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P achmann 167 Pachmann
Sphäre nicht zu. Seiner seit Jahren
gehegten und durch den Umstand, daß
er selbst frühzeitig Unterricht ertheilte,
genährten Neigung für das Lehramt
folgend, machte er sofort die nöthigen
Schritte, um jedoch bald inne zu werden,
daß ungeachtet des Wohlwollens, das die
Professoren ihrem tüchtigen und fleißigen
Schüler entgegenbrachten, noch manche
Berge zu ebnen und manche Geduld-
probe zu überstehen sei, ehe an die
Erreichung eines Zieles nach dieser Seite
hin zu denken war. Er bewarb sich um
eine eben vacant gewordene Adjunctur an
der Prager Hochschule, hatte auch alle
Aussicht, mit seiner Bewerbung durch»
zudringen, ,als wider alles Erwarten ein
Anderer die von ihm angestrebte Stelle
erhielt. Es war dieß zu jener Zeit. in
welcher in Oesterreich der tüchtigste Be-
werber um eine Stelle drei gegen Eins
sicher sein konnte, gegen den nächsten und
besten Idioten, der aber einen cinstuß-
reichen Gönner hinter sich stehen hatte,
zurückgesetzt zu werden. Nachdem auch
P a ch in a nn dieses Mißgeschick erfahren,
beschloß er sofort nach Wien zu gehen
und dort seine Bewerbungen um ein
Lehramt auf das Ernstlichste fortzusehen.
Mit Empfehlungen ihm wohlwollender
Prager Professoren und mit Crediibriefen
ihm freundlich gesinnter Handlungshau-
ser ausgerüstet, kam P. nach Wien und
bald gelang es ihm, in einer einfluß«
reichen Familie, in jener des Hofrathes
Freiherrn von D i l l er, jetzt Dil ler»
Heß. eine Erzieherstelle zu echalten. So-
mit hatte er festen Fuß gefaßt und konnte
nun ruhig sein vorgestecktes Ziel ver-
folgen. Bald hatte er sich das Wohl-
wollen des Hofrathes erworben. Als im
folgenden Jahre nach D o l l i n e r's
sBd. I I I , S. 330) Pensionirung die
Lehrkanzel des römischen und canonischen Rechtes an der Wiener Hochschule erle.
digt ward, wurde P. im Jahre 1832 zur
Supplirung berufen und hatte so den
Sieg über alle Wiener Rivalen davon
gelragen. Nachdem die definitive Be»
sehung der Lehrkanzel erfolgte, wurde P.
nach Olmütz geschickt, um die auch dort
mittlerweile vacant gewordene Lehrkanzel
derselben Fächer zu suppliren. Ändert»
halb Jahre spater, im März 4836,
wurde er als o. ö. Professor der genann»
ten Fächer an der Olmützer Hochschule
definitiv angestellt, mußte sich aber,
ungeachtet er zwei Jahre an der Univer-
fität öffentlich das Fach vorgetragen,
demnach vorher einer schriftlichen Con-
cursprüfung und einem mündlichen Pro«
bevortrage unterziehen! Vierzehn Jahre
war P. in letztgenannter Eigenschaft an
der Olmützer Universität thätig: nun
im Jahre 1830 wurde er al.s Ordinarius
für Kirchenrecht an die Wiener Universi«
tat übersetzt. Gin Ueberblick der damals
vorhandenen Lehrkräfte veranlaßte ihn
schon für daS nächste Wintersemester
Vorlesungen über das römische Privat»
recht anzukündigen, welche sich alsbald
starken Zuspruchs erfreuten. Da man
jedoch zu jener Zeit dem römischen Nechte
nur eine secundare Bedeutung zuerkannte,
nahm man an maßgebender Stelle von
dieser Thatsache keine Notiz, unterließ
es aber nicht, später, da sich die An-
schauungen hin und wieder geändert,
Ausländer zu berufen I P. ist seit
Jahren für sein Fach schriftstellerisch
thätig. Er hat sclbstständig herausge«
geben! „Nie Verjährung nach dem allgemeinen
bürgerlichen Zechte in Oesterreich" (Wien
1883. Sollinger, 80.); — „Atirtmch des
Uirchenrechtes mit Berücksichtigung der ant die
Kirchlichen Verhältnisse Nezny nehmenden üster-
nichischen Oesrtze nnd Verordnungen", 2 Bände,
der zweite Band in zwei Abtheilungen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon