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Merck 383 Merck
legenheiten, z. B. über das Geldcms»
fuhrverbot in Oesterreich als Fachmann
gesprochen, der mit praktischer An-
schauung tüchtige Erfahrung verband.
Zu Ende des Jahres 1848 wurde er von
der österreichischen Regierung zum Gene-
ral-Eonsul für Hamburg, Hannover,
Holstein und Oldenburg ernannt, und
hat in dieser Eigenschaft die Vertretung
der österreichischen Interessen bei der
dritten Elbcschifffahrts-RevisionScommis-
ston übernommen. Bei dem Ausbruche
des Krieges im Jahre 4839 hat er aus
eigenem Antriebe einen HilfsVerein für
verwundete Krieger der österreichischen
Armee in Hamburg in's Lcbm gerufen,
sticht minder hat er als Vicepräsident
und einer' der Gründer der Kaiserin
Elisabeth- (West.) Bahn in Wien für
die Hebung der österreichischen Commu»
nicationen auf das Förderlichste gewirkt.
Sichern ihm also schon diese vorerwahn»
tm Verdienste eine bleibende Erinnerung,
in um so höherem Grade muß sich das
Andenken seines Namens in jener Stadt
erhalten, der er mit Leib und Seele
angehörte, aus welcher zu stammen er
stolz war, und für welche er im Allge»
meinen, wie für ihre culturhistorische und
commercielle Hebung immerdar auf das
Ernstlicbste bestrebt war,.nämlich Ham«
bürg. Er war Mitbegründer der „Nord»
deutschen Bank", und namentlich zur
Zeit der großen Krisis im Jahre 1838
war er es, der der bedrängten Vater»
stadt das binnen Jahresfrist zurückge-
zahlte Darlehen von der österreichischen
Nationalbank verschaffte. Ein anderes
Denkmal aber hatte er sich durch seine
Theilnahme an der Begründung einer
der schönsten Anlagen Hamburgs, des
zoologischen Gartens, gestiftet, an wel-
chem Unternehmen M. den wesentlich»
sten, wenn nicht gar den Hauptantheil
v. Wurzbach, biogr. L^ikon. XVII. lM'd hat, wie denn auch ihm die Berufung
Brehm's zu danken ist, dessen Bleiben
nach Merck's Tode auch kein langes
mehr war. Humanität, tiefe Einsicht in
Welt« und Menschenverhältnisse, unei>
müdliche Thatkraft und echter Bürgersinn,
waren die Tugenden, die diesen Mann
wie Wenige auszeichneten, dabei gaben
ihm seine Liebenswürdigkeit im Umgänge,
seine Klugheit in allen Lebensbeziehun»
gen, seine Energie und Umsicht in mer-
cantilischen Verhaltnissen eine Folie,
welche ihn als Bürger, Mensch und
Staatsmann gleich verehrungöwürdig
erscheinen ließen. Sein letztes Epoche
machendes Unternehmen war die inter«
nationale landwirthschaftliche Ausstellung
in Hamburg, zu dessen Ausführung er
dem zu dicsem Behufe eingesetzten Exe«
cutiv-Comitö prasidirte, so daß die glänz,
volle Verwirklichung dieses ebenso schwie»
rigen, als patriotisch schönen Werkes im
Wesentlichsten sein Werk ist. Er sollte
daS Eröffnungsfest, welches auf den
14. Juli angesetzt war, nicht mehr er»
lebm, da er schon am 3. Juli nach kur«
zer Krankheit starb. Von österreichischer
Seite war Merck durch die Verleihung
des Commandeurkreuzes des Leopold«
Ordens und die Erhebung in den Frei«
Herrnstand ausgezeichnet worden. Auch
die Stadt, die ihm so viel zu verdanken
hat, hat sein Andenken in entsprechender
Weise zu ehren beschlossen' es hatte sich
nämlich zur Errichtung eines Denkmals
für Merck ein besonderes Comito gebil«
det, welchem in sehr kurzer Zeit schon
ein Betrag von 60.000 Mark zur Er-
richtung eines Denkmals zur Verfügung
gestellt war. Diese Summe, und was
noch später dazu kam, sollte vom Ver«
waltungsrathe des zoologischen Gartens
zur Erbauung eines Winterhauses ver«
wendet werden, das den Namen des
>. 30. Juni l867.) 23
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon