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Mertz Mrh
noch das österreichische Staatsbürgerrecht
erwarb, wurde er mit kaiserl. Diplom
vom 29. October 1832 in den erbländi.
schen Adelstand erhoben. Im Jahre
1833 zum General'Major ernannt, er»
hielt er seine Bestimmung nach Mantua,
kam im folgenden Jahre nach Mailand,
1833 nach Pavia und 1836 nach Verona.
Im Jahre 1842 wurde er Feldmarschall-
Lieutenant und Divisionär in Pesth;
1844 zweiter Inhaber des 12. Infan«
terie'Regiments Erzherzog Wilhelm und
im Jahre 1843 — über sein Ansuchen —
als Festungscommandant nach Komorn
übersetzt. Bis in sein hohes Alter, während
einer fünfzigjährigen Dienstzeit, hatte M.
sich durch ausgezeichnetes Verhalten im
Felde und durch treue Dienste im Frie-
den erprobt. Die unheilvollen Tage des
Jahres 1848 sollten den Frieden seines
Allers in ungeahnter Weise trüben. Als
die Bewegung in Ungarn ausgebrochen
war, hatte die revolutionäre Partei ihr
nächstes Augenmerk auf den Besitz der
Festung Komorn, wo Mertz Comman-
dant war, gerichtet. Nachdem das unga»
rische Ministerium die Macht in seinen Hän-
den hatte — Mertz war den Befehlen
desselben untergeordnet worden und mußte
dieselben entweder vollziehen oder doch
vollziehen lassen — begann es auS eige«
nen Absichten die Festung nach und nach
von allen verläßlichen regulären Truppen
zu entblößen, alle Vertheidigungsmittel
zu verwahrlosen, alle Anstalten, die
Mertz traf, um die noch vorhandenen
treuen Truppen mit Verpflegung und
Muniton gehörig zu versorgen, durch List
und Ranke zu hintertreiben; ließ den
General mit Emissären umstellen, die
alle seine Handlungen, Vorkehrungen,
Schritte und Tritte ausspähten, und es
ihm unmöglich machten, gegen einen über«
raschenden Hauptschlag der Revolutions« Partei die nöthigen VertheidigungSanstal»
ten zu treffen. Die aus Generalen zusam»
mengesetzte Commission, welche das tak»
tische Gutachten über daS Verhalten des
unerwartet in Untersuchung gezogenen
Feldmarschall'Lieutenants Mertz abzuge«
ben beordert worden, hatte denselben in
der Beantwortung der ihr gestellten sechs
Fragepuncte als vollends frei von jedem
Verschulden erklart und ihre Erklärung
mit ausführlichen Gründen belegt. Es
muß in dieser Beziehung auf die in den
Quellen angeführte Schrift, welche die
Fragepuncte und ihre Beantwortung
enthält, hingewiesen werden, wie diese
Schrift überhaupt in ihrer schlichten
Darstellung ein nur um so ergreifenderes
Bild der verzweifelten 3age gibt, in
welche der alte General durch den vor«
märzlichen Schlendrian versetzt war.
Kurz, es war ihm nach dem Ausspruche
aller Sachverständigen geradezu ünmög«
lich, die Festung den Kaiserlichen zu
erhalten, nur sein tactvolles, sich selbst
bezwingendes Benehmen hatte unnöthi«
geS Blutvergießen verhütet, und um
seine eigene Soldatenehre zu retten,
konnte er nichts Entsprechenderes thun,
als zur Herstellung seiner durch die
aufreibenden Ereignisse der letzten Mo«
nate tief erschütterten Gesundheit den
erbetenen und erhaltenen Urlaub antre-
ten, und die Festung dem im Range
nächstaltesten Stabsofsiciere übergeben.
Durch lügenhafte Aussagen eines Stabs«
officiers, deffen Namen Mertz in seiner
Vertheidigungsschrift ausdrücklich nennt,
wurde M. wider alleS Vermuthen, wäh«
rend er sich im Jahre 1849 in Wien
befand, zur Verantwortung gezogen.
Die Untersuchungsrichter waren die Audi«
tore Czermak und KomerS (der ge«
genwartige Iustizminister), welche die
ganze Verhandlung zur Schlußfassung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon