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Pachter 166 Pachmanir
Jahre lernte Mar ia den großen Meister
persönlich kennen und entzückte ihn durch
den Vortrag seiner Werke so sehr. daß
er ihr ein glänzendes Zeugniß darüber
ausstellte; es ist facsimilirt einem Aufsahe
beigegeben, den ihr Sohn zur Widerte,
gung der von Schindler aufgestellten Be-
hauptung, als sei Mar ia die letzte Liebe
Beethoven's gewesen, in die „Ber>
liner Musik-Zeitung" vom Jahre 1863
schrieb fter Titel ist in den Quellen ge-
nannt^. Als ihr Gatte, der Advocat war,
der^itsrs^o des Theater»Directors Stö»
ger geworden, besuchten auch die stan»
digen und durchwandernden Schauspieler
und Sänger d^s gastliche Haus, und cs
dürften wenig Namen von Auszeichnung
sein, deren Trager nicht dort gewesen
wären. Aber auch Herberge wurde
manchem Durchreisenden angeboten, und
so lebten denn Franz Scbubert und
einer seiner besten Sanger, Baron
Schönstein, mehrere Wochen bei
Pachters; in ihrem Hause entstanden
auch einige der schönsten Lieder Schu»
bert's, deren Texte sie ihm vorschlug
und die er meist auf der Stelle compo»
nirte, z. B. die „Schottische Ballade"
und „Heimliches Lieben". Beethoven
hatte zu seinem größten Bedauern einer
Einladung des Ehepaars nicht nachkom>
men können; als Schub'ert es zum
zweiten Male wollte, riß ihn der Tod
hinweg. Die gastfreie Litte deS Hauses
erhielt sich noch viele Jahre und ein
Wanderer empfahl den andern, obschon
eben nicht viele Umstände gemacht wur-
den und AlleS höchst einfach zuging. In
spateren Jahren nahm sie den Sohn
einer Freundin als Gefährten des eige«
nen an und widmete sich noch mehr als
früher der durch eine kleine Landbesitzuug
vermehrten Hauswirthschaft. Das Schei-
den ihres Sohnes aus der Vaterstadt, beginnende Kränklichkeit und zuletzt ein
mehrjähriges Hinsiechen des einst so
kräftigen Gatten trübten ihr Leben und
verödeten ihr Haus. Fünf Jahre nach
dem Tode des Gatten, welcher, nebenbei
bemerkt, der erste Oberst der wiederrichte«
ten Nürgergaroe war, starb auch sie im
Alter von 6t Jahren nach schmerzlicher
Krankheit. Von ihren vielen Composttio«
nen ist keine veröffentlicht. Bemerkens»
werth ist nocb ein musikalischer Scherz,
den sie mit Geist und Witz öfter in
Freundeskreisen auszuführen liebte. Die«
ser bestand in der musikalischen Charak»
terisirung ihrer Bekannten, von denen
sie auf dem Klavier „Porträts" entwarf,
und in so glücklicher Weise diese „Bildnisse
in Tönen" ausführte, daß, wenn größere
Kreise versammelt waren, die meisten der
Anwesenden auS den musikalischen Sil«
houetten die Originale herausfanden.
Der vorgenannte F au st uS Pachler ist
ihr Sohn.
Pachter (Faustus). Beethoven und Marie
PachIer>Koschak. Beiträge und Berichtigungen
(Berlin <ii65, ga.).
Pachmann, Tbeodor (Necbtsge-
lehrt er, geb. zu Horntitz im vor»
maligen Saazer Kreise Böhmens 9. No>
vember 1801). Der Sohn eines Herr«
schaftlichen Oekonomie »Beamten , den
ersten Unterricht erhielt er in der Orts»
schule, dann bereitete ihn für das Gym«
nasium der Seelsorger seines GebuttS-
oNeS vor, worauf er, 12 Jahre alt, daS
von Cisterziensern geleitete Gymnasium
zu Komotau bezog. Nun ging er nach
Prag. beendete daselbst die rechts- und
staatswissenschaftlichen Studien und er-
langte im Jahre 1828 die juridische
Doctorwürde. Anfänglich wollte er sich
der Advocatur widmen und betrat auch
die dazu erforderliche Praxis, aber bald
sagte ihm diese Richtung der juridischen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon