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Mitscha 373 Mscha
Mitscha, Franz Adam Ritter von
(Tonsetzer, geb. zu Iaromirsch
^aroinsrio^ in Mähren 11. Jänner
1746. gest. 1l. März 1811). Kam in
jungen Jahren, als sein Vater k. k.
Thürhüter bei Hofe wurde, nach Wien,
wo er die Rechtsstudien vollendete und
im Juni 1767 bei der ehemaligen k. k.
böhmisch'österreichischen Hofkanzlei in
Staatsdienste trat. Talente, Umstcht im
Geschäfte und Eifer im Dienste veranlaß«
ten seine Beförderung, die jedoch im
Anbeginn nur langsam vorschritt. Am
5. December 1783 verlieh ihm die böh»
misch«österreichische Hofkanzlei die Stelle
eines Secretars bei dem innerosterreichi«
schen Gubernium in Gratz; am 14. He«
bruar 1794 wurde er Kreishauptmann
zu Brück an der Mur. Als Westgalizien
zu Oesterreich kam, wurde er am 5. Mai
1796 zum westgalizischen Gubernialrathe
befördert. Im Jahre 1798 zum Kreis-
hauptmann von Sandomir ernannt,
wurde er über sein Ansuchen dieses
Postens enthoben und in gleicher Eigen«
schaft in den Kielcer Kreis überseht. Als
mit Allerh. Entschließung vom 13. Mai
1803 die Vereinigung der politischen
und Cameralverwaltung von Oft« und
Westgalizien und zu diesem Zwecke die
Einsetzung eines vereinigten Guberniums
in Lemberg erfolgte, kam M. mit
20. October d. I . als Hofrath zur gali«
zischen Landesstelle. I n Kielce hat sein
humanes Wirken und namentlich seine
rastlose Thätigkeit, als es galt, den
durch eine Feuersbrunst (am 24. Mai
1300) eingeäscherten Ort neu aufzu»
bauen, ihm eine bleibende Erinnerung
gesichert, die auch dann nicht geschmälert'
wurde, als der Kreis später zum König»
reiche Polen geschlagen wurde. Sein Ab«
schied, als ei die Hofrathsstelle inLemberg
antrat, war auch das Signal zu einer Reihe von Beweisen innigster ^heil«
nähme de^ gesummten Bevölkerung. I m
Jahre 1808 erhielt er seine Bestimmung
als Kreishauptmann in der Bukowina^
und wurde zugleich mit der Organist-
rung dieser Provinz beauftragt. Das zu«
nehmende Alter und damit verbundene
Kränklichkeit veranlaßten ihn jedoch, um
Enthebung von diesem beschwerlichen
Posten zu bitten, er kam sonach als Hof«
rath zur galizischen Landesstelle zurück.
Nun aber stand ihm eine schwere und
nammtlich für ihn ereignißreiche Zeit
bevor. Nachdem er in den Jahren
1807, 1808 und im verhängnisvollen
1809 das Landespräsidium geführt, trat
mit dem Einmärsche der polnischen
Truppen eine große Veränderung in
allen Verhältnissen ein. M. wurde zu«
nächst als Geißel behalten und abgeführt.
Kurz zuvor aber, ehe ihn dieses Los
traf, war eS ihm gelungen, die Staats«
effecten vor dem einrückenden Feinde in
Sicherheit zu bringen und so mehrere
Millionen ärarischer Gelder zu retten.
30.000 fi., obwohl Todesstrafe auf die
Verheimlichung von Staatsvermogen
gesetzt war, verwahrte er bei sich und so
gut, daß er sie nach seiner Freigebung
ungeschmälert abzugeben in der Lage
war. Als er gefangen genommen
worden, wurde er am folgenden Tage
von seiner Gattin, seinen Kindern und
Enkeln getrennt, und unter freiwilliger
Begleitung seines Sohnes Raimund
mit noch zehn anderen Geißeln nach
Lublin abgeführt. I n Zamosc wurden
die Geißeln vom Pöbel verhöhnt und
insultirt. Sechs Monate, vom 12. Juni
bis 9. December 1809, dauerte die Haft.
Nachdem er die Freiheit wieder erlangt,
erbat er sich, da er bereits 42 Jahre
gedient,-die Versetzung in den Ruhestand,
auch wurde er, da er schon mit einem
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Volume 18
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Metastasio-Molitor
- Volume
- 18
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 522
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon