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Meißner 291 Meißner
Dresden 12. März 1783). war Badearzt
zu Karlsbad und feierte in den letzten
Tagen des März 185s sein fünfzigjahri«
geS Doctorjubiläum. Sein Großvater.
August Gott l ieb, ist der seiner Zeit
beliebte Schriftsteller, und der in vielen
Bändchen herausgegebenen „Skizzen"
wegen sogenannte „Skizzenmeißner", des»
sen Lebensskizze S. 301 folgt. Alfred's
Mutter, Karol ina, eine gebome In -
vernay (gest. im Jahre 1861. 77 Jahre
alt), war eine Schottin von Geburt. So
geschah es, daß Alfred das Englische
zugleich mit dem Deutschen fließend
sprechen erlernte. Im Jahre 1831 —
Alfred zählte damals 9 Jahre —
übersiedelten die Eltern von Teplitz, wo
sie bis dahin gewohnt, nach Karlsbad,
der Sohn kam auf das Gymnasium nach
Schlackenwerth und von dort spater auf
jenes in der Altstadt zu Prag. Die freiere
Bewegung daselbst im Kreise ihm be>
freunderer Altersgenossen, mannigfaltige
und anregende Lectüre, endlich der Be-
such des Theaters, weckten und förderten
den Geist des
strebsamen
Knaben. Unter
solchen Umständen begann er frühzeitig
zu dichten, und er war kaum 13 Jahre
alt, als das damals von Rudolph
Glaser sBd.V.S.207) redigirteUnter-
haltungsblatt „Ost und West", bald die
Musenhalle der deutsch-böhmischen Poe-
ten, schon von ihm gedichtete Balladen
veröffentlichte. Es herrschte damals unter
den deutschen Schulgenofsen Meißner's
ein reger Sinn und ein durch das „junge
Deutschland" geweckter poetischer Geist;
das junge Deutschland hatte ein „junges
Böhmen" zur Folge gehabt, zu dessen
deutschen Vertretern ganz tüchtige und
später viel genannte Namen zählten, es
seien hier nur beispielsweise erwähnt:
Friedrich B a
ch
Md. I, S. 110; Bd.XIV,
S. 386), der Dichter der Sensitiven, Moriz Hartmann j M . VIII, S. 4),
Isidor Heller M . VI I I , S. 272).
Leopold Kompert sBd. XII , S. 404-).
Die von den deutschen Dichtern Böhmms
begonnene Verherrlichung öechiens, wie
solche Hartmann in seinem „Kelch
und Schwert", Meißner in seinem
„2i2ka" unternommen, hat der oechische
Löwe den Deutschen in neuerer und
neuester Zeit durch Verfolgung und
Schmähung des deutschen Elementes in
Schule, Amt und Leben» erwiedert.
Auch Meißner, wie andere seiner böh.
mischen Sanggenoffen, erlitt für seine
poetischen Opfergaben das Martyrthum
der Verbannung, wie dieß weiter unten
berichtet wird. Nach beendeten philo»
sophischen Studien, als es galt, sich für
ein Brotstudium zu entscheiden, wählte
M. als solches die Medicin, und begann
1840 das Studium derselben an der
Prager Hochschule. Er hatte dasselbe
vollendet, am 2. Juni 1846 daraus die
Doctorwürde erlangt, und bei dieser
Gelegenheit die lateinisch geschriebene
Dissertation: „^)s A^minzHz'asi inilssie-
nol'ttni" herausgegeben. Ein Jahr frü«
her schon, 1843, aber waren seine bisher
in neunter und verbesserter Auflage ge«
druckten „Gedichte" erschienen. Die vielen
socialen Anklange in diesen Dichtungen,
in welchen auch die Frauen nicht ver»
geffen waren, wie die Gedichte „ George
Sand", „An die Frauen" u. a., beweisen,
erwarben M. einerseits, was damals als
ein nicht Geringes galt, die Einreihung
unter die politischen Dichter des Tages,
und andererseits die lohnende Theil-
nähme der Frauen, die in M. ihren
Sänger ehrten und verehrten. Um jene
Zeit war M. als praktischer Arzt im Spi»
tale thätig, und die Muße seines Beru»
fes ging in Arbeit an seiner Dichtung
A " , theils in Studien der böhmischen
19"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon