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Messerschmidt 448 Messerschmidt
welches sich als Brunnengruppe auf der
Landstraße in dem ehemaligen Mesmer-
schen Garten befindet, erregte die Bewun»
derung des Kaisers Joseph, der sie
dem Künstler in den huldvollsten Worten
aussprach. Viele kleinere Figuren und
halberhabene Arbeiten befinden sich im
Privatbesitze und Sammlungen. Für die
kaiserliche Akademie der Künste arbeitete
er die lebensgroßen Büsten seines Wohl«
thaters, des Directors MeytenS, und
des Archäologen Franz von Scheyb,
beide auS weichem Metall und im großen
Akademiesaale aufgestellt. I m Jahre
1769 erhielt M. den Titel eines aka-
demischen RatheS. Das Erscheinen des
in seiner Art einzigen und nie gehörig
gewürdigten Werkes von Lavater über
die Physiognomik fällt eben in jene Zeit;
das Werk regle M. in ungewöhnlichem
Maße an, und gar bald gerieth er
auf die Idee, 3a Vater's Ansichten in
seiner Art auszuführen. Zuerst begann
er verschiedene Leidenschaften in Wachs
zu formen. Bereits hat er eine
kleine Sammlung von solchen Wachs»
bildern, jedes 18—24 Zoll hoch, vollen«
der, jedoch nicht mit Absicht auf den
Verkauf, als vielmehr zu eigenem Stu-
dium. Ein Engländer, der von dieser
Sammlung gehört, wollte sie schen,
besuchte den Künstler, und fand an
einzelnen Charakteren solches Gefallen,
daß er einige derselben kauflich erstehen
wollte. M. nannte den Preis. Der
Engländer fand denselben zu hoch. Das
verdroß unseren Künstler so sehr, daß er,
um dem Engländer zu beweisen, es sei
ihm nicht an dem Preise gelegen und er
nur im Bewußtsein des Werthes seiner
Arbeiten einen überhaupt angegeben
habe, die Wachsfiguren nahm, und eine
nach der andern vor den Augen des
verblüfften Engländers zertrümmerte. I n diesem Vernichtungswerke unterbrach ihn
sein eben eintretender Freund Mesmer
ss. d. S. 427^, der noch deren einige und
die merkwürdigste Wachsgruppe: „TtNe
Gatt den ersten Menschen ans Grde gelärmt,
einen lebendigen chdem in die Nase blies", rettete.
Diese soll noch irgendwo vorhanden sein.
nur ist es nicht bekannt, wo sie sich befin<
det. Er begann nun mit der Ausführung
der bereits erwähnten Idee von Neuem.
Theils um sich ganz seiner Arbeit wid.
men zu können, theils weil seine Stellung
an der Akademie seit MeytenS' Able.
ben durch die Unbeugsamkeit seines
Charakters und die Unverträglichkeit mit
den übrigen Collegen, wenn nicht gerade
unhaltbar, so doch unangenehm wurde,
legte er die Profefsur nieder und erhielt
eine lebenslängliche Pension von 200 fi.,
aber auch diese nahm M. nur unter der
Bedingung an, daß er jahrlich zwei
Stück seiner Arbeit, die den Werth von
200 fl.zum mindesten erreichen sollten, der
Akademie zuschicken wolle. M. verkaufte
nun Alles. Kunstsachm, Bücher, Kupfer«
stiche, und begab sich nach seinem Ge<
burtsorte Wiesensteig. in dessen Nähe. da
ihm selbst das kleine stille Städtchen nicht
genug einsam erschien, er sich eine Hütte
kaufte. Dort sehte er nun seine Lieblings»
arbeit, die plastische Darstellung der
Leidenschaften. fort. Fünf Büsten hatte
er aus Wien mitgebracht. Da es ihm an
Modellen fehlte, bediente er sich seines
Kopfes dazu. Indem es mit seiner Ver«
pflegung in der abseits gelegenen Hütte
schlecht bestellt war, kaufte er sich Kühe
und Schafe, die ein armer Junge hüten
mußte, und pflanzte auf dem das HäuS«
chen umgebenden Grunde alle für seine
Bedürfnisse erforderlichen Lebensmitttel.
I n dieser Abgeschiedenheit von Welt und
Menschen hatte er bereits 18 Köpfe
vollendet ftaS Verzeichniß dieser merk«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon