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160 Aar
Max, Emanuel (Bi ldhauer, geb.
zu Bürg stein im Leitmeritzer Kreise in
Böhmen 49. October 1810). Gehört
einer Künstlerfamilie an, in welcher sich
das Talent der Bildhauerkunst, der
Kunst überhaupt, von Väter auf Söhne
und Enkel fortgeerbt hat. Die in der
Anmerkung^) folgende kleine Stamm-
tafcl wird die Uebersicht erleichtern.
Schon der Großvater Anton war ein
geschickter Bildhauer, dem jedoch in den
Tagen seiner Thätigkeit wenig Gelegen^
heit geboten ward, sein Talent an guten
Mustern zu bilden und in entsprechender
Weise zu entfalten. Emanuel 's Vater
Joseph war gleichfalls Bildhauer und
versah die Ornamentenarbeit in der grast,
Kinsky'schen Spiegelfabrik zu Bürg-
stein. Von seinen 7 Söhnen sollten zwei,
Emanuel und Joseph und ein Gnkel
Gabriel ihren Namen durch ihre Kunst»
werke zu Ehren bringen. Die Familie
lebte in fast ärmlichen Verhältnissen,
denn außer den Bestellungen der Fabrik
liefen andere äußerst selten ein. die
Fabriksarbeiten wurden geringe bezahlt
und stockten auch nicht selten, wie dieß
besonders in den Kriegsjahren der Fall
war, so daß manchmal Noch und Mangel
in der zahlreichen Familie herrschten.
Unter solchen fast kümmerlichen Verhälb
nifsen verlebte Emanuel die Kinder»
jähre. Sieben Jahre alt, besuchte er die
Landschule seines Geburtsortes, wo er
dürftig in den Elementen des Lesens,
Schreibens und Rechnens unterrichtet
wurde. Da er kein Talent für die Musik besaß, welche der Lehrer mit besonderem
Eifer betrieb, hatte er sich auch keiner
besonderen Gunst von Beite desselben zu
erfreuen. Auch mehrere lebensgefahrliche
Unglücksfalle waren nicht förderlich für
'eine Entwickelung und fesselten ihn
öfter lange Zelt an Bett und Stube,
s er den Schulbesuch im Alter von
zehn Jahren beendet hatte, war nun der
Vater bedacht, für die Zukunft seines
Sohnes zu sorgen, und gab dem Zureden
eines Glasmalers, der in der Nahe von
Bürgstein, in Blattendorf arbeitete, nach
und beschloß, seinen Sohn Emanuel
die Glasmalerei lernen zu laffen. Bisher
hatte sich Emanuel nur wenig bei
seinem Vater im Holzschnitzen geübt. Er
kam nun zu diesem Glasmaler, dessen
künstlerische Ab- und Ansichten sich bald
in eigenthümlicher Weise entpuppten.
Der Junge wurde nämlich zum Farben«
reiben und, was noch schlimmer war, zum
Lasttragen verwendet. Täglich mußte er
von Blattendorf hungrigen Magens, ein
Stück Brot für den ganzen Tag, den
Weg nach Hcuda in die Glasfabrik seines
Lehrherrn mit einer von Glas vollge-
packten Trage machen, dort in den
kalten Räumen stundenlange warten oder
die Besucher der Niederlage herumführen,
und Abends als Führer seines Herrn
hungrig und müde den Rückweg antreten.
Seine übrige Beschäftigung — worunter
sein Lehrherr wohl die künstlerische Seite
derselben verstand — bildeten Farben«
reiben, Glaszutragen, Holzschüren, wenn
die Farben im Glase eingebrannt wur»
Anton sS. 165, in den Qu.).
Joseph, Ornainenten'Bildhauel.
geb. 1765. -z- 1838 ^S. 165, in den Qu.).
Joseph, Bildhauer sS. 16
geb. 8. Jänner 1804,
-j- 18. Juni 1855.
Gabriel, Maler s^S. <63
geb. 23. August 1640. Emanuel, Bildhauer sS. 1
grb. l9. October 13io. Noch fünf Brüder
und eine Schwester.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon