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Mengs 380 Mengs
rend er für dieses Gemälde ein Modell
zur Madonna suchte, begegnete ihm ein
schönes, aber armeS Madchen, das er für
sein Modell geeignet fand. Als er auch
die trefflichen Eigenschaften ihres Geistes
und Herzens erkannte, beschloß er, sie zu
heirathen. Merkwürdiger Weise machte
MengS' Vater ungeachtet der Armuth
deS Mädchens nur geringe Einwendun-
gen, hingegen wollten die Eltern des
Mädchens ihre Tochter keinem Protestan-
ten zur Frau geben. Aber dafür wurde
bald Rath geschafft. Raphael mit sei-
nen beiden Schwestern — nach Einigen
that auch der Vater ein Gleiches — trat
im Jahre 1749 öffentlich zur katholischen
Kirche über, und da nun auch das letzte
Hinderniß beseitigt war, führte er Mar-
garetha Guazzi, so hieß seine Braut,
als Frau heim. Indessen hatte Mengs
das große Gemälde vollendet, und um
es persönlich seinem fürstlichen Macen zu
überreichen, reiste er nach Dresden, wo
er gegen Ende des Jahres 1749 ankam.
Der König war über das- schöne Werk
im hohen Maße erfreut und ehrte den
Künstler zunächst dadurch, daß er ihm
sogleich auftrug, sein und seiner Gema»
lin Porträt im königlichen Schmucke und
in Lebensgröße auszuführen. Auch erhielt
er von dem Könige den Auftrag, ein
paar Altarblätter, und zwar für einen
Haupt« und zwei Seitenaltäre zu ma-
len. Die Skizze für das erstere, eine
„Himmelfahrt bhristi", entwarf er noch in
Dresden, das Bild selbst aber vollendete
er erst in Rom, die beiden kleineren Bilder
jedoch, eine „Empfängniss Maria" und den
„Grünm Josephs", hatte er noch während
seines Aufenthaltes in Dresden gemalt.
Die Erfolge des Künstlers am königlichen
Hofe gestalteten sich bald in so günstiger
Weise, daß der bisherige königliche Hofma»
ler Silvester zur Erkenntniß kam, seine Zeit sei abgelaufen und sich die Erlaubniß
erbat, nach Paris zurückkehren zu dürfen,
die er auch unverweilt erhielt. Nun wurde
Raphael an seine Stelle zum Hofmaler
ernannt und ihm sein Gehalt erhöht.
M. zählte damals 23 Jahre. Er war
bis dahin bereits zwemial in Rom ge-
wesen und bekleidete nun einen so ehren»
vollen Posten. Körperliches Leiden, noch»
mehr aber die traurigen häuslichen Ver-
Hältnisse veranlaßten ihn, vom Könige
neuerdings die Erlaubniß zu einer dritten
Reise nach Italien zu erbitten. Die trau«
rigen hauslichen Verhältnisse äußerten
sich namentlich in der Leidenschaftlichkeit
und Ungebühr deS verschwenderischen
Vaters. Dieser maßte sich alles Eigen-
thum des Sohnes, und was dieser so
reichlich erwarb, unberechtigter Weise an,
und während er selbst alles verpraßte,
ließ er den Sohn und seine Frau, die oft
das Nothwendigste entbehrten, darben.
Der Sohn, von Kindheit an selbst unter
ungerechten Unbilden an strengen Gehör«
sam gewöhnt, ertrug lange Alles. Als
ihn aber der Vater eines Tages ohne
Geräthschaften und ohne Geld geradezu
zur Thüre hinauswarf, da war seine
Geduld erschöpft, er erbat sich vom
Könige die Erlaubniß, nach Rom gehen
zu dürfen und erhielt sie. Ein kurz vor
der Abreise fertig gewordenes Porträt
Annibal i 's behielt wieder der König,
der von der Schönheit der Arbeit ganz
entzückt war. In Begleitung seiner Frau,
seiner erstgebornen Tochter, welche in der
Folge den berühmten Kupferstecher Ema»
nuel Carmona in Madrid heirathete,
und mit seinen beiden Schwestern verließ
Mengs Dresden und reiste nach Ita«
lien. I n Venedig machte er Halt und
verweilte fünf Monate daselbst, und kam
erst im Frühlinge 1752 in Rom an.
Das erste größere Werk, welches er in
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon