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ihn von allen Seiten schwer bedrohende
Gefahr nicht beachtend, unter dieTumul»
Wanten, und seinen eindringlichen Vor«
ftellungen — denn er hatte sich während
seines langjährigen Dienstes in Italien
die Landessprache vollkommen angeeignet
— gelang es. die Italiener zur Nieder»
legung der Waffen zu überreden und
zum Gehorsam zurückzubringen. Eine
andere Schwierigkeit seiner Stellung
ergab sich aus dem Umstände, daß der
größte Theil der ungarischen Truppen
;u jener Zeit sich außerhalb Ungarns
befand und ein Wechsel der Regimenter
unter den obwaltenden Verhältnissen
geradezu unausführbar war. Er mußte
also mit Soldaten der übrigen Lander
der Monarchie gegen Raizen, Walachen
und Croaten marschiren, mit denen ein
Kampf auf Tod und Leben bereits be«
gönnen hatte. Unbehaglich, ja lähmend
waren oft die Gefühle im Innern des
ehemaligen Huszaren-Obersten, wenn der
ungarische Patriot — und M. war durch
und durch ein solcher — mit dem öfter«
reichischen Soldaten, der kön. ungarische
Minister mit dem kaiserlichen General in
Widerstreit gerieth. Erst der Fortschritt
der unaufhaltbar gewordenen Revolution
mußte ihn aus seinem Schwanken reißen
und zwingen, einen entschiedenen Stand«
Punct einzunehmen. Der Kampf war ein
schwerer, aber für den Ungar gab es nur
eine Wahl, nämlich die: zu seinem Vater»
lande zu stehen, und auch M. hatte sich
dahin entschieden. Im Anbeginne, als die
Ereignisse
sich noch nicht überstürzten und
es sich um Principienfragen handelte, bei
welchen Ungarn betheiligt war, nahm er
nicht den engherzigen ungarischen Stand«
punct ein, sondern die Gesammtheit im
Auge behaltend und als Mitglied der
kaiserlichen Armee, legte er als Oester«
reicher sein Urtheil in die Wagschale. M. saß im Parlamente in doppelter Eigen,
schaft, als ungarischer Kriegsminister und
als Abgeordneter seines Geburtsortes
Baja. Als die italienische Frage auf der
Tagesordnung war, 20. Juli 4843,
vertheidigte er die Politik des Ministe«
riums, welches sich dahin geeinigt hatte,
Truppen nach Italien zu schicken, und
sprach sich bei dieser Gelegenheit unver«
hohlen gegen die italienische Freiheits«
bewegung aus. Bei der Debatte über
das Recrutirungsgesetz, am 56. August,
erklärte sich M. gegen die Errichtung
einer gesonderten ungarischen Armee,
gegen ungarische Landesfarben und un<
garisches Commando; die auszuhebenden
Recruten sollten den alten österreich«
ungarischen Cadres eingereiht, in öfter«
reichischer Weise ausgerüstet und com»
mandirt werden. I n diesen Ansichten
fand er entschiedenen Widerstand, selbst
bei jener. Majorität, die in allen anderen
Fragen unbedingt mit dem Ministerium
ging. M. sah sich gezwungen, dem all»
gemeinen Sturme nachzugeben, erklärte
sich aber auch zur Ausführung des
Beschlusses nur unter der Bedingung
bereit, daß die Nationalversammlung
einen Theil der Verantwortlichkeit, welche
mit demselben verknüpft sei, übernehme.
War bisher der Kampf seines ingari-
schen Patriotismus mit den legalen
Gefühlen des kaiserlichen Ofsiciers kein
geringer gewesen, so sollte es doch noch
schlimmer kommen. Die Kriegführung
im Süden war bisher lau und erfolglos
betrieben worden, waS sich bei den Ge«
sinnungen, die den ehemaligen Reiter«
Oberst Mäszäros erfüllten, der sich
nun einmal des Gedankens, noch immer
ein Glied der großen Polyglotten Armee
zu sein, die aber eben als solche den
Einheitsstaat einzig und allein und am
wirksamsten vertrat, nicht erwehren konnte,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon