kais.
Hofe, im Icchre 1669, erhielt der Fürst im
geheimen Rathe, wenn der Kaiser in dem-
selben anwesend war, die erste Stimme und
bci dessen Abwesenheit die oberste Leitung
desselben. Nun war er zunächst bemüht, dns
vollkommenste Einverständniß und die Ver»
emigung der beiden Linien des Hauses Habs»
bürg in Spanien und Oesterreich herzustellen.
Durch mehrere Veranlassungen, namentlich
aber durch Frankreichs Ränke, war das
Band derselben gelockert worden. Aber welche
Höhe der Fürst auch erklommen, sie sicherte
ihn nicht vor Verfolgungen, die ihm der
Haß seiner zahllosen und erbitterten Feinde
aus allen Schichten der Gesellschaft bereitete.
Diesen Haß hatte er sich aber vornehmlich
durch seinen beißenden Sarkasmus, mit dem
er Niemand verschonte, der ihm eben Anlaß
dazu gab, zugezogen. Und dieser Haß wurde
endlich der Sieger über den allmächtigen
Minister, der plötzlich, ohne eine noch heut
recht begründete Ursache — über Nacht —
von seiner Höhe stürzte. Die nächste Veran'
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon