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aber mit dem bloßen Verneinen und
Widerlegen eines bereits von Anhängern
gepflegten und vertheidigten System,
nicht geholfen sei, fühlte 3. selbst nur zu
sehr. und um dennoch seinen Ansichten
mehr Wirksamkeit zu verleihen, setzte er
selbst an die Stelle des von ihm abge
wiesenen Systems ein anderes, gewann
für seine antiphlogistische Methode, die
viel einfacher war und den Vortheil einer
einheitlichen Methode besaß, unter der
praktischen Aerzten immer mehr und
mehr Anhänger und wurde auf diese
Art vor Rasori der Begründer des
sogenannten italienischen Systems
in der Medicin ^vergleiche das Nähere
in den Quellens. Die politischen Ver»
änderungen, welche indessen in Italien
stattgehabt, blieben im Allgemeinen au
ihn selbst ohne Einfluß, nur in seinen
wissenschaftlichen Studien traten bei dem
Drunter und Drüber der Revolution für
ihn sehr unangenehme, jedoch nicht zu
beseitigende Störungen ein. Als der
Republik das neue Königreich Italien,
mit einer neuen Dynastie und einer ver>
änderten Verwaltungsform folgte, wurde
3. 1893 durch Ernennung zum Leibärzte
am Hofe des Vicekönigs und im fol-
genden Jahre durch die Verleihung des
Ordens der eisernen Krone ausgezeichnet.
Seine klinischen Vortrage hielt L. so
lange, bis alle Specialschulen, welche bis
dahin an den einzelnen Spitälern sich
befanden, aufgehoben und zu den Uni-
versitäten einbezogen wurden. Damals
legte 3., der indessen schon alt geworden,
auch sein Lehramt nieder und behielt nur
noch die Stelle eines Primararztes bei
8lrnta O2.til.rinH und an der von einigen
menschenfreundlichen Bürgern Mailands
gestifteten Oasa äi saluto. Schuft«
stellerisch auf seinem wissenschaftlichen
Gebiete war es dem durch eine ausge» breitete Praxis stark in Anspruch genom-
menen 3. nur ausnahmsweise zu wirken
gegönnt. Bald nach seiner Rückkehr von
der wissenschaftlichen Reise veröffentlichte
er ein paar Abhandlungen, und zwar:
und ))
Im Jahre 1819 erschien von ihm im
Drucke das Werk:
, 8".), durch welche er^ine
hartnäckige Polemik mit seinem einstigen
Schüler Enrico A c e r b i hervorrief.
Locatell i schloß diesen gelehrten Streit
mit dem Aufsatze:
abgedruckt in
Omodei's „^.unaii univ^rsaii äi
kleäioing.". Außerdem ließ er über wich«
tige Fälle aus seiner Praxis dann und
wann Aufsähe in Fachzeitschriften erschei«
nen, übersetzte auch einiges Fachwissen-
schaftliche aus anderen Sprachen, schrieb
eine Geschichte der Krankheit des Malers
Errante. welche seiner Zeit in Mai-
land großes Aufsehen machte und arbei»
tete an seinen Memoiren, welche er Hand»
schriftlich zurückgelassen. Sein gelehrter
Briefwechsel mit A n d r e , B l a k .
Monro . Va lent in , Rub in i und
Anderen möchte unter der entsprechen»
den Redaction eines Fachmannes für die
Wissenschaft mannigfaches Interesse dar.
bieten. 3. war Mitglied mehrerer Ge«
lehrteN'Gesellschaften und Akademien, und
aus freiwilligen Spenden wurde ihm im
großen Spitale zu Mailand, dessen 3ei.
tung so lange in seine Hände gelegt war,
ein Denkmal zur bleibenden Erinnerung
an den ausgezeichneten Arzt errichtet.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon