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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Page - 447 -
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Page - 447 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17

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Messerschmidt 44? llesserschmidt viele Statuen und Basreliefs auf den Schlöffern und Herrschaften des Fürsten Wenzel Liechtenstein, der den Kunst» ler mit besonderer Vorliebe beschäftigte. Die Sonderlingsnatur M.'s hinderte ihn, daß er sich nicht zu jener Größe und Bedeutmheit erhob, für die er seinem Talente nach angelegt war. Schon der Umstand, daß er nur arbeitete, wenn er gerade Geld brauchte, trug wenig dazu bei, ihn für die Ausführung großer Werke, wozu eben er, wie Wenige, geeig» net war, zu gewinnen. Insbesondere seit er sich in den Kopf gesetzt, die mehr- erwähnte Folge von hundert Charakter» köpfen zu vollenden, von dieser Zeit an war er mit Ausnahme eben dieser Köpfe im Ganzen fast unthätig geblieben. Diese Köpfe freilich geben Zeugniß von seiner Meisterschaft, und sind wahre Musterstücke psychologischer und anato» Mischer Studien, aber es war denn doch eine verschrobene Einbildungskraft, die ihn auf diesen Gedanken brachte und ihn bei demselben durch eine ganze Reihe von Jahren beharren ließ. Die Wahr« heit, mit welcher er die Charaktere dar« stellte, und die Kenntniß des Mechanis- muS des Kopfes, entschädigt nicht für den Mangel aller Schönheit. M.. dieser Meister in der Aesthetik des Häßlichen, kann mit gutem Fug und Recht als der „Hogarth der Plastik" bezeichnet werden, und er muß eben nur in Deutschland gearbeitet haben, um — um nicht zu sagen vergessen, so doch — so wenig beachtet zu sein, wie eS der Fall ist. M. arbeitete ungewöhnlich rasch und vollen- dete oft in tadelloser Weise in Stunden, wozu andere mindestens doppelt so viel Tage, wenn nicht noch mehr Zeit brauch, ten. Mit seiner Liebe zur Kunst ging ihm die Zeit über AlleS, und diese ließ er sich nicht nehmen. Jede Minute war ihm kostbar, jeder Besuch lästig, und wenn er einen solchen erhielt und der« selbe sich gegen alle Gebühr ausdehnte, so frug er seinen Besucher nicht selten: Haben Sie viel Zeit? und wenn die Antwort lautete: Ja, erwiederte er: das sehe ich, aber ich habe keine. In seiner Häuslichkeit war er, um nicht zu sagen cynisch, aber aszetisch, von einer kaum glaublichen Einfachheit. Sein Hausge» rath bestand auS einem Bette. Tische, einigen schlechten Stühlen, einer Flöte, einer Tabakspfeife, einem Wafserkruge und einem alten italienischen Buche, von den Verhältnissen des menschlichen Kör- pers. Nebstdem besaß er noch drei Zeichnungen, eine davon stellte eine egyptische Statue ohne Arm vor. die er nie ohne Bewunderung und Ehrfurcht ansah, auch Niemanden die eigentliche Bedeutung dieser hieroglyphischen Figur entdeckte; vielleicht war es jene merk- würdige Figur, welche das alte egyptische Naturmaß darstellte, mit dessen Hilfe, wie uns Pl iniuS erzahlt, Polyklet seinen Canon der vollkommensten mensch» lichen Figur aufgestellt hatte und nach welchem die griechischen Meister, so z. B. V i t ruv ius und dann später Leo« nardo da Vinci gearbeitet haben. Ebenso einfach wie in der Einrichtung seiner Wohnung war er in seinem tag- lichen Nahrung; diese bestand aus einem einzigen Gerichte, das ihm sein Diener zubereitete, Vermögen besaß er keines, obwohl er bei seiner mäßigen zurückgezogenen Lebensweise und bei sei» ner Gesuchtheit ein nicht unbedeutendes hatte erwerben können; Alles aber, was er erwarb und was ihm nach Befried!» gung semer wenigen Lebensbedürfnisse übrig blieb, verwendete er auf die Aus» arbeitung seiner Köpfe, denen ein eben nicht beneidenswerthes 3oS ^siehe weiter
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Maroevic-Meszlenn
Volume
17
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1867
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
506
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
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