Page - 391 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Image of the Page - 391 -
Text of the Page - 391 -
Mercy 391 Mrcn
t in , Siegbert Grafen von Heister, Maxi ,
mi l ian Emanuel Herzog von Bayern
und Nikolaus Grafen Pa l f fy , gestochen von
S. Langer (Wien l8i3, 4°.).
Mercy d'Argenteau, Florimund
Graf (Staatsmann, Geburtso rt und
Jahr unbekannt, gest. zu London
23.-August 4794). Ein Adoptivsohn des
in der Schlacht vor Parma bei Croisetta
(29. Juni 4734) gebliebenen Flori-
mund Claudius Grafen Mercy,
verband er mit seinem ursprünglichen
Familiennamen d'Argenteau den sei»
ncs Adoptivvaters Mercy, und schrieb
sich fortan Mercy d'Argenteau. Der
Graf widmete sich der diplomatischen
Laufbahn und erfreute sich der besonderen
Gunst des Grafen Kaunitz >M. XI,
S. 70^, mit dem er als Gesandtschafts.
Cavalier nach Paris kam. worauf er von
dort als Gesandter an den Turiner Hof
geschickt wurde. Im Jahre 4786 wurde
er während der Abwesenheit des Herzogs
Albert von Sachfen-Teschen zum
interimistischen Statthalter in den öster»
reichischen Niederlanden ernannt. Auf
diesem Posten gab er, bei Ausbruch der
Unruhen, von Kaiser Joseph dazu an.
gewiesen, um die Bewegung zu beschwich»
tigen, bis auf Weiteres die Bewilligung
der sogenannten «7o^ouL6 ontrss. Bald
darauf wurde der Graf abberufen.
Nun kam er als Gesandter an den
französischen Hof nach Paris, und war
im Anbeginn mit dem Marquis von
Stainvi l le zugleich accreditirt, fungirte
aber seit 1780 allein. Hier spielte er in
der Revolution von 4789 eine einfluß-
reiche Rolle als Haupt-Rathgeber der
unglücklichen Königin Marie An toi»
nette, mit der er in jenen Verhängnis
vollen Tagen in ununterbrochenem Brief«
Wechsel stand. Er setzte Alles daran, um
die arme königliche Familie zu retten, jedoch blieben seine Bemühungen erfolg«
los, mögen vielleicht, da die Umsturz»
Partei durch ihre Spione so ziemlich
genau von seinen Schritten in Kenntniß
war. das Ihrige zum unglücklichen Aus-
gange des Schicksals Mar ia Antoi«
nettens, und in nicht kleinem Theile,
beigetragen haben. Die Nevolutions-
Partei behauptete den Bestand eines
sogenannten „österreichischen Comito's",
das es sich zur Aufgabe gemacht hatte,
der Revolution mit allen nur denkbaren
Mitteln entgegen zu arbeiten, und die
königliche Familie und ihre Anhänger in
allen Unternehmungen zu fördern. Die
Bemühungen dieses vermeintlichen Co-
mitö's bildeten zu wiederholten Malen
den Gegenstand von Anklagen desselben
vor der Nationalversammlung, und hat«
ten zur Folge, daß auch über Mercy
d'Argenteau. der allgemein für den
Chef desselben angesehen ward, Be«
schwerden laut wurden. Ein Beweis deS
wirklichen Bestandes eines solchen Co>
mitö's konnte jedoch nicht geführt wer-
den. AlS bei dem wachsenden Fort-
schritte der Revolution die Anwesenheit
des österreichischen Gesandten in Paris
immer bedenklicher wurde, entschloß sich
der Graf. abzureisen. Die Unruhen,
welche damals in den österreichischen
Niederlanden sich zeigten, dienten dem
Grafen zum Vorwande einer Reise da«
hin. So verließ er denn im September
4790 Paris, und begab sich nach Bra«
bant, wo er mit den Seemächten, welche
in alten Verträgen den Besitz der nieder-
ländischen Provinzen dem Hause Oester«
reich garantirt hatten, in dieser Ange-
legenheit Unterhandlungen anknüpfte.
Jedoch soll dieß nur ein Vorwand gewe-
sen sein, und der eigentliche Zweck seines
Aufenthaltes in den Niederlanden darin
bestanden haben, um die Mittel zu einer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon