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bisher so theuer erkauften Vortheile
wieder aufzugeben. Indessen fand unsere
Infanterie Zeit. sich geordnet aufzustellen
und in den Vorstädten festen Fuß zn
fassen. Die Nacht über blieb M. und
seine Schwadron im Sattel, jede Bewe«
gung des Feindes scbarf beobachtend, um
jede seiner Absichten zu vereiteln. Aber
der Feind war durch erlittenen Verlust
derart eingeschüchtert, daß er jedes wei>
iere Unternehmen vorderhand aufgab
und die Brücke im Besitze der Unseren
ließ. So war den Franzosen die Ein-
nähme von Günzburg unmöglich ge>
macht worden, was von hoher Wichtig»
keit war, weil sich daselbst unser Haupt-
quartier und die Artillerie»Reserve befand;
auch konnte unsere Armee die Nacht
hindurch, ohne vom Feinde belästigt zu
werden, die Stadt Günzburg passiren
und den Marsch nach Ulm unaufgehalten
fortsetzen. Mecsäry befand sich auch
bei jener ritterlichen Schaar. welche sich
mit dem Erzherzoge Ferdinand Este
auS der Katastrophe von Ulm gerettet
hatte. Auf diesem Rückzüge, auf welchem
der Feind den Weichenden auf der Ferse
folgte, drängte sich in Aschenau bei
Nürnberg der Artillerie«Train mit an-
derem Kriegsmaterial, darunter auch
Cassen, und die Stockung war da. Nun
drang auch noch Murat mit großen
Cavclllerie» Massen auf die von dem
Fürsten Schwarze nberg befehligte
Nachhut mit allem Nachdruck ein und
schlug sie gänzlich zurück. I n diesem
bedenklichen Augenblicke sammelte M.,
der die große Gefahr der Unseren bald
überblickte, rasch einige Züge Reiterei,
mit denen er sich den Franzosen entgegen«
warf, einzig und allein, um sie so lange
aufzuhalten, bis der Train fortgeschafft
war und der Erzherzog Zeit gewonnen
hatte, sich aufzustellen. Aber die kleine Zahl seiner Reiter wurde bald von der
Uebermacht des Feindes niedergeworfen
und M. stand der siegenden Reiterei bald
allein gegenüber. Er wollte nicht wei«
chen, und endlich von vierzehn Säbel-
hieben getroffen, sank er nach der ver»
zweifeltsten Gegenwehr vom Pferde. Die
Franzosen trugen den schwer verwun«
deten General in das nahegelegene
Dorf Fürth. M u r a t schickte seinen
eigenen Wundarzt, damit er die Wunden
des Helden untersuche. Die meisten wa«
ren Kopfwunden und lebensgefährlich.
Sieben Monate lag M. an seinen Wun-
den darnieder. Genesen, begab er sich
nach Wien und wurde in einiger Zeit
aä latus des Bans von Croatien,
Ignaz Grafen Gyulay. angestellt.
Da kam im Jahre 1807 das Officiers«
corps des HuSzaren-Negiments Blanken-
stein, das unter Mecsö ry gedient hatte
und Augenzeuge seiner Tapferkeit war,
für die bei Günzburg bewiesene, so
einsichtsvolle Tapferkeit des Generals
für denselben um das Commandeurkreuz
des Maria Theresien-Ordens ein. Weil
es auch noch einige Andere gab, welche
sich in dem unglücklichen Feldzuge des
Jahres 1803 durch seltene Tapferkeit
hervorgethan und Ansprüche auf dieses
herrliche Ehrenzeichen zu haben glaubten,
so gestattete Se. Majestät ein Nachtrags»
capitel, welches am 18. Jänner 1808
röffnet und am 1. März mit der
2. Promotion geschlossen wurde. Has
Ergebniß derselben war ein Comman«
deur und fünf Ritter, der Commandeur
war Mecsäry. Zu Anfang des Jahres
1809 wurde M. zum Feldmarfchall-
Lieutenant.ernannt und ihm das Com-
mando der Grenze von Karlsstadt und
Warcisdin gegeben. Als aber der Krieg
ausbrach, meldete er sich, daß ihm seine
Wunden noch Kriegsdienste zu leisten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon