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483 PalackF
Resultate der Palacky'schenGeschichts-
forschung zusammen, kann aber auch —
jedoch nur bis 4861 — als sein Programm,
Deutschland und Oesterreich gegenüber gel»
ten. „Die Böhmen, schreibt er in dieser
Ablehnungsepistel, haben mit Deutschland
nicht im mindesten zu schaffen, die ganze
Verbindung Böhmens mit Deutschland
war ein Verhältniß nicht von Volk zu
Volk, sondern von Herrscher zu Herrscher.
Oesterreich darf mit Deutschland hoch»
stens ein ewiges Schutz» und Trutzbünd»
niß eingehen, ein Ansckluß des Kaiser-
staates an Deutschland würde den ersten
unheilbar schwachen, ja ihn unmöglich
machen. Gleichwohl ist Oesterreich ein
Staat, dessen Erhaltung. Integrität und
Kräftigung eine hohe und wichtige An«
gelegenheit nicht des slavischen Volkes
allein, sondern ganz Europa's, ja der
Civilisation und Humanität ist. Es ist
dieß als Schutzwehr und Gegensatz gegen
Rußland, als das Band der zahlreichen
kleinen Volksstämme im Südosten, welche
vereinzelt alle den Russen zum Opfer
fallen müßten. Wahrlich, ruft er die
ihm in den letzten Jahren oft vorgeha!»
tenen, mit seiner jetzigen politischen Hal»
tung nicht eben im Einklänge stehenden
Worte aus: „wahrl ich existirte der
österreichische Kaiserstaat nicht
schon längst, man müßte im In«
teresseEurop a's, im In tere sse der
Humani tä t selbst sich beeilen,
ihn zu schaffen". Ueber sein dainali»
ges Verhältniß zur Regierung unmittel«
bar wurden erst in neuerer Zeit. nämlich
im Jahre 1863. im öechischen Partei»
blatt^äroä" Aufschlüsse gegeben, welche
natürlich als von seiner Partei herrüh»
rend, nur mit größter Vorsicht benützt
werden können. So heißt es daselbst
auch, P. wäre am 8. Mai durch Minister
Pi l lersdorfauf telegraphischem Wege eilends nach Wien berufen worden. Als
sick PalackF- am folgenden Tage bei
Pi l lersdo rf einfand, habe ihm dieser,
nachdem er ihn kaum begrüßt hatte, ein
kaiserliches Handbillet überreicht, welches
nichts Geringeres als seine Ernennung
zum Unterrichtsminister enthielt. Er
habe ihn auch sofort in die Minister»
conferenz, welche eben abgehalten wer»
den sollte, führen wollen. PalackF
aber, von dem Vorfalle zu sehr über«
rascht, brauchte eine Weile, um sich zu
fassen, ließ sich hierauf mii dem Minister
in ein Gespräch über den Stand der
Dinge ein, und als er die bedeutenden
Unterschiede zwischen seinen und des Mi»
nisters politischen Anschauungen gewahrte,
bat er sich Bedenkzeit über Nacht aus.
Als er am andern Morgen zu Pil lers»
dorf zurückkehrte mit einer schriftlichen
Erklärung, weßhalb er jenes Amt zur
Zeit nicht annehmen könne, bemerkte er
mit Erstaunen, daß der Minister darüber
sogar erfreut war. Palack^ wußte noch
nicht, welche Sensation seine Berufung
in's Cabinet mittlerweile in Wien verur«
facht hatte und daß die hervorragendsten
magyarischen und deutschen Parteihäupter
gege^ die Regierung zusammentraten,
weil diese angeblich sie slavisiren wolle.
Der „Aaroä" berichtet, daß ein großer
Aufstand vorbereitet und bereits ein
Wiener Fleischhauer, der sich selbst dazu
angeboten, zu PalackF's Ermordung
bestcllt war u. s. w. Daß Palack/ auf
dem Slavencongrefse in Prag die Präsi»
dentenrolle gesvielt.wurde bereits erwähnt,
nach dem „Naroä" fällt ihm auch noch
das Verdienst der Befreiung des Grafen
3eo Thun zu, der damals im Clemen-
rinum von den Studenten gefangen ge»
fangen gehalten wurde. Als die Wahlen
für den österreichischen Reichstag statt-
fanden, wurde er im 2. Bezirke der.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon