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Meroeldt 416 Merveldt
und Gouverneur der Festung Theresien-
stadt ernannt wurde. Jedoch bald er.
folgte seine Berufung zur Hauptarmee
an die sächsische Grenze, wo er das
Commando deS 2. Armeecorps über.
nahm, mit demselben beim Gefechte von
Nollendorf. am 17. September, in die
linke Flanke des Feindes eindrang, ihn
in gänzliche Unordnung brachte und auf
die Höhen von Nollendorf zurücktrieb.
Noch kämpfte M. am ersten Schlachttage
der großen Völkerschlacht bei Leipzig am
16. October. Seine Truppen standen
an diesem Tage bei Dölitz und wurden
hart von den Franzosen bedrängt. Da
drang der General Bianchi bis vor
Döl i tz vor, und verschaffte den
Truppen Merve ld t ' s freie Hand
auf dem linken Ufer der Pleiße. Feld-
marschall Fürst Liechtenstein ließ die
gegen fünf Uhr Abends retirirenden
Franzosen rechts des Döliher Schlosses
von zwei Compagnien Kaunitz'Infanterie
und auS zwei Haubitzen über die Pleiße
hinüber in die rechte Flanke beschießen,
wodurch der Rückzug der Franzosen in
in eine förmliche Flucht ausartete. Diese
günstige Gelegenheit wollte Merveldt
benutzen, um den Franzosen mit Be-
nützung eines Steges, dessen Bau bereits
auf Befehl des Fürsten Alois Liechten-
stein begonnen worden, in die linke
Flanke zu fallen. Jedoch auch der Feind
hatte diesen nahe oberhalb deS Schlosses
von Dölitz unternommenen Bau entdeckt,
und fuhr deshalb auf einer gegenüber-
liegenden sanften Anhöhe eine Batterie
auf, mit welcher Bau und Truppen
beschossen wurden. Gleichzeitig rückte
auch eine Colonne, gebildet aus der
zweiten Division der sogenannten alten
Garde, von jenem Hügel herunter und
theilte sich in einige kleinere Abtheilun»
gen. Da geschah es denn. daß General Merveldt . von allzugroßem Eifer
getrieben, auch nur von einem Bataillon
Strauch begleitet, bei seiner Kurzsichtig,
keit diese Franzosen für Ungarn oder
Preußen hielt, und obschon ihn seine
Begleiter warnten und ihm zuriefen, daß
dieselben keine Preußen, sondern Franzo«
sen seien, dennoch an der Spitze seiner
Truppen über den Steg drang. Er
näherte sich dem Feinde bis auf
20 Schritte, und bekam jetzt ein Feuer,
welches ihn verwundete, sein Pferd
tödtete, wodurch er zu Boden siel und in
Gefangenschaft gerieth. Jedoch gab er
sich nicht sogleich gefangen, sondern als
er seine gefahrliche Situation- gewahrte,
vernichtete er vorher schnell die Dispo-
Position zur Schlacht, die er bei sich
trug. gewann dann einen Baum, an den
er sich lehnend seinen Rücken deckte, und
sich nun mit Säbel und Pistole muthig
zur Gegenwehr setzte. Mehrere allmälig
herbeigeeilte Ofsiciere der Garde forderten
ihn auf, sich zu ergeben, erst als zwölf
Grenadiere auf ihn anzuschlagen beordert
wurden, überreichte er seinen Säbel und
wurde vor Napoleon geführt. Dieser
Vorfall, der sich gegen sechs Uhr Abends
zutrug, veranlaßte eine Verwirrung und
eine augenblickliche Stockung unter den
ihm zunächst folgenden Truppen. Auch
von dem Feinde wurde dieser Unfall
sogleich benützt, aber ihm der kaum ge»
wonnene Vortheil sofort wieder entwun«
den, als der tapfere Major Wolny sich
mit seinen Leuten den Franzosen, die sich
wieder gesammelt hatten und schon vor-
zurücken begannen, entschlossen entgegen«
warf und sie auf das linke Ufer der
Pleiße zurücktrieb. Nur kurze Zeit blieb
Merveldt in französischer Haft, wäh«
rend welcher er eine Unterredung mit
Napoleon hatte, die damals zuerst
von den englischen Blattern mitgetheilt
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon