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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Page - 300 -
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Page - 300 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17

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Meißner 300 Meißner wird man zu deutlich auf das körperlich Pa< thologische der Heldin hingewiesen. um nicht auch hierin Consequenz zu verlangen. Die Schwangerschaft ist ein weiblicher Ausnahme, zustand, der stets besondere psychologische Symptome mit sich führt. Die Heldin ist daher nicht vollkommen zurechnungsfähig; man kann wenigstens ihrer Eraltation eine rein körperliche Grundlage unterschieben. Dieß ist in der Tragödie immer störend. Auch erin« nert die Art und Weise, wie sich der Posthu« muS zur rechten Zeit empfiehlt, zu sehr an einen Vortrag in einer geburtshilflichen Klinik; und wenn auch nichts Menschliches der Na« tur widerstrebt, so widerstrebt doch Manches der Kunst. — Meißner's „Reginald Ami» strong" erinnert nicht nur vielfach an Clavigo, in dem besonders der Carlos nicht zu verken- nen ist, sondern ist auch zu sehr dramatisch skizzirt. nur mit Naturlautrn der Empfindung und der Leidenschaft ausgestattet. Das Skiz« zenhaste bleibt aber ein für alle Mal im Drama ein Fehler. Es ist die Klippe von Meißner's Talent, die er auch in seinem Trauerspiele „Der Prätendent von Jork" nicht umschifft hat. Der Stoss der Tragödie ist von dem altbriiischen Dramatiker John Ford bearbeitet und von Schil lerin seinem War« beck«Fragment benützt worden, Meißner hat diesen Warbeck eher nach dem Plane des „Demetrius" ausgeführt, indem er seinen Hel< den nicht gleich von Anfang an zu einem absichtlichen Betrüger macht, sondern in der Enthüllung des unfreiwilligen Betruges auch für ihn selbst die Peripetie herbeifühtt. Gegen den Gang der Handlung und die Compo» sition des Stückes läßt fich wenig einwenden, dock ist die Ausführung bei aller Glatte und Geschmeidigkeit matt und ohne Tiefe. Nicht als ob es diesem Talente an Pracht der Far< ben und lyrischem Zauber fehlte — das hat er im „Äöka" und den „Gedichten" zur Ge< nüge bewiesen — aber die Einsicht in die Unzulänglichkeit des Lyrischen im Drama treibt ihn an, den hierin glänzenden Reich« thum seiner Begabung gleichsam zu ignoriren; er will nur durch dramatische Mittel und Hebel wirken; aber er kann jenen Ausfall noch nicht ersetzen; uno so kommt eine gewisse Nüchternheit und FarblosigtVit in seine Dra< men. die störender wirkt, als ein Uebermaß der lyrischen Fülle, das ja bei Shakespeare und Schil ler so glänzende Antecendentien findet " — Endlich über Meißner als Ro< mandichter faßt Gott schall folgendes Ur< theil, indem er dessen Hauptwerk, „Die San< sara", in welchem M. noch künstlerisch zu ge< stalten versuchte, wahrend er in den folgenden Werken nur geistreiche Nahrung dem lesenden Publicum bietet, mit folgenden Worten be» leuchtet: „Ein Emancipationsroman im gro- ßen Styl ist die „Sansara", eine Umarbei- tung und Fortführung des „Freiherrn von Hostiwin". Der Held in seiner ursprünglichen Gestalt das Ideal eineS modernen „Don Juan", der von einer Liebe zur andern fliegt, wird durch eine tiefe reine Liebe bekehrt. Der deutsche „Don Juan" unterscheidet sich über- haupt dadurch vom spanischen, daß ihn nicht der Teufel holt, sondern daß er vorher durch irgend einen Engel gebessert wird, freilich nicht, ohne dabei aus der Rolle zu fallen. So ist auch der „Freiherr von Hostiwin" in den beiden letzten Bänden des Romans nur ein sentimentaler Liebhaber, den der Autor glücklich zu inachen kein Bedenken trägt. . .. Es wäre gegen den Entwickelungsgang und die Schlußmoral dieses Romans gar Nichts einzuwenden, wenn nicht die erste Hälfte des. selben als eine Verherrlichung zügelloser Le« benö' und Liebeslust auf die sentimental bußfertige Wendung des Helden und seiner Schicksale keineswegs gefaßt machte. Wir wollen in Don Juan einen hartgesottenen Sünder sehen, den der steinerne Gast am Schlüsse pünctlich abholt und an die Hölle abliefert. Doch diese träumerischen Hamlet» Don Juan's sind Zwittergeschöpfe — und am wenigsten Don Juan ein Stamm, auf dem sich mit Erfolg ein Werther pfropfen läßt. So flößt der Hauptheld in diesem Romane des blinden Weltlebens kein warmes Interesse ein. Mio auch die rinen geringen Raum einnehmenden kölnischen Charaktere erinnern meistens an die Figuren einer ovora duä'a, oder an die Typen einer italienischen Komödie, dagegen sind die Tiroler Land» schaftsbilder mit köstlichein Colorit gemalt, die Stimmungen der Helden oft mit dem Schmelz echt lyrischer Empfindung ausge« sprochen. und ein bedeutender Gedankenreich» thum erhebt das Werk hoch über die Pro< ductionen der Masse. Die letzte Hälfte des Romans ist auch spannend durchgeführt und wir vermissen keineswegs grelle Effecte recht stossartiger Natur. Kampf um Leben und Tod auf schwankem Kahne auf unergründlichen Bergsee'n an hohen Felsenabhängen — das erregt bei lebendiger Schilderung Schwindel und regen Nervenreiz. Dagegen fehlt es gänz»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Maroevic-Meszlenn
Volume
17
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1867
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
506
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
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