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Mörl 42? Worl
Volk hinzu, um die Heilige, denn als
das galt sie den gemeinen Leuten, zr
sehen. Der Zudrang war ein ungeheurer
manchmal über dreitausend Personen an
einem Tago. Dieß zog die Aufmerksamkei
der Behörden auf sich. es wurde ein Berich
abgefordert, der indeffen sehr unvollkom
men ausgefallen sein mochte, da die be>
gnadete Kranke erstens durch einen ihrer
Beichtväter zu sich gerufen werden mußte,
zweitens ihre Leiden mit Worten nich
angeben, drittens keine Medicin nehmen
konnte. I m Herbste 1834. als sie zu Weih
nachten eben wieder sehr leidend war,
besuchte sie der berühmte Mystiker Gor-
res, der auch dann im I. Jahrgange
der „Neuen Sion" (184!5), Nr. 3 u. f..
Bericht über seinen Besuch erstattete. Im
Jahre 1841 änderte Maria von Mör l
die Wohnung, indem sie nach dem Tode
ihres Vaters auS ihrem väterlichen Hause
in daS Tertianerinenkloster übersiedelte,
wo ihr ganz neben der Kirche, in die
man durch ein Fensterlein hinuntersieht,
eine Wohnung angewiesen wurde. Das
Zimmer, obgleich im Nonnenkloster be»
sindlich. war doch so gelegen, daß man
von außen in dasselbe gelangen konnte.
Jedoch wurde der Zutritt zu ihr be»
schrankt und mußte vorher die Erlaubniß,
sie zu sehen, von der höheren geistlichen
Obrigkeit eingeholt werden. Im Jahre
4842 besuchte sie Monsignor Tizzani,
Bischof von Terni, der über diesen
Besuch einen eigenen Bericht vel>
öffentlichte, wie denn überhaupt ange»
sehene Personen - über diese ertcüische
Kranke schrieben, wie z. B. der Bischof
Wiseman, John Talbot Graf von
ShrewSburg. Vater der im Rufe der
Heiligkeit im October 1840 zu Rom
gestorbenen Guendaline Fürstin Borg.
Hefe. So dauerte die Geschichte viele
Jahre fort, nur der Besuch Fremder hatte, sich gemäßigt. Neber die Heilungen, die
durch sie bewerkstelligt worden, gehm
auch verschiedene Versionen. Da starb
im Jahre 1863 ihr Hauptbeichtvater, ste
hatte früher deren mehrere, es war
der Iesuiten.?at6r Johann Capistran
Soyer, er war 37 Jahre lang ihr
Beichtvater gewesen. Seit dem Herbste
1867 verschlimmerte sich ihr Zustand zu»
sehendS, und endlich starb sie an ganz«
licher Blutzersetzung im Alter von 36 Iah»
rcn. Ihr Leichenzug war festlich, aus der
ganzen Umgegend war die Bevölkerung
herbeigeströmt. Nie dürfte Kältern eine
solche Menschenmenge geschcn haben.
Dem Sarge von Zink war von Seite dcs
Bürgermeisters Baron Di Paul i ein
verschlossenes Actenstück beigegeben, dann
wurde der Sarg im festlichen Zuge auf
den Friedhof gebracht und in der von
Mo rl'schen Familiengruft beigesetzt. Es
wurde versucht, nach dem Tode den alten
Zauber fortzusetzen, und es wurde von
einigen Iesulten-VatrsL auf die Heilkraft
der Mörl'schen Leintücher hingewiesen
und einem den besseren Ständen ange-
hörenden, seit Monaten schwer leidenden
Kranken gerathen, sich ein Stück vom
Mörl'schen Betttucho zu verschaffen und
auf sicheren Erfolg der Lemtuchcur zu
hoffen (!). — Es wurde im Vorstehenden
eine möglichst treue Darstellung der Erschei«
nungen, die mit der ertatischen Maria
von Mör l vorgingen, gegeben. Der
Fall wie bei Iulianna Weißkirchner,
die in die Hoffnung gekommen, .scheint
bei ihr nicht eingetreten zu sein. Für die
übrigen Erscheinungen aber gibt es eine
Erklärung; man suche sie, ebenso wis.
enfchaftlich als vernunftgemäß, in dem
Nssai 6ur 1a Meologis mor^io",
S. 239 u. f., des ?atsr I . C. De>
breyne, Doctors der Medicin von der
Facultat von Paris, außerordentlichen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Volume 18
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Metastasio-Molitor
- Volume
- 18
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1868
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 522
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon