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kleißner 298 Meißner
Romankoloß zusammenzukitten, und wäh>
rend er ein Kunstwerk zu schaffen di<
Absicht hatte, nur ein Pamphlet in du
beliebtere Form eines Romans brachte
Ja, in einer der darin gezeichneten Iour
nalistengestalten soll eben derselbe Mann,
der, als Meißner seinen „2i2ka" hatte
erscheinen lassen, am meisten zu des
Dichters Lob und Preis in die Posaune
gestoßen und für seinen Ruhm thätig
gewesen, in ganz entstellter Weise förmlich
verhöhnt sein! — Von den Feinden
Oesterreichs wurde dieser Roman für
eine heroische That bezeichnet, und gewiß
ist es kein geringes Zeichen der Zeit,
daß, während die Verhandlungen über
den Ausgleich mit Ungarn in der Luft
hingen, dieses Romanmonstrum in
einer ungarischen Uebersetzung erschien,
eine Auszeichnung, welche die stolze
ungarische Nation bisher wenig deutschen
Romanen hat zu Theil werden lassen.
Aber der ungarische Ueberseher hat sich
doch gescheut, seinen Namen zu nennen.
„Schwarzgelb" hielt den so eigenthümlich
erworbenen Ruhm des Dichters wieder
für einige Zeit über dem Waffer. Was
die örtlichen Beziehungen des Dichters
betrifft, so lebte er seit 1830 den Winter
über meist in Prag, im Sommer trieb
es ihn bei seiner stets regen Wanderlust
auf Reisen, entweder in die Ferne oder
in die herrlichen Gebirgsgegenden Salz»
burgs, Tirols und der Schweiz. Im
Jahre 4837 war es ihm gegönnt, längere
Zeit in Weimar zu verweilen, an daS
ihn Franz Liszt und dessen geistvolle
Freundin, die Fürstin Witgenstein,
fesselten. Im nämlichen Jahre wurde er
auch auf einer Reise durch Italien dem
Herzog Ernst von Coburg bekannt,
der bei seinem Interesse für deutsche
Schriftsteller dem Dichter zu wiederhol-
ten Malen Gastfreiheit in seinem Hause bot und ihn auch im Jahre 1860 mit
seinem Orden auszeichnete. Ununterbro»
chen literarisch thätig, veröffentlichte M.
in den letzten Jahren größere und kleinere
Arbeiten in den besten deutschen Unter«
haltungs.Zeitschriften, und zwar in der
Ianke'schen „Deutschen Roman »Zei«
tung" einen Roman: „Lemberger und
Sohn", der dann auch im nämlichen
Verlage selbstständig erschienen ist; meh»
rere kleinere Novellen und touristische
Skizzen seiner Reisen in Wester mann's
„Monatschrift", in der „Freya" und in
der „Gartenlaube". Seine neueste That
ist der Roman „Babel", der in Nr. 42
des vierten Jahrganges derIank e'schen
„Roman-Zeitung" anhebt, und in der
Tendenz, Form, Charakteristik und Si-
tuation sich an den oberwähnten Roman
„Schwarzgelb" anschließt, welch letzterer
aber doch den Reiz der Neuheit vor
ihm voraus hat, denn darin kommen
nicht nur dieselben Gestalten vor, wie
in „Schwarzgelb", sondern dieselben
haben manchmal gar die nämlichen Er-
lebnisse. Was seine Charakteristik als
Mensch. Dichter und Schriftsteller betrifft,
o wird bezüglich der beiden letzteren
Momente auf die weiter unten folgenden
Aussprüche der Fachkritik hingewiesen.
Sonst rühmt eine erst jüngst erschie«
nene, von einer dem Dichter sehr be-
freundeten Dame. die selbst Dichterin ist,
verfaßte Zebensfkizze an M. ganz beson»
ders die Ueberzeugungstreue, die durch
sein ganzes Leben geht, daneben das
rastlose Streben und Ringen einer echten
Künstlernatur nach der Lösung immer
neuer Aufgaben, nach immer größerer
Vervollkommnung, den Ernst des Schaf»
fens, den er sich bewahrt, die Höhe
des Ideals, zu der er klimmt. Es gibt
für ihn kein bequemes Ruhen auf
deicht errungenen Forbern, kein Sich«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon