Page - 265 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Image of the Page - 265 -
Text of the Page - 265 -
Meggenhoffen 268 Meggenhoffen
Haft angenehm zu machen. Als nach
einiger Zeit der geheime Rath Haus ler
bei dem Pater Guardian nach seinem
Gefangenen sich erkundigte und diesen
fragte, ob sie ihn gern bald los sein
wollten, erwiederte der Guardian : „Ganz
und gar nicht, er ist uns ein lieber gnädi-
ger Herr. Er weiß sich selbst aufzumuntern
und zu beschäftigen. Was die Religion
betrifft, so finden wir, daß er auch ein
Christ sei, wie ein Anderer. Ich kann nicht
glauben, daß dort, wo dieser Herr ge-
wesen ist. etwas Unerlaubtes vorgegangen
sei." So hatte die einfache Rede eines
Mönches jenes unwürdige amtliche Ver-
fahren gegen einen Mann wie M., ja selbst
gegen die Gesellschaft, der er angehört
hatte, gerichtet. Nach einmonatlicher Haft
wurde M. entlassen. Er begab sich nun
zu seinem Regimente zurück und traf alle
Anstalten zum Austritte aus demselben.
Es war ein schwerer Entschluß, Vater»
land, Eltern, Freunde und ein Regiment
zu verlassen, wo ihn Officiere und Ge»
meine liebten und verehrten. Er hatte
keine Aussicht auf andere Dienste, wußte
nicht, wohin er ziehen sollte, aber in
seinen Rechten als Mensch ließ er sich —
da er musterhaft als Staatsdiener war
— nicht in so groblicker Weise verletzen.
Alle Gegenvorstellungen seiner Freunde
und Kameraden waren vergeblich, und
mit wahrer Betrübniß sah ihn das Re>
giment aus seinerMitte scheiden. Es war
zu Ende des Jahres 1783. Noch be<
suchte er seinen Geburtsort Burghausen,
dann seinen Freund Weishaupt , mit
dessen Beistimmung er die folgende
Schrift drucken ließ: „Meine Geschichte
und Apologie; uan F. Freihrrrn uan NleMn-
hoffen" (Nürnberg 4786), welche auch als
Beilage zum 6. Bande von Weck her«
lin'S „Grauem Ungeheuer" ausgegeben
worden ist. Dann begab er sich nach Mainz, wo er einige Monate verweilte,
von Mainz nach Neuwied und Ende des
I . 4786 nach Wien. Alle seine Versuche,
daselbst ein Unterkommen zu finden, schei-
terten im Anbeginn. Auf die mühsamste
Weise rang er um seinen Unterhalt,
endlich, nachdem er ein Jahr lang unter
allen Entbehrungen sein Dasein gefristet,
gewann er an Born ^Bd. I I , S. 7^
einen thatkräftigen Freund; durch ihn er«
hielt Meggenhoffen im Jahre 4787
in dem neuerworbenen österreichischen
Innviertel die Stelle eines Schulcom«
miffärs in Ried, mit dem Gehalte von
800 fl. Das war so recht ein Wirkungs-
kreis für M., diesen -Humanisten vom
Wirbel bis zur Zehe. Bald gewann er
auch alle Herzen. Er war unermüdlich
in Erfüllung seiner Amtspflichten, die
darin bestanden, seinen District beständig
zu bereisen, genaue Aufsicht auf die
Schullehrer zu halten, Reformen vorzu»
nehmen, Pläne für verbesserte Metho«
den einzureichen u. dgl. m. Seine Amts»
treue und sein Pflichteifer fanden auch
an maßgebender Stelle solche Anerken«
nung, daß seine Beförderung zum Kreis«
hauptmanne gewärtigt wurde. Da
machte er im Monate October ^799 einen
Besuch in Stubenberg bei seinem ehe«
maligen Obersten, dem Grafen von
Baumgarten. Auf einer Wafserjagd
schien sie am 26. g. M. auf einem kleinen
Kahne über den Inn und wollten von
Hagenau auf die bayerische Seite rudern,
da stieß der Kahn an einen Stock, schlug
um und der Oberst und Meggen-
hoffen ertranken. Der Oberst wurde
todt aus dem Waffer gezogen. M.'s
Leiche erst drei Monate spater aufgefnn.
den. Die Nachricht von seinem Tod^
machte tiefen Eindruck auf seine Freunde.
In seinem unablässigen Bestreben nach
igener moralischer Besserung, gehört
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon