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Mayrhofer 492 Mayrhofer
sächsische Armee-Division Rouher dem
zlim Vorrücken durch das Pufterthal
beorderten General Rusca an der
Brirener Klause die Hand zu reichen.
Die Division Rouher, an dritthalbtausend
Mann stark, war durchwegs aus fach-
siscken Landeskindern zusammengesetzt.
Die Tiroler trafen großartige Anstalten
zur entschiedensten Vertheidigung. Die
Gegend der Brirsner Klause und der
Eisackbrücke wurden in Vertheidigungs-
stand gesetzt, die Straße mit Verhauen
unwegsam gemacht und auf den Bergen
sogenannte „Rollbatterien" aus Bäumen
und Steinen vorbereitet. Haspinger,
der mit dem Schreiben sich nicht ganz
zurecht wußte, wählte Mayrhofer zu
scinem Adjutanten. Dessen Compagnie
stellte sich gegen Mauls auf der Straße
nach Sterzing auf. Am Morgen des
4. August erfolgte oon Seite der Sachsen
der Angriff. In einem neunstündigen
Gefechte war eS den den Tirolern weit
an Zahl überlegenen Sachsen kaum über
eine Meile vorzudringen gelungen. Aber
der entscheidende Augenblick sollte erst
kommen. Als das GroS des Feindes
über Verhaue und Graben der sich
langsam zurückziehenden Vorhut der
Tiroler nachrückte, erscholl in einer
Thalenge mit einem Male das furchtbare
Commando und die Rollbatterien stürz»
ten von den Bergen in's Thal, an die
Tausend Feinde unter ihrer Wucht be-
grabend'. Die Vorhut der Sachsen war
durch den fürchterlichen Steindamm
nicht nur abgeschnitten, sondern zu
großem Theile vernichtet. Sie warf sich
in die Ortschaft Oberau. Am folgenden
Tage, 3. August, stnrmte M. mit sei«
ner Compagnie die Ortschaft. Drei
Stürme hatten die Sachsen bereits aus-
gehalten, endlich übergab gegen Mit-
tag der schwer verwundete Oberst des 4. sächsischen Regiments, Karl Wil>
Helm von Henning, seinen Säbel
an Mayrhofer. Nach Dr. Rapp's
Mittheilungen hatte Mayrhofer an
diesem Tage bei Oberau 683 Mann
gefangen genommen. Als am folgenden
Tage, am 6. August, der Verrätherische
Student P ichler, Mayrhofer 's Mit-
schüler, an die tirolischen Vorposten die
Aufforderung des Marschalls Lefebre,
sich unverzüglich zu ergeben, überbrachte,
schrieb Mayrhofer im Gasthofe zu
Mauls, nachdem er und Haspin ger
sich kurze Zeit berathen hatten, an Le-
febre, „von ergeben sei keine Rede, man
hoffe vielmehr nächstens in Innsbruck mit
dem Herzog zusammen zu kommen". In»
dessen hatte Mayrhofer alle Anstalten
getroffen, daß die gefangenen und ver-
wundeten Sachsen gehörig untergebracht
und letztere ordentlich gepflegt wurden.
Der Oberst von Henning starb schon
in wenigen Tagen an seiner Schuß-
wunde. Nachdem nun nach dieser Seite
hin die nöthigen Vorkehrungen wa»
ren getroffen worden, drang Mayr«
hofer mit seinen Villanderern im
Sturmmarsche über Sterzing bis auf
den Berg Isel, wo er am 13. August
neue Lorbern erkämpfte. DaS Original
eines in seinem Nachlasse vorgefundenen,
von H a s p i n g e r zu Iedlersee bci
Wien ääo. 1. Jänner 1814 ausgestell-
ten Tapferkeitszeugnifses bezeugte M.'s
wesentlichen Antheil an den Erfolgen
dieser Schlacht. Nach diesem Siege war
eö den wackeren Villanderern gegönnt,
zu ihren häuslichen Herden zurückzu«
kehren. Noch einmal, im October, über»
nahm M. das Commando seiner Com»
pagnie und marschirte mit derselben
gegen Kärnthen. Er drang bis Sachsen»
bürg vor und that sich im Gefechte bei
Lammersdorf besonders hervor. Nach»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon