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Palack? 184 PalackF
Stadt Prag in denselben gewählt. I n
demselben schloß er sich entschieden jener
aechifchen Phalanx an, die durch ihren
Nationalitats.Fanatismus dem Sturze
des Reichstags und der nachgefolgten
Reaction so trefflich vorgearbeitet hat. Er
trat im Gegensatze zur obigen Erklärung
an den Fünfziger-Ausschuß, in welchem
er ein Oesterreich, wenn es nicht schon
bestünde, erschaffen wissen will, nicht als
Oesterreicher. sondern als Slave auf,
und trug nicht wenig dazu bei, jene
Nationalitätseifersüchtelei zu nähren, die
noch heute die Förderung und Entwicke»
lung des Verfafsungswerkes in Oester«
reich so sehr erschwert. Diese Partei sah
und sieht es nicht ein, daß, wenn nur
einmal durch liberale Grundrechte jedem
Staatsbürger ohne Unterschied des Stam»
mes volle Gleichheit vor dem Gesetze
gewährleistet, und wenn ihm die Mög»
keit gesichert ist, seine Angelegenheiten
in seiner Muttersprache vor Gericht zu
bringen und in selber beschieden zu wer«
den. Alles geschehen sei, was vernünfti»
gerweise gefordert werden könne, daß
dann die Furcht vor Unterdrückung einer
Nationalitat oder Sprache unter jenen
Voraussetzungen nichts als leeres Hirn«
gespinnst sei. Im übrigen war seine
Thätigkeit im Reichstage wenigstens
äußerlich, unbedeutend, daß er sich aber
im Getriebe der Parteien hinterm Vor-
hange unthatig verhalten haben sollte,
ist — wenn auch davon bisher nichts
enthüllt ist — doch kaum anzunehmen.
Nur in den letzten Tagen des damals in
Kremster berathenden Reichstages trat
er noch einmal, wie im Bewußtsein der
Dinge, die da bald kommen sollten,
gegen die deutschen Bestrebungen auf
und verlangte, wenn aus Oesterreich
deutsche Abgeordnete nach Frankfurt
gingen, für die Slaven das Recht, einen panslaviftifchen Reichstag zu beschicken,
für die Italiener das Befugniß. in der
Constituante zu tagen. Die Verfassung
vom 4. März kam auch für die öechen
überraschend, aber sie hofften noch immer
als Dank für ihre zur Sprengung 'des
Reichstags geleistete Mithilfe eine allge»
meine öechistrung. Nach und nach kamen
die Dinge freilich anders, als man sie
von dieser Seite gewünscht und erwartet.
Pa lack /s Haltung wurde aber immer
unverständlicher. Während er in der
Union die „EinheitOesterreichs" als erste
Nothwendigkeit hinstellte, sagte er bald
darauf in einem andern slavischen Blatte:
„Was in der „Union" von der Einheit
gesagt wird, ist mit Einschränkungen zu
verstehen. Wir sind für das eine und
ungetheilte Oesterreich nur so lange, bis
der Bruch zwischen Deutschland und
Oesterreich erfolgt und die Deutschen
vereinzelt neben uns stehen. Im Herzen
sind wir gut föderalistisch, und wenn
Oesterreich darüber zu Grunde geht,
waS thut es? Slaven sind seine Erben
und so bleibt das Areal immer in der
Familie." Nun trat er im December
1849 in der Zeitung „Aaroäno ^sovln^"
plötzlich mit jenem merkwürdigen, gegen
den Einheitsstaat gerichteten Programm
— in Deutschland nannte man es traf»
fend ein „Kriegsmanifest" s siehe das
Nähere in den Quellen. S. 192, Nr.VII)
— auf, welches in ganz Oesterreich und
selbst in Deutschland von einem Rufe der
Entrüstung begleitet ward, zugleich aber
Allen die Augen öffnete, wohin diese
Partei steuerte. Diese „schriftliche" Thei-
lung des Föderativstaates Oesterreich in
sieben Reiche, das deutsche, das cechisch«
slavische. polnisch»ruthenische, italienische,
magyarische, rumänische und südslavische
und welche einzelnen Reiche so abgegrenzt
waren, daß das slavische Element seinem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon