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Meixner 317 Kenner
Am 1. Mai 1839 trat hier M. und mit
ungewöhnlichem Erfolge auf; hier kam
Meirner auch bald in sein eigentliches
Rollenfach. und spielte mit großem
Glücke jugendliche komische Rollen und
besonders Bonvivants. Da er sehr rein
und stießend französisch sprach, ließ ihn
Maurice den Bon j our in den „Wie>
nern in Paris", von Hol te i , spielen,
und Meirner fand darin solchen Bei'
fall. daß dieses Stück an hundert Mal
mit ihm gegeben wurde. Meirner
ward in Hamburg sehr beliebt und blieb
fünf Jahre in diesem Engagement. Am
9. November 1843 wurde das von
Maurice neuerbaute Thalia-Theater
eröffnet und M e i r n e r mit Julie Herr»
mann sprachen darin das erste Wort,
den Prolog. Der damals am Hamburger
Stadttheater engagirte berühmte Schau-
spieler Grunert empfahl Meirner auf
das Eindringlichste dem neuen Director
des Leipziger Theaters Dr. Schmidt,
und dieser engagirte Meirner auf drei
Jahre. I n einer Geschichte des deutschen
Theaters wird die Periode, während
welcher I)r. Schmidt die Leitung des
Leipziger Theaters führte, künstlerischer
Seits immer volle Würdigung finden
müssen. Schmidt, selbst ein kunstsin-
niger Leiter, hatte Mar r als Ober-
Regisseur zur Seite, und Laube, damals
in Leipzig, wendete warmes, thätiges
Interesse den jungen talentvollen Kräften
zu. Die Leipziger Bühne besaß zu jener
Zeit an tüchtigen Kräften ein Ensemble,
daß es mit keiner anderen deutschen Bühne
den Vergleich zu scheuen brauchte. Nm
diese Zeit entstanden Laube's „Karls«
schüler", „Gottsched und Gellert" u. A.
Sein älteres Lustspiel „Rococco" ward
ebenfalls gegeben, und zwar mit außer,
ordentlichem Glücke; Meirner spielte
darin den Abbo von der Sauce, einen Liebhaber . In t r iguant — eS war
eben niemand sonst für die Rolle da —
Laube selbst leitete die Proben, und
war doch etwas besorgt für den jugend-
lichen Komiker (stehe seine Vorrede zu
Rococco). Meirner aber errang in
dieser Rolle einen überraschenden Erfolg,
und eigentlich datirt sich von dieser
Rolle, die er mit solchem Geschick erfaßt
und durchgeführt hatte, Meirner'S her«
vorragende Stellung im Charakterfach;
der Abbä war die Grundlage für seine
späteren Leistungen im Fache der scharfen
und schneidigen Charaktere. Im Jahre
1843 gastirto Meixner im Monat Mai
im kön. Hoftheater in Dresden, und
zwar: als verwunschener P r i n z ,
Kar l Ruf in der,Schachmafchine", als
Dr. Wespe — den Meixner über-
Haupt in Deutschland, und zwar in
Hamburg zuerst gespielt hat; als
St i l l f r ied in „Er geht auf's Land",
als Ludwig in „Ich bleibe ledig" und
als Nico las Bot in in „DaS goldene
Kreuz". Bei seiner Rückkunft nach Leipzig
erhielt Meirner von Director Hol«
bein einen Engagementsantrag nach
Wien an's Hofburg'Theater, konnte den«
selben aber wegen seiner contractlichen
Verhältnisse in Leipzig nicht annehmen.
Im Juli 1846 gastirte Meirner am
königlichen Hofthcater in Berlin unter
Küstner, und zwar: als Weiber«
feind in „Der verwunschene Prinz", als
Zierl in „Die Einfalt vom Lande", als
1)r. Wespe und als Bern in „Die
unterbrochene Whistpartie". Küstner
bot nach dem günstigen Erfolge dieses
Gastspiels Meixner Engagement an;
der zur Zeit dieses Gastspiels in Berlin
anwesende Baron Gal l , Intendant deS
kön. HoftheaterS in Stuttgart, jedoch
machte M. ebenfalls vortheilhafte Aner«
bietungen, und M. zog die letzteren
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon