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Messenh anser 438 Mejsenhauser
commando nieder. Nun erklärten aber
sämmtlicbe Ossiciere der Nationalgarde
nur unter seinem Commando fortdienen
zu wollen, ferner vereinigten sich Ver>
waltungsräthe, Gemeinderäthe und der
Reichsrath in Vorstellungen und Bitten
nicht abzutreten, und unter solchen Um
ständen gab M. endlick nach und über»
nahm das Commando von Neuem. Er
umgab nun die Aemter und öffentlicher
Gebäude mit zuverlässigen Garden und
schützte sie von dem immer gefährlicher
sich geberdenden Pöbel. Am 31. October
bis Mittag hatte bereits der größere
Theil der Nationalgarde die Waffen
niedergelegt, nur ein Theil der Gruden»
ten, die Arbeiter und die übergegangenen
Soldaten wollten von Niederlegen der
Waffen und Einstellung des Kampfes
nichts wissen, setzten denselben auf eigene
Faust an mehreren Puncten desto ener
gischer fort, und so befahl denn Win
disch'Grätz, aufgebracht durch den
Bruch der Capitulation und um die
Stadt von dem Pöbel zu retten, dem
längere Zeit noch Widerstand zu leisten
nicht möglich gewesen wäre, das Bom>
bardement. Nach dem Falle der Stadt
blieb M. in Wien, obwohl ihn Freunde
auf das Dringlichste baten und riethen,
sich durch die Flucht zu retten, und ihn
zu diesem Zwecke sogar mit Paß. Kleidern
und Geld versahen. M. war jedoch nicht
zu bewegen, Wien zu verlassen. Da
wurde am 3. November in der Wiener
Zeitung seine Proscription kund gemacht
und jedem der Tod gedroht, der ihn
verheimliche. Als Messenh auser diese
Kundmachung gelesen, stellte er sich aus
freien Stücken dem Stadtcommandanten.
Er wurde sofort in das StabsstockhauS
geführt und dort in Eisen gelegt. Vor
das Standgericht gestellt, berief er sich
auf seine Ernennung durch daS Mini< sterium, den Reichstag und Gemeinde»
rath, er machte darauf aufmerksam, daß
er öffentliches und Privateigenthum ge«
schützt, mehreren Gefangenen das Leben
gerettet, und daß er mit Gefahr feines
Lebens für die Durchführung der Capi'
tulation bemüht gewesen sei. Aber alle
diese wie immer wichtigen und erheb^
lichen Vertheidigungsgründe halfen eben
so wenig, wie die Fürbitten des Ge«
meinderathes, des Reichstages, seiner
Freunde, unter anderen der Hofschau»
spielerin Zeiner, die in La Roche's
Begleitung zu W indisch» Gratz ging,
und mehrerer anderer hochgestellter Per-
sonen. Das Urtheil des Standgerichtes
lautete s^iehe in den Quellens auf Tod
durch Pulver und Blei. Messen hauser
vernahm es mit Ruhe und Standhaftig«
keit. Am 46. November, Morgens nach.
acht Uhr, fand im Stadtgraben die Exe»
cution Statt. Minister Graf Stad ion,
als er die telegraphische Depesche von
der bevorstehenden Erecution erhalten
hatte, war in Person nach Wien geeilt,
um im letzten Augenblicke einen Pardon
zu erwirken, aber da die Erecution zu
so früher Stunde vor sich gegangen
war, kam er an, nachdem sie bereits
vollzogen. Messenh auser, im Leben
bemüht, die Römer in ihren Tugenden
— so lange sie noch deren besaßen
— nachzuahmen, starb wie ein Römer
mit der classischen Ruhe eines Hel«
den. Auf dem Richtplatze angekommen,
bat er um die Erlaubniß, als alter
Soldat sein Ende selbst commandiren
zu dürfen. Es wurde ihm gewahrt,
und mit fester vernehmlicher Stimme
prach er die verhängnißvollen Com-
mandoworte: Fertig! — An! — Feuer!
und von drei Kugeln durchbohrt, sank er
autlos zu Boden. Indem wir zum
Schlüsse noch zu seiner literarischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon