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Palackj 180
neugegründeten Zeitschriften. nämlich
der „Monatschrift" und des „öasopis",
von denen aber PalackF und seine
Mitarbeiter die deutsche „Monatschrift"
bald vernachlässigten, hingegen dem in
oechiscker Sprache erscheinenden „öaso-
xis" ihre ganze Kraft widmeten und
dieses Organ mit wichtigen und interes«
sauten Artikeln ausstatteten. Hinsichtlich
dieses Organs, seiner Bedeutung und
seines Einflusses in Böhmen, dem sprach»
verwandten Mahren und unter den Slo«
vaken in Ungarn ist im Hinblick auf Pa»
lacke's Wirken Einiges zu bemerken.
Palack^ führte nahezu zwölf Jahre
(von 1827 bis 1838) die Redaction deS
„öa.L0pi3"und das Blatt förderte die na-
tionalen Bestrebungen nach allen Richtun»
gen hin. Die damalige absolute Regierung
betrachtete diese Bestrebungen mit unver«
hehltem Mißtrauen, die Censur, wie in
allen Provinzen der Monarchie wachsam,
hatte auch aufP a lackF ihr scharfes Auge
gerichtet. Bemerkenswerther Weise aber
machte ihm weniger diese strenge Wach«
samkeit von Seite der Regierung, als
die Indolenz und geistige Versumpfung
eines großen Theiles seiner Landsleute
zu schaffen. Dabei warf sich ein Theil
der Nationalen auf kleinliche Dinge in
Schrift und Sprache, welche zu erbitten
ten Streitigkeiten Anlaß gaben. Ehe
man daran ging, eine neue Literatur zu
schaffen, wobei man aber zufällig vergaß,
daß eine solche außer der Sprache noch
manches andere bedarf, begann man mit
Untersuchungen, was in der Sprache ver-
altet sei, was beibehalten werden könm,
was beseitigt, was neueingeführt weiden
muffe. Da die böhmische Schriftsprache
seit zwei Jahrhunderten brach gelegen,
fehlte eS nicht an reichem Stoff zu
linguistischen Händeln, was dem eigent-
lichen geistigen Schaffen an und für sich jedoch wenig zuträglich war. Da war es
PalackF, welcher, wenn er auch die
Parteiungen nicht vollends beseitigte,
doch ihre schädliche Wirksamkeit auf das
Minimum zurückführte, indem er durch
die consequenteste Befolgung des be«
antragten und endlich eingeschlagenen
Weges es dahin brachte, daß die Meisten
von denen, die ihn kritisirten, den Spu«
ren seiner Schritte folgten. Diese ABC«
Kampfe, die der Regierung am wenig,
sten gefährlich erschienen, hatten aber
doch einen bedeutsamen politischen
Hintergrund. Palack^ und seine Geg.
ner. schreibt einer von Palacke's
Biographen, waren zwei Arten Käm«
pfer, die eine brach für österreichische,
die andere für russische Tendenzen ihre
Lanzen. Am deutlichsten zeigte sich
dieß in dem Streite über den byzan»
tiniscbm Ursprung der slavischen Litur»
gie, wobei Palack? und Kopi tar
^Bd. XI I , S. 437) einander gegenüber
traten. Kopi tar rief diese Fehde her«
vor durch seinen „AlaSolitg, Olo^iamiL"
(Wien 1836), worin mit einem großen
Aufwande von Gelehrsamkeit der Be>
weis versucht wird, daß die slavische
Liturgie keinen byzantinischen Ursprung
habe. die Heimat der slavischen Kirchen»
spräche, deren sich jetzt noch 40 Millionen
Slaven vom abendländischen, wie vom
morgenländifchen Ritus bedienen, viel«
mehr in dem österreichischen Pannonien
zu suchen sei, womit zugleich gesagt wird,
daß die Christianisirung der Slaven an
der südlichen Donau von der lateinischen
Kirche ausgegangen sei. Palack^ und
Zafai-ik widersprachen diesen Behauv-
tungen, indem sie vom historischen Stand«
Puncte ihre Beweisgründe vorbrachten
und den byzantinischen Ursprung der
slavischen Liturgie behaupteten. Die kirch«
lich.politische Bedeutung dieses Streites
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon