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zum Kreishauptmann des Nnterinnthaler
Kreises. Er eröffnete die Amtirung in
Schwa;, einem Orte, der durcb dieKriegs-
iahrc sehr gelitten, und in welchem die
Archive bei dem Brande im Jahre 1809
m Flammen aufgegangen waren. Es
galt also. eine kaiserliche Kreisamtsver-
waltung neu zu schaffen, dabei aber doch
der Geschäftsverbindung wegen die vor-
ausgegangene bayerische berücksichtigen,
provisorische Landgerichte organisiren und
die Vorschläge in allen Zweigen der
Administration neu bearbeiten. Fünfzehn
Jahre, bis zum August 1830, war M.
auf diesem Posten thätig. In der Zwi»
schenzeit wurden ihm überdieß zwei wich-
tige Missionen anvertraut. Die erste, in
den Jahren 18l7 und 1813 übertragene,
w^r eine diplomatisch-finanzielle in die
Schweiz. Sie bezog sich auf die Liqui'
dation einer dritthalb Millionen betra-
genden Forderung der Eidgenossenschaft
an die österreichische Regierung für ge-
leistete Kriegsliefernngen aus den Jah-
ren 18l3 bis j8l3; die zweite, eine
geheime, hatt.' den Zweck, den größten»
theils verlorenen Salzhandel Tirols mit
den 22 Cantonen wieder anzuknüpfen.
Beider Auftrage entledigte sich M. zur
vollen Zufriedenheit der Regierung. Im
Jahre 1823 führte er die Negulirung
der Iungrenze von Kufstein bis Wind-
hausen durch. Im August 1830 erfolgie
seine Beförderung zum Gubernialrath
bei dem Guoernium in Innsbruck, und
1843 zum Hofcath bei derselben Stelle.
In diese Periode fällt die wichtige
Grenzregulirung gegen Bayern, die in
erster Idee, Vorbereitung, Einleitung
uud Ausführung ganz das Werk Men
si's ist. Eilf Jahre brachte er mit der
Ausführung dieser etwas schwieriger
Aufgabe zu, endlich im Jahre 1844
wurde dcr Gienzvertrag zwischen Oester eich und Bayern abgeschlossen, und M.
ei dieser Gelegenheit von bayerischer
Seite mit dem Comthurkreuze des
Michael'Ordens ausgezeichnet, indem er
schon früher von Sr. Majestät dem
Kaiser dcis Ritterkreuz des Leopold-
Ordens erhalten hatte. So hatte M.
43 Jahre in verdienstvoller Thätigkeit
n seinem amtlichen Berufe zurückgelegt.
Sein Nekrologist rühmt ihm noch rege
Antheilnahme an Allem, was die ver»
schiedenen Zweige der Kunst und Wissen»
schaft betrifft, nach. Er dichtete mit
'eltener Formgewandtheit. und unter
anderen bei den großen Huldigungs«
Zierlichkeiten im Jahre 1838 die Huldi-
gungs-Cantate, er war ein gewandter
Redner und pflegte mit Liebe die Ton»
kunst. Der Innsbrucker Musikverein er»
mannte ihn im Jahre 1832 zu seinem
Ehrenmitgliede; ferner versah er seit
1838 das Ehrenamt eines Directors der
philosophischen Facultat der Inns«
brucker Hochschule, welche ihm im Jahre
1843 das Ehrendiplom eines Doctors
der Philosophie verlieh. Als ihm im
Jahre 1831 die erbetene Versetzung in
den Ruhestand gewährt wurde, erfolgte
dieselbe mit der Verleihung des Ordens
der eisernen Krone 2. Classe. Im Jahre
1832 übersiedelte M. aus dem ihm zur
zweiten Heimat gewordenen Tirol in die
Steiermark nach Grah, wo er noch ein
Iahrzehend der Ruhe genoß, bis er im
Jahre 1863. im Alter von 82 Jahren,
starb. Im Jänner 1882 wurde er in den
orbländischen Freiherrnstand mit dem
Prädicale von Klarbach erhoben. Einer
seiner Biographen berichtet, daß M. sehr
werthvolle Aufzeichnungen, namentlich
über die denkwürdige Periode 18l4 in
Tirol, bis zum Rieder Vertrage, hinter-
lassen habe, welche er als Augenzeuge
und in unmittelbarer Nähe der leitenden
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon