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Meißner Meißner
lich an lüsternen frivolen Schilderungen, wie
sie ein'französischer Autor bei einem Roman
von solchem Inhalte sich schwerlich würde
entgehen lassen. Meißner's zweiter Roman:
„Der Pfarrer von Grafenried", eine politische
Zeitstudie, ist von geringerem Interesse." —
Andere kritische Stimmen über Meißner's
literarische Thätigkeit in ihrer Gesammtheit
liegen nicht vor, denn die Beurtheilungen sei«
ner Biographen kommen vor lauter Bewun»
derung zu keinem eigentlichen Urtheile; ja
dem einen derselben im „Album österreichischer
Dichter", neue Folge (Wien 1838. Pfautsch u.
Voß. 8") passirt sogar folgender Ausspruch:
„Meißner ist aus der Schaar der vormärz»
lichen „politischen Dichter" der enyigeIllelier-
lebende" (und Anastasius Grün?). Was aber
die Urtheile seiner einzelnen Werke betrifft, so
sind dieselben, in softrne sie in Fachblättern
vorkommen oder sonst maßgebend erscheinen,
bei denselben in Klammern gewissenhaft ver»
zeichnet, und dürften manche bei einer Ge<
sammtbeurtheilung deS Dichters und seiner
zahlreichen Leistungen immerhin zu verücksich«
tigen sein, und muß insbesondere, wenn immer
und immer wieder von der poetischen Schönheit
und Klarheit seines Styls, von der Tadellosig-
keit, ja Musterhaftigkeit seiner Prosa gesprochen
wird, zur Einschränkung dieser llebertreibun»
gen auf die Kritik des „Prätendent von Dork"
von Saphi r (Humorist!855. Nr. 30?) und
auf jene des „Sansara" van Gustav Kühne
(Europa 1888. Nr. 46, Sp. 1486) hingewie.
sen werden.
Meißner, August Gottlieb (Schrift-
steller, geb. zu B autzen in der Ober«
lausch 4 .November 1733, gest. zuFulda
20. Februar 1807). Der Großvater des
österreichischen Dichters Alfred M., des.
sen Lebensskizze dieser vorangegangen ist.
August Got t l ieb Meißner verlor
früh durch den Tod seinen Vater, der
erst Regiments«Quartiermeister, dann
Senator in Bautzen war. Die Mutter
übersiedelte nun mit ihrem Sohne nach
Löbau, wo letzterer an dem dortigen
Rector Heynitz einen treuen väterlichen
Lehrer erhielt. Nach beendeten Vorstu-
dien begab er sich, zwanzig Jahre alt,
nach Wittenberg, später nach Leipzig, wo er an den dortigen Hochschulen wahrend
der Jahre 1773-1776 jurdische und
philosophisch-ästhetische Studien trieb,
mit besonderer Vorliebe die Vorträge
des Philosophen Plat t ner und des
Historikers Böhme besuchte, im Um«
gange mit Engel aber ein wesentliches
Förderungsmittel seiner geistigen Aus«
bildung fand. Einerseits große Vorliebe
für das Theater, andererseits die Sorge
um sein Fortkommen, brachten ihn in
Verbindung mit derSeile r'schen Schau»
spielergesellschaft, für welche er mehrere
Operetten, meist aus dem Französischen,
wie „Das Grab des Mufti", „Der Al-
chymist", „Arsene" u. dgl. m., bearbei«
tete, welche gefielen und sich längere Zeit
auf der Bühne erhalten haben. Um einen
öffentlichen Dienst sich bewerbend, wurde
er zuerst Kanzlist bei dem geheimen Con»
cilium, spater geheimer Archivs-Registra»
tor in Dresden, und erwarb sich in Bälde
die Zuneigung des damaligen Ministers
von Wurmb, der ihm aber in allem
Anbeginne nichts weniger als zugethan
war. Wurmb 's Empfehlungen wurden
dem jungen Manne, der sich durch seinen
Gcist und seine Talente überall beliebt
zu machen verstand, auch in seinem
weiteren Fortkommen förderlich. Eine
Reise, welche Meißner durch einen
Theil der deutschen und österreichischen
Staaten unternommen, auf welcher ihm
seine geselligen Talente und insbesondere
seine treffliche Declamationsgabe viele
Freunde erwarb, mochte wohl auch Ver>
anlassung seiner veränderten Lebensstel»
lung geworden sein, denn im Jahre
1783, damals 32 Jahre alt, folgte er
einem Rufe als Professor der Aesthetik
an die Prager Hochschule. Meißner
hatte bis dahin bereits eine Reihe von
schöngeistigen Werken, darunter mehrere
Sammlungen seiner „Skizzen", dann
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon