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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Page - 449 -
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Page - 449 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17

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Messerschmidt 449 llesserschmidt wirrten Einbildungskraft, und argumentiri über ihre Genesis in folgender Weise: „Die inländische Kunst würde außerordentlich ge< Wonnen haben, wenn M. die Einsamkeit, die ruhige Muße, die ihm jene gewährte, und seine Forschungsbegierde auf Gegenstände in der Natur angewandt hätte, die der Nachah« mung und der wahren Darstellung eines Künstlers von großem Talente würdig gewe- sen wären. Allein, da er von Natur eine feurige Einbildungskraft, eine blutreiche starke Complexkon und ein cholerisches Temperament hatte, und der Mangel an der ihm nöthigen Bewegung des Körpers sein Geblüt in Stockung, folglich auch seinen Mechanismus in Anordnung brachte; da ferner seine Ab» neigung gegen den Umgang mit Menschen — eine Folge der in Wien erlittenen Chikanen — ihn in seiner Einsamkeit immer sich selbst überließ, ihm immer nur sich selbst im Spie« gel zeigte, und er daher endlich nur sich selbst zum Muster seines Studiums machte — da er über das vorher schon gewisse schwärme« rische Grundsätze, von besonderen, aus ana» logen Verhältnissen zweier Körper oder Ge- stalten entspringen sollenden außerordentlichen Wirkungen eingesogen hatte, die er auf die Kunst anwendbar zu sein wähnte; so siel er. durch seine verwirrte Einbildungskraft ver» führt, au/ den Einfall, diese bisher verborge- nen Verhältnisse in seiner eigenen Gesichts» form zu finden, und verfertigte daher mit fast unglaublicher Beharrlichkeit eine zahlreiche Folge von lebensgroßen Köpfen in Stein und Metall, die durchaus sein Bildniß. aber in allen nur möglichen Spannungen, Verzerrun» gen und Drehungen der Muskeln und Seh« nen vorstellen, und von denen endlich die allerletzten bis in das Uebernatürliche und Chimärische getrieben sind. Wenn man jedoch diese Köpfe mit Aufmerksamkeit betrachtet und bemerkt, daß in den meisten auch die in Con- vulsionen nachgeahmte Natur mit ganz außer« ordentlicher Wahrheit und Kunst dargestellt ist. und da man darin, bei den gewaltsamsten Verzerrungen doch immer den gründlichen Kenner des Mechanismus eines Kopfes findet; so bedauert man den Menschen, den seine verwirrte Einbildungskraft auf diesen Gegen« stand brachte, bewundert aber den Künstler, der uns zeigt, waS er unter anderen Ge« müthsumständen zu leisten fähig gewesen wäre. M. hatte sich die Ausführung dieser Büsten zur Lebensaufgabe gestellt und der» selben seinen ganzen Erwerb geopfert. Diese v. Wurzbach, biogr. Leiiton. XVII . ^Gedl 49 Stücke, darunter 32 aus Erz, 16 aus Stein und i aus Holz, in natürlicher Größe, sind. bildeten auch, als M. starb, seine ganze Hinterlassenschaft. Sie hatten auch eigene Ge, schicke, sie wurden zuerst von einem Garkoch des Wiener Bürgersvitals, Namens S tan tz, von Messerschmidt's Erben um 6000 ss. gekauft und von Preßburg nach Wien ge« bracht. Dann kamen sie in Besitz eines Groß, Händlers, Namens Baruch, dieser oerpfän« dete sie an einen polnischen Juden, der sie wieder an einen Particulier versetzte. Dieser, so erzählt Graffer, brachte die Köpfe zu Anfang der Zivanziger«Iahre des laufenden Jahrhunderts in den Prater, wo man sie gegen Gmtrittsgeld etlicher Kreuzer sehen konnte. Dann wären sie in Besitz des Mechanikers Mälzet gekommen, mit dem sie nach New» Uork in Amerika gewandert sind. Dieses Faktum aber wird bestritten und so erklärt: ein Fürst, der bereits gestorben, hätte mit nicht geringen Kosten Gypsabdrücke dieser Büsten anfertigen lassen, und diese Abdrücke sind vielleicht im Prater und in New'Iork zu sehen gewesen. Die Originale befanden sich zu Anfang der Fünfziger-Jahre im Besitze des Herrn Ios. Iü t tne r , Besitzers eines Aus- kunfts'Comfttoirs in Wien, und bei demsel» ben, in seiner Wohnung auf der Freiung, im Hause, das im Volksmunde den Namen Schubladekasten hat, sah sie Herausgeber die< ses Lexikons um das Jahr 1850. Schon Graffer machte den Vorschlag, daß die Büsten, die zum größten Theile in Vreßburg gearbeitet sind, als ungarisches Landesgut von dem Pesther National»Museum als Quieum angekauft werden sollten. Eine noch passen- dere Stelle fänden sie aber jetzt im österrei« chiscken Museum, das nicht unterlassen sollte, dieselben zu «werben. Von sämmtlichen Büsten erschien eine Lithographie, welche eine Bei« läge zu Nr. 288 des von Groß-Hoff inger in Wien herausgegebenen Journals „Der Adler", Jahrg. 1839, bildete. Es sind Erläu- terungen der Charaktere erschienen, welche diese Büsten darstellen, denen wahrscheinlich Aufzeichnungen des Künstlers selbst zu Grunde liegen dürften. Die Darstellungen der Büsten sind: <) der Künstler selbst, lachend, eine Büste, welche in verschiedenen Größen vielfach in Gyps abgeformt worden; 2) ein wollüstig abgehärmter Geck; Z) ein naseweiser svitzsin« diger Spötter; 4) der rücksichtslose Ausdruck des Hohnes; 3) der Gähner; 6) der Ausdruck des Hohnes, mit einem Zuge des Verlangens 27. Juli 1567.) 29
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Title
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Subtitle
Maroevic-Meszlenn
Volume
17
Author
Constant von Wurzbach
Publisher
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Location
Wien
Date
1867
Language
German
License
PD
Size
13.41 x 21.45 cm
Pages
506
Keywords
Biographien, Lebensskizzen
Categories
Lexika Wurzbach-Lexikon
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