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Meißner 299 Meißner
(80.) sauch in Klar's ,,Libussa"^853). —
4) A. Alboth 20. (40.). — s) Holzschnit
von ^N. aus W. Aarland's xylographische!
Anstalt ^in der „Gartenlaube"^.
V. Kritische Stimmen über Alfred Meißner de
Dichter und Schriftsteller. Rudolph Gott»
schall in seinem Werke: „Die deutsche Natio,
nalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehn«
ten Jahrhunderts", schreibt über Meißner
nachdem er ihn mit Mon'z Hart mann ver<
glichen ^ehe diese Parallele in der Lebens»
skizze Hartmann's. in diesem Lexikon
Bd. VI I I , S. 9: „Urtheile über Hartmann"),
Folgendes: „Meißner lehnt sich in seinen
Gedichten an Lord Byron und George Sand
an, die er in dithyrambischer Breite feiert
In seiner Melancholie mit den Satzungen der
Gesellschaft zerfallen. sucht er düstere Natur«
scenen, die Gebirgswüste, die Haide. „die
Urstille der Welt", und tröstet sich unter den
todten Riesenleibern wüster Felskolosse, durch
die resignirende Einsicht, daß die Natur so
wenig, wie die Menschheit ein Mitgefühl und
Verständniß für tiefe Leiden habe. In der
Schilderung dieser Natureinsamkeit, deren
Colorit mit der Stimmung der Seele voll
kommen übereinstimmt, offenbart Meißner
die ganze Kraft und düstere Pracht seiner
Begabung. Me ißn er's Melancholie erinnert,
besonders in den einfach hingchauchten lyri
schen Gedichten, an Lenau, aber sie geht
nicht aus einem inneren krankhaften Schwan
ken hervor; sie steigert sich nicht zu dämoni>
scher Selbstqual; das erstrebte Ideal steht klar
vor seiner Seele, nur der Schmerz, es nicht
verwirklicht zu sehen, beseelt die Elegien dieses
Poeten. Die Färbung, die er seinem Ideale
gibt. erinnert an den neu französischen Socia-
lismus, dessen Stichwörter sich bei Meißner
wiederfinden. Der Dichter hielt sich selbst,
angezogen von den Bewegungen des franzö»
fischen Geistes, zweimal. l847 und l849, in
Paris auf und hat die Documente seines letz»
ten Aufenthaltes in den glänzend geschriebn
nen „Revolutionären Studien aus Paris"
niedergelegt, in denen ihn indeß sein dichteri-
scher Prophetengeist, die irrige deutsche Auf-
fassung deS französischen Wesens, zu
mancherlei Illusionen über die Gegenwart
und Zukunft Frankreichs hinriß. Doch die
Hinneigung zu den Theorien socialer Reform
und selbst socialer Revolution gibt seinen
„Gedichten" Schwung und Eloquenz, wäh«
rend das eigentliche politische Pathos ihnen
fern liegt. Er besingt die Frauen, die Armen, er liebt es. selbst mit der Prostitution zu ko.
kettiren, einer „Gefallenen" eine Elegie zu sin«
gen, deren Text sich nicht ganz für eine Pre-
digt in einem Magdalenenstifte eignen dürfte.
Meißner's größere Dichtung „2i2ka" erin»
nert durch die Apotheose des Keherthums und
die lockere Verknüpfung der einzelnen Gedichte
an Lenau's „Albigenser"- denen sie auch voll«
kommen ebenbürtig ist, was die düstere Gluth
der Schilderung und den durch alle Kämpfe
hindurchtonenden Rhythmus des Gedankens
betrifft. Nur ist Meißner's Pathos noch
schwunghafter, melodischer, getragener, und
seiner klaren Anschauung fehlt jenes dämo»
nische Element, welches bei Lenau so un-
heimlich, aber gewaltig wirkt. Aöka gehört
ganz in das Gebiet der lyrischen Epik und
läßt bei aller Pracht farbenreichster Schilde,
rung. glühender Volks- und Schlachtbilder,
ergreifender Balladen und reizender Idyllen
doch die epische Plastik und Ruhe vollkommen
vermissen. Mit der SchattenhaftigkeitOssian's
steigen die Helden aus dem Schlachtgl'wühle
empor, ohne es zu nner bestimmten Indivi'
dualität zu bringn. Daß Meißner Talent
zu satyrischen Arabesken hat. bewies er in
seinem „Sohn des Ata Troll", obgleich er sich
in diesem Gedichte fast sclaoisch an das Vor»
bild Heine's anlehnte." — Was Meiß'
ner's Dramen betrifft, so schreibt Gott-
schall im Hinblick auf das „Weib des Urias".
worin M. im Gegensatze gegen die sentimen-
tale und pathetische Liebe, die in den deutschen
Theaterjamben gang und gebe ist, ähnlich wie
in den H cbbel'schcn Dramen die tragische
Krisis der Liebe durch ihre physiologische Krisis
herbeiführt: „daß die Composition dieser Tra»
göoie künstlerisch ineinandergreift und die
Charakteristik sich weit über die allgemeine
verwaschene Art und Weise der Iambentragik
erhebe. Die Sprache ist frei von jeder Ueber-
laoung, correct und gemessen, aber indem sie
das Lyrische allzu ängstlich vermeidet, in den
Augenblicken der Leidenschaft ohne mächtigen
Schwung. Der Grundfehler des Stückes liegt
wohl darin, daß der Dichter die Heldin fort-
während sehr edel zu schildern sucht, ohne bei
uns Sympathie für sie erwecken zu können.
Denn ihre Liebe zu dem alten Könige, ihre
Untreue gegen einen tapferen, kräftigen, braven
Gemal ist durch die verwirrende Glorie der
Majestät nur schwach motivirt. Wir können
durch die Reaction des edlen sittlichen Gefühls
in dieser ehebrecherischen Maitresse nlcht zu
ihren Gunsten bestochen werden. Ueberdieß
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon