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Fokkoroitz 343 Lodkowitz
Piacenza. Auf diesem Posten blieb er
bis zum Ausbruche des Türkenkrieges
und wurde nun, 4839, abberufen, um
an Stelle des General>Feldzeugmeisters
Grafen Wal l is als Commandirmder
nach Siebenbürgen zu gehen, welches
damals die Türken bedrohten. In der
That war im Fürsten der rechte Mann
gewählt worden, er begegnete eben so
geschickt den Ausfällen an der Grenze,
als er alle Versuche zur Erregung innerer
Unruhen vereitelte. Siebenbürgen war
während dieser Zeit trefflich berathen.
Aber seine Thätigkeit und Umficht wurde
bald auf wichtigeren Posten nöthiger.
Als Mar ia Theresia, bald nachdem
sie ihrem Vater in der Regierung ge-
folgt, von ihren offenen und versteckten
Feinden in treuloser Weise angegriffen
wurde, erhob sie den Fürsten zum Feld«
marschall und Oberbefehlshaber aller,
in hastiger Eile bei Pilsen versammelten
Kriegsvölker, welche die Aufgabe hatten,
Böhmen und das Land ob der Enns vor
allen feindlichen Einfällen zu schützen.
Die Feinde, verbündete Sachsen, Bayern
und Franzofen, zahlten eine Armee von
32.000 Mann. Dieser Uebermacht war
das schwache undisciplinirte österreichische
Heer nicht gewachsen und der Fürst außer
Stande, den Zug der Gegner nach Prag
zu verhindern. Er führte nun sein Heer
dem Großherzoge von Toscana zu, mit
dem er sich in Neuhaus vereinigte. Ob»
wohl Feldzeugmeister Graf Ogi lvy,
welcher in Prag befehligte, Nachricht
gegeben hatte, daß er, wenn nicht Ver«
stärkung sofort eintreffe, die Stadt nicht
halten könne, war nichtsdestoweniger das
Vorrücken unserer Truppen gegen Prag
nicht genug beschleunigt worden und als
Lobkowitz mit seinen Kriegern eben
über Beneschau gegen Prag vordrang,
kam die Nachricht von dem Falle Prags (23. auf den 26. November 4741).
Während nun der Prinz Kar l von
Lothr ingen sich gegen die Preußen
und Sachsen nach Mähren wendete,
blieb Fürst 3. in Böhmen, stellte sich bei
Budweis auf und machte Anstalten, die
Franzosen bei Hluboka (Frauenberg),
wo sich die Franzosen in das alte Schloß
zurückgezogen hatten, zu belagern. In»
dessen waren Brogl ie und Belle isle
von Pilsen her zum Entsatze der in
Frauenberg Belagerten herbeigeeilt. Bei
Sahay kam es zu einem heißen Kampfe,
in welchem 3 obkowi tz geschlagen
wurde und sich wieder nach Budweis
zurückziehen mußte. Die Niederlage bei
Sahay war Ursache, daß der Zwiespalt,
welcher zwischen dem Fürsten als Ober«
befehlshaber und dem unter ihm stehen«
den General, Feldmarschall«Lieutenant
Grafen Browne herrschte, in greller
Weise hervortrat. B r o w n e tadelte die
von Lobkowitz im, wie nach dem
Kampfe ergriffenen Maßregeln so rück«
sichtslos, daß der Fürst in höchster Auf-
regung sofort einen Kriegsrath berief,
dessen Ausspruche er sich unterwerfen
wollte und den Großherzog selbst bat,
sein Benehmen strenge zu untersuchen.
Der Hofkriegsrath fand in des Fürsten
Benehmen nichts, was zu einer Unter«
suchung Anlaß böte, mißbilligte aber
ausdrücklich das Benehmen des Grafen
Browne, dem er, wenngleich mit An«
erkennung der Pfiicht, im Kriegsrathe
seine Meinung offen zu sagen, doch Ruhe
und Gelassenheit anempfahl. Interessant
ist der Ausspruch Friedrich's I I . über
dieses Gefecht, indem er bemerkte: „daß
man in Rom über die Schlacht bei
Pharsalus nicht so viel gesprochen habe,
als über dieses unbedeutende Gefecht
in Paris", welcher gesellschaftliche Klatsch
wohl durch diesen bald offenkundig
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon