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Lodron 378 Lodron
Gotteshauses unverweigerlich zu gehorchen und
sich aller Feindseligkeit zu enthalten haben.
Es war ein bewegtes Leben, welches Par is
geführt, und erst das vorgerückte Lebensalter
scheint seiner ehernen Faust das Kampfschwert
entwunden zu haben, denn die letzten Jahre
seines Lebens sind frei von Fehden und Zwisten,
wenigstens melden die Chroniken nichts davon.
In allem aber mochte er doch eine hochherzige
Menschenerscheinung gewesen sein, denn das
Bild, das Petrus Iust in ianus in den
H.QUKI. Venet. von ihm entwirft, ist ein der
Mittheilung würdiges: „Vi virtug", schreibt
er, „aniiQi, cor^or^ viFor, klkrtzä kkota,
LloblHo oeledi-Läliuo victorino co^noniLn-
t,u,m klaLQi kMiäsrunt. Hui äum. p6r^ »6-
tuk ti<1o L0l:ioL tuotur, reä pro^rin« ultiiua.
äiLcrimino gblturdatas, lißnu,o roätitult,
exigua lna,nu Lsä SxcslLa Li onm trennen-
tibus doLtiuw. oo^iiä ooiu^^rotur. Intar tot
tHN^us inlii^nes victuriaL nitiil olLMyutiI,
st dulnallitato l^ariäis m^u5 viclyri po-
tsr^t, U^2n6,o kol>t,sä vo looorum aäckucloä,
unä6 vivLiltlduä LMüi^LlL nou lieedät,
ineolUlnitato vitH^us liU^Mceiz äouavit.
8ic Hliimo 6x,ctilüo i-atiü 0t»t uon vwieuwr
ut:; 5Lä uti victoria 0^5t>s. II.ic arto tio>
ätilo oäiurn totulu in odäbliuium ainiculu
Vormut2.vit." ^Brandis (Clemens Graf
und Herr zu), Tirol unter Friedrich von
Oesterreich (Wien 1823). Urkundenbuch Nr. !3.
94, 96. 97. 98. 99. l0l u. l07. t44, l43. 146.
150. l33. 161. — Lichnowsky (Fürst),
Geschichte des Hauses Habsburg, Theil V,
S. 222 u. (^ci .XV; Theil VI, S. 57.) —
14, Paris Graf L.. der X.. nach Linderen der
XI. dieses Namens (Fürst und Erzbischof
von Salzburg, geb. zu Castellano in Tirol
28 November 1586. gest. zu Salzburg 13. De<
cember 1633). Als Fürst und Kirchenfürst so
hervorragend, daß ein großer deutscher Histo«
riker. Johannes von Mül ler , als sich König
Ludwig von Bayern mit ihm berieth, welchem
geistlichen Fürsten in der von ihm für Deutsch»
lands verdiente Männer zu erbauenden Wal-
halla ein Standbild aufgestellt werden sollte,
in einem Schreiben aus Cassel vom 9. August
l808 bemerkte: „Ich wollte auch nicht, daß
man glauben könnte, in der tausendjährigen
Folge unserer geistlichen Fürsten habe keiner
einen Platz bei Weisen und Helden verdient.
Wählen Eu. k. Huhrit. Hier ist Hanns
von Dalberg, Bischof zu Worms, der
Wicdecherstcllcr deutscher Nissenschaft und
Kunst. Dort ist Par is von Lodron, der salzburgische. welchen im dreißigjährigen
Kriege kein Vorurthcil noch Interesse zu un-
gebührlichen Dingen vermocht, Vater seines
VolkeS". Schwer ist es, das Bild eines sol«
chen Kirchenfürsten in wenigen Zeilen erkenn»
bar zu zeichnen. Par is ist ein Sohn des
Grafen Nikolaus, von der von Petrus
gestifteten Linie der Lodron, aus dessen
Ehe mit Dorothea von Welsperg. Auf
dem Lodron'schen Schlosse Castel lan in
Südtirol geboren, kam er nach Ingolstadt.
um dort unter den Jesuiten seine Studien
zu beenden. Im Jahre 1604 hielt er eine
öffentliche Disputation, welche im näm'ichen
Jahre unter dlM Titel: „ 1)129litatio pkilo-
Lo^dica clo vai-ibtato izoientikruw ot ai'timn"
im Drucke erschien, wurde bald darauf Dom»
Herr und erhielt durch Vermittelung seines
Verwandten Anton Grafen von Lodron,
der Dompropst zu Salzburg war. dort auch
in kurzer Zeit eine Dompfründe. Als Dom«
probst A n t o n beinahe 80jähn'g starb
(8. December 1613), wurde Graf Par is
auf ausdrückliches Verlangen des damaligen
Erzbischofs MarcusS i t t i cus Grafen von
Hohcnembs zum Dompropsten und als vier
Jahre später der Erzbischof selbst mit Tode
abging, wenige Wochen darnach, am 13. No»
vember 1619, mit absoluter Stimmenmehr«
hcit zum Erzbischof von Salzburg gewählt.
Der damals achtzigjährige Vater Graf Ni-
kolaus unternahm trotz seines hohen Alters
in Winterszeit die beschwerliche Reise, von
seiner Besitzung Villa unweit Rovcrcdo,
nach Salzburg, um seinen Sohn, den 33jäh<
rigen Erzbischof, zu beglückwünschen und ihm
das letzte Lebewohl zu sagen. Schon ein
Jahr vor seiner Wahl zum Erzbischof hatten
die Unruhen begonnen und dann Deutsch«
land sich in zwei Theile gespalten, die katho«
lische Liga mit Kaiser Ferdinand I I .
und Churfürst Maximi l ian von Bayern
an der Spitze, und die protestantische Union,
zu der viele kleinere deutsche Fürsten standen.
Der dreißigjährige Krieg verwüstete deutsches
und angrenzendes Gebiet, vom Belt bis an
die Adria. Es fehlte nicht an eindringlichen
Bemühungen, den Fürsten Par is zu gewin<
nen. Aber der Erzbischof stellte daS vor»
schriftmäßige Contingent an Truppen, leistete
die Zahlungen, zu welchen ihn die Reichs»
Matrikel verpflichteten, nahm aber an dem
unglückseligen Religionskriege als Landes»
fürst weiter keinen Antheil. Nur einmal,
im Jahre !62l, hatte er auf Ansuchen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Volume 15
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Leon-Lomeni
- Volume
- 15
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1866
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 499
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon