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,l34l) große Veränderungen in dem bis
her ungetrübten Familienleben hervor
In diese Zeit fällt auch die Bekanntschaf
Elisens mit dem tüchtigen Male'
Friedrich Schilche r, unter dessen Anlei
tung sie ihre Studien fortsehte. Dei
Vater begann nacb dem Tode der Mutter
zu krqnkeln, erholte sich wohl wieder
aber nachdem er den Sommer des Iah
res 1842 leidend zugebracht, erlag er
nach seiner Rückkehr vom Lande, wo e
den Sommer verlebt hatte, einem
Schlaganfalle. Elise stand nun mi
ihrer alteren Schwester elternlos da, je-
doch mit einem Vermögen, das beiden ein
sorgenfreies Dasein gestattete. Ihr Haus
wurde bald der Sammelplatz geistvoller
Männer, darunter der Dichter Löhn er
Md. XV, S.39l^. Ludw. Aug. Frank!
sBd. IV, S. 334>. Vr. A. Beck. Fried
rich Hebde l ^Bd. VI I I , S. l 6 ^
Franz Fritsch ^Bd. IV, S. 3701.
Auck fällt in jene Zeit ihre Bekanntschaft
mit der nachmals durch ihre bedeutenden
Dichterwerke, als: „Der Genius und die
Gesellschaft", „Judas Iscariot" u. s. w..
berühmt gewordenen Dichterin Glise
Schmidt, mit welcher sie bald die
engsten Freundschaftsbande verknüpften.
Eine Reise durch Deutschland, welche sie
im Jahre l84li mit ihrer älteren Schwe«
ster unternahm, und auf welcher sie die
größeren deutschen Städte bis in den
Norden hinauf, dann aber auch den Herr«
lichen Rhein besuchte, erweiterte machtig
den Gesichtskreis deS für Kunst schwär»
menden Mädcbens. Als nach ihrer Rück-
kehr im Herbst ihre Schwester, die bisher
dk vortheilhaftesten Antrage abgelehnt,
einem gegebenen Worte getreu, einen
Italiener aus Südtirol geheirathet hatte,
trat ein Wendepunct, aber leider nicht
zum Besseren, in Elisens Leben ein.
Bald nämlich, nachdem ElisenS Schwe. ster geheirathet, verlor ihr Mann den
größten Theil des Vermögens beider
Schwestern durch unglückliche Specula-
tionen. und was noch geblieben, ging in
den Wirren des Jahres 4848 daran.
Nun wurde die Malerei, bis dahin nur
eine das Leben verschönernde Erholung,
die wirksame Helferin in der Noth.
Elise begann um Geld zu malen.
Einige ^Genrebilder fanden bei Bilder-
Händlern Absah. Noch war kein Porträt
des Kaisers, der eben den Thron seiner
Vater bestiegen, im Publicum. Elise
war die Erste so glücklich, ein neun
Schuh hohes Bildniß desselben, das
nach Galizien kam, zu malen. Es häuf-
ten sich bald die Aufträge von mehreren
Seiten, und unter anderen malte sie
lebensgroße Bildnisse des Kaisers für die
Gemeindehäuser in der Leopoldstadt und
Wieden, auch aus ferneren Orten, wie
alls Stadt Steyer, kamen Bestellungen
auf ähnliche Bildnisse. In diese Zeit fällt
auch die Bestellung eines polnischen Edel-
mannes, des Grafen LedochowSki,
der in seinem Schlöffe Gorki in Rus-
fchPolen die Porträte aller seiner
Verwandten in Lebensgröße aufstellen
und sein Schloß überoieß mit Copim
von Bildern guter Meister ausschmücken
wollte, mit deren Ausführung die junge
Künstlerin betraut wurde. So wurde ihr
Name immer bekannter, und ungeachtet
der beispiellos niederen Preise, um welche
ie malte, gab es doch die Menge aus,
und sie war im Stande, ihre Schwester,
die durch ein langes schweres Leiden
ganz entkräftet war, und deren Kinder zu
erhalten. Auch hatte sie, da sie
sich.
um
Italien zu sehen, längst einen kleinen
Sftarpfennig zurückgelegt, und sie selbst
on dem vielen Malen angestrengt, der
Erholung bedürfte, endlich im September
1835 auf den Weg gemacht, und ihre
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Volume 18
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Metastasio-Molitor
- Volume
- 18
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 522
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon