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Meidinger 273 Teidinger
Weidinger zu Meidinger und Lau-
terbach, Johann Friedrich Freiherr von
(Naturforscher, geb. zu Lauterbach
in Hessen 1. September 1726, gest. zu
Wien 2. Juni 1777). Kam im Alter
von vier Jahren aus dem Elternhause
und erhielt an den Schulen und Lehr«
anstalten inLeipzig, Halle, Göttingen, Er«
fürt und Heidelberg seine wissenschaftliche
Ausbildung. Physik, Chemie und Me-
tallurgie waren seine Lieblingswissen,
schaften, und ihre Anwendung auf das
praktische Leben, vornehmlich auf das
Fabrikswesen, war es, waS sein Nachden«
ken früh beschäftigte. Ebenso widmete er
der Münzwiffenschaft seine Aufmerksam-
keit. Um seine theoretischen Kenntnisse
durch praktische Anschauungen theils zu
regeln, theils zu begründen, machte er
Reisen durch Deutschland, Holland, Eng»
land, wo er auf die dortigen Münzhäuser,
ihre Einrichtungen. Arbeiten, auf den
Gold- und Silberhandel und die denselben
regelnden Gesetze sein Hauptaugenmerk
richtete. Nach der Rückkehr von seinen
Reisen folgte er unter mehreren Anträgen
einem Rufe an den Hof von Fulda, wo
er bald Münzdirector, Hofrath und Hof»
kammerdirector wurde. Nach dem Tode
deS Fürsten trat M. in die Dienste deS
Churfürsten von Trier und wurde wirkli-
cher Hofrath und Director in dieser kais.
privilegirten churhessischen Kreismünz»
stadt; auch überließ ihn der Churfürst
von Trier dem Fürsten von Würzburg in
gleicker Eigenschaft, zur Regelung des
fränkischen MünzwesenS, und so führte
M. dasMünzdirectoriumdes fränkischen,
schwäbischen und bayerischen Kreises. Das
Münzwesen, durch die Sorglosigkeit und
Nöthen der Fürsten und die Ränke und
Listen der Juden, lag zu Meid in ger's
Zeit sehr im Argen. Er bahnte also
überall nützliche Reformen an, steuerte durch gute und strenge Gesetze der Münz»
Verfälschung, der Untreue der bei der
Münze Angestellten, und sogar das Aus«
land richtete auf den energischen Refor«
mator in diesem Gebiete seine Blicke,
denn Ludwig XV. von Frankreich
richtete im Jahre 1762 an den Chur«
fürften von Trier ein Schreiben, worin
der König ein Gutachten Meid in«
ger's über das französische Münzwesen
wünschte. Auch die große Mar ia The«
resia wurde auf den kenntnißvollen
und energischen Mann aufmerksam, be»
rief ihn in ihre Staaten und ernannte
ihn mit Decret vom 13. December
1766 zum wirklichen Hofrathe bei der
k. k. Hofkammer und zugleich zum Münz»
director. Auf diesem Posten, den M. bis
zu seinem im Alter von erst 3! Jahren
erfolgten Tode bekleidete, war M. in der
ersprießlichsten Weise thätig gewesen,
theils durch die Regelung des kais. Münz«
Wesens im Wege der Gesetzgebung, theils
durch mannigfache sehr nützliche Erfin»
düngen und Entdeckungen. Als Fach»
schriftsteller veröffentlichte M. nur die
folgenden Arbeiten: „Patriatische Gedanken
über das zerrüttete Mnnzmesen nnd die Ginrich-
tung rinrr gesetzmäßigen Uraismünzstatt, nebst
einem Anhange, mie dir MiinzmiZZenschllkt unk
Akademien zu duriren sei" (Frankfurt 1765,
8".); -— „Vernünftige Vertheidigung des Oan-
uentians- llder AmanziggnldenlllSZes nnd une
durch dessen Einführung die Handlung uer-
bessert, die Fabriken und Nlanulartnren bekör-
dert, und überhaupt Deutschlands Glückseligkeit
dllnerhatt gemacht werden Kanne. Nebst einem
Anhange richtiger Vehrgründe van der Prupartian
zwischen Ollld und Silber" (Würzburg. Nürn«
berg und Prag 1765, 4«.). Mehrere Ab-
Handlungen, die Verbesserung des Reichs-
münzwesens betreffend, aus Meid in-
ger's Feder, sind aber in dem von Johann
Christ. Hirsch herausgegebenen Werke:
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon