Page - 462 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Volume 17
Image of the Page - 462 -
Text of the Page - 462 -
MsKros 462
Studium der Rechte begann. Im ge>
nannten Jahre trübte sich aber der poli«
tische Horizont von Neuem, und im
europaischen Kampfe gegen Napoleon
sollte auch Ungarn sein Contingent.
30.000 Mann Infanterie und 10.000
Reiter stellen. In 14 Tagen war die
geforderte Zahl aufgebracht und ein
paar Wochen später bereits auf dem
Marsche. Dem Lande war die Ernennung
von zwei Drittheilen der Officiere an>
heim gestellt worden. Da traf es sich
denn auch fĂĽr M. ganz glĂĽcklich; das
Bacser Comitat ernannte ihn sofort zum
Lieutenant, und M. zufrieden, das
Rechtsstudium mit dem Schwerte einzu-
tauschen, trat in die Armee, in welcher er
binnen wenigen Tagen schon zum Ober«
lieutenant avancirte. M. machte nun die
FeldzĂĽge der Jahre 1814 und 1813 mit
Auszeichnung mit, und kam im Jahre
1816 als Oberlieutenant in das 7.Husza»
ren-Regimenr. Diese Einreihung war
eine Auszeichnung, weil bei der damali»
gen allgemeinen und bedeutenden Armee«
Reduction die meisten ungarischen Frei«
willigen entlassen und nur die besonders
fähigen Köpfe behalten wurden. Somit
war M.'s Zukunft, nämlich sein Vei>
bleiben im Waffendienste entschieden.
Im Jahre 1826 wurde er zum Second»
Rittmeister befördert, und machte als
solcher im Jahre 1831 den Kampf
gegen die Aufständischen in Modena und
in den römischen Legationen mit. Drei
Jahre darauf rückte er zum eisten Ritt»
meister vor. Als nach dem Tode des
Kaisers Franz I. (1833) die oberste
Leitung der Militär»Angelegenheiten in
die Hände des Grafen Kar l Joseph
Clam-Martinitz sBd. I I , S. 379^
ĂĽberging, und sich gar bald in diesem
Gebiete ein freilich fĂĽr die damaligen
socialen Verhältnisse gerade zunächst auf demselben entbehrlicher liberalerer rege«
rer Geist bemerkbar machte, trat auch
fĂĽr M. eine gĂĽnstigere Wendung ein,
denn bisher waren Stammbaum und
Protection die zwei Hauptmomente der
Beförderung im Militär, nun sollten
auch Talent und Fähigkeit zur Geltung
kommen, welche beiden Eigenschaften M.
in die Wagschale legen konnte. Er wurde
schon im Jahre 1837 zum Major im
7. Huszaren«Regimente, im Jahre 1844
zum Oberstlieutenant und im I . 1848
zum Obersten im Regimente ernannt.
Das Regiment, deffen Oberst M. war,
hatte den Feldmarschall Radetzky zum
Inhaber. M. selbst war nicht bloĂź als
wackerer, tapferer Ofsicier, sondern auch
seiner tĂĽchtigen Bildung wegen in der
Armee geachtet. Die gute Schulbildung,
vornehmlich die treffliche Anleitung des
unterrichteten Cavlans im Pfarrerhause
hatten die Keime einer edleren geistigen
Bildung in ihm geweckt, und die reiche
MuĂźe seines Soldatenlebens hatte M.
benutzt, sich selbst fortzubilden. Mathe»
matik, Landwirthschaft. Mechanik und
die damit verwandten Disciplinen waren
seine Lieblingsfächer, und nicht nur
wendete er allem Neuen auf diesem
Gebiete seine ungetheilte Aufmerksamkeit
zu, sondern war auch in denselben
wissenschaftlich thätig, und schickte schätz'
bare Arbeiten über Maulbeerbaum» und
Seidenzucht — welche er in Oberitalien,
als an Ort und Stelle, genau beobachten
und studiren konnte — über Weinbau
und Weinhandel, ĂĽber Ackerbaubanken,
Walzmühlen u. dgl. m. an die königlich
ungarische Akademie der Wissenschaften
in Pesth, welche dieselben in die von
!hr herausgegebenen Denkschriften und
Sitzungsberichte aufnahm, ihren Ver«
'affer aber, der damals in Mailand sein
Regiment commandirte, 1844, unter die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon