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Meißl 289 Meißl
Meißl ward sein eifrigster Schüler, bald
sein Freund, und faßte in Kürze eine so
entschiedene Vorliebe für den gemein«
nützlichen Beruf des Landwirthes, daß er
in demselben seine Thätigkeit zu con-
centriren sich entschloß. Mittlerweile hatte
ein vortheilhaftes Ehebündniß sein Vater«
liches Erbe beträchtlich vermehrt, er
erkaufte die Herrschaft Freienthurm in
Mannswörth, in einem in Hinblick auf
Bodencultur und darauf Bezügliches
höchst verwahrlosten Zustande. Wer die
Besitzung im zweitenIahrenachMeißl's
Uebernahme besuckt hätte, würde sie
kaum wieder erkannt haben. M. hatte
bald zahlreiche geräumige Wirthschafts«
bauten aufgeführt, die Gärten des Schlos.
ses in den blühendsten Zustand versetzt,
die Felder üppig bestellt, und einen reichen
Vorrath an Ackergeräth beigeschafft, an
welchem es früher beinahe gänzlich ge»
mangelt hatte. Nun suchten ihn schwere
Elementarereignisse heim, ein Hagelschlag
verwüstete die Ernte; waS noch verschont
geblieben, zerstörte der Eisstoß 1799,
und um das Maß des Unglückes voll zu
machen, verheerte eine furchtbare Feuers«
brunst sämmtliche Wirthschaftsgebäude
— 18 an Zahl — sammt den Vorrathen,
dem Mobiliar und Ackerwerkzeug. So
hatte Meißl Alles. waS er durch Jahre
im Schweiße seines Angesichtes dem
widerspenstigen Boden abgetrotzt, in
wenigen Stunden verloren. Aber er
verlor den Muth nicht, und begann uon
Neuem, sein Geist raffte sich zu doppelter
Energie auf. Er berief seinen älteren
Bruder zu sich, welcher des Vaters
Kunst — der Vater war Architekt —
mit dessen Thatkraft verband, und
unter dessen Leitung hob sich aus der
Asche ein Bau empor, zierlicher, zweck»
mäßiger und dauerhafter ausgeführt, als
früher, so daß noch kein Jahr vorüber
o. Wurzbach, biogr. Lerikon. XVII . lGedr. gegangen war, als schon alle Spuren
des Unfalles verwischt, und die ganze
Anlage in einem weit besseren Zustande
wiederhergestellt worden war. Der loh»
nende Erfolg gab M. noch mehr Schnell«
kraft, und die Verbesserung schritt zu.
sehends in Feld und Hof immer rascher
vorwärts. Ein Ziegelofen, ein Bräuhaus
wurden erbaut, dadurch und durch An«
deres die verschiedenen Momente einer
großen Oekonomie in Wechselbeziehung
gebracht, kurz, eine wahre Musterwirth»
schaft im großartigen Maßstabe hergestellt.
Aber auch die nächstfolgenden Jahre
waren keine glücklichen, denn 1802 trat
eine fast beispiellose Trockenheit ein, und
die Saatfelder verdorrten größtentheils,
1803 erneuerte
sich daS schreckliche Schau-
spiel der Ueberschwemmung, und 1803
setzte der einfallende Feind diesen traun»
gen Ereignissen die Krone auf, und seine
Willkür und Erpressungen verzehrten
vollends, was den Elementen mühsam
abgerungen worden war. M. verlor
nicht dm Muth. Nach der Herstellung
des Friedens richtete er sein vorzüglichstes
Augenmerk auf die Veredlung seiner
Schafheerden, und erzielte guten Fort«
gang. Insbesondere waren die stattlichen
Weideplätze, deren Benützung ihm und
der Gemeinde zu gleichen Theilen zustand,
diesem Zweige der Landwirthschaft höchst
fördernd. ES würde den Zweck dieses
Lexikons überschreiten, sollte hier ein
Detail der Art und Weise gegeben wer«
den, wie Meißl den Betrieb seiner
Wirtschaft leitete, wie er Bodenpstege,
Obstbaum, und Viehzucht nach allen
Seiten hin gleichmäßig ausbildete, und
wie sein Beispiel, seine Ausdauer und
Umsicht Nachahmung fanden und in
staunenswerther Weise eine Verbesserung
der Landescultur in der Umgegend auf
weiten Strecken zur Folge hatten. Meißl
i8. Mai l 19
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon