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hatte er geschwankt, als sich aber die
Dinge so stellten, daß an einen friedlichen
Ausgleich nimmer zu denken war. stand
er zu seinem Vaterlande, um mit dem»
selben zu stehen oder zu fallen. Nun
nahm die neuzuschaffende Armee seine
ganze Sorge und Thätigkeit in Anspruch,
und innerhalb wenigen Wochen hatte er
auch aus den allersparlichflen Anfängen
ein Heer geschaffen, welches zwei ver-
bündeten Armeen längere Zeit einen
erfolgreichen Widerstand entgegensetzte.
Aber der erst in den Octobertagen vom
Volksjubel Gefeierte sollte nur zu bald
wieder die Wandelung der Volksgunst
erproben. Als beim Beginne des Win-
terfeldzuges die ungarische Armee eine
Position nach der anderen dem Feinde
preisgab und M6szäros in der Reichs»
tagsitzung vom 31. December den An-
trag stellte, auch Buda»Pesth zu räumen,
da tönte ihm, was ihm früher nur aus
einem Munde, jenem Perczel's zuge»
schrieen wurde, von allen Seiten nun in
verschärfter Weise entgegen: „Nieder mit
dem Verrather", hieß eS in der stürmi«
schen Versammlung. Endlich gelang es
den Bemühungen Kossuth's, dem
Angegriffenen Geh'ör zu verschaffen, um
seinen Plan darzulegen. Nun übertrug
ihm daS Haus das Commando der
Armee im Norden, welche gegen Schlik,
der bereits die Theiß zu überschreiten und
gegen Debreczin zu marschiren drohte,
den Kampf aufnehmen sollte. Als ihm
das Haus diesen Posten übertrug, erwie-
derte M.: „er würde sich früher schon
selbst zu derselben angeboten haben, aber
unter den jetzigen Umständen würde man
bei einem möglichen Unfälle sofort
schwarzgelbe Reminiscenzen gewittert
haben. Uebrigens halte er es für seine
Pflicht, alle seine Kräfte für das Vater-
land aufzubieten, er wolle Alles thun, um einen Sieg herbeizuführen, bitte aber
das Haus im Voraus, ihn ungünstigen«
falls zu beurtheilen, aber nicht zu ver-
urtheilen, oder wie der Deutsche sagt,
urtheilt, aber viertheilt mich nicht! Ich
hoffe, daß wir den „Schlik verschlicken"
werden". Wohl fand dieser Huszaren«
witz in der Versammlung stürmischen
Beifall, er konnte aber nicht hindern,
daß, als Möszä,ros das Commando
im Norden übernahm, er am 4. Jänner
1849 in der Schlacht bei Kaschau —
nach Anderen auch die Schlacht von
Barcza genannt — eine fürchterliche
Niederlage erlitt, in welcher seine junge
noch ungeübte Armee ganz versprengt
und nur durch den ausdauernden Wider»
stand der polnischen Legion, welche den
Rückzug deckte, vor Vernichtung gerettet
wurde. Es ist bekannt, mit welchem
Siegesbewußtsein der Graf Schlik in
diesen Kampf ging, indem er der Gräsin,
bei der er im Quartiere lag, als er zum
Kampfe aufbrach, sagen ließ. um welche
Stunde Abends er bei ihr den Thee zu
nehmen gedenke. Nach dieser Niederlage
legte M. sein Comrnando in die Hände
des jüngeren Klapka nieder. Nun
kehrte er wieder in sein Ministerium
zurück und verblieb in demselben biS zur
Unabhängigkeitserklärung Ungarns, mit
welcher er sich nicht einverstanden erklärte.
Als unter Szemere's Präsidium ein
neues Cabinet sich bildete, legte er seine
Stelle nieder, erklärte aber. als Ab»
geordneter von Baja noch ferner an den
Berathungen des ReichtageS theilzuneh-
men. Auf LadiSlaus Palo czy's Antrag
wurde ihm nun einstimmig der Dank
des Hauses votirt und ihm zugleich der
Feldmarschall'Lieutenantstitel verliehen.
Dritthalb Monate blieb nun M. unthä«
tig, bis er bei dem Zerwürfnisse zwischen
Kossuth und Görgey, in welchem er
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Volume 17
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Maroevic-Meszlenn
- Volume
- 17
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1867
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 506
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon