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sinn dafür sorgte, dem Publicum Außer»
ordentliches zu bieten, sei bemerkt, daß
er in dem biblischen, von melodramati»
scher Musik begleiteten Drama „Noah"
in der Scene, in welcher das Paradies
dargestellt ist, allabendlich über hundert
Gulden bloß für das Verbrennen wohl-
riechender Specereien verwenden ließ.
An dem Krönungszuge in Schiller's
„Jungfrau von Orleans" nahmen über
vierhundert Personen Theil und der Zug
war in Costurne und sonstigem Beiwerk
mit einer Pracht ohne Gleichen ausge«
stattet. Für den Schauspieler Kle in,
der in Gri l lparzer 's »König Otto-
kars Glück und Ende" die Hauptrolle
spielte, ließ er zu einer Zeit, als die
Unternehmung schon sehr zur Neige
ging, noch eine prachtvolle vollständige
Rüstung für sechshundert Gulden anferti-
gen. die er dem Künstler spater zum Ge>
schenke machte. Von dem Personale, wel<
ches an Pälffy's Theater beschäftigt
war, seien nur nebenbei genannt: Heur»
teur, Küstner, Wi lhe lmi , die Fami«
lie Demmer. die Bot ta , die Tenore
Jäger, Haitzinger, Wi ld , derBuffo
Spitzed er, die Primadonna Schütz,
die Capellmeister und Compositeure Sey»
fr ied, Franz Roser, Riot te, der
Balletmeister Friedrich Horschelt, der
Decorationsmaler Hermann Neefe, der
Garderobier Luca Piazza, der Maschi»
nist A. Rol ler , jeder Einzelne in sei-
nem Fache ein großer Meister. Unter
ihm fand das noch heute unvergeßne
Kindeiballet Statt, in welchem Fanny und
Therese Elßler. Angioletta Mayer
und Therese Heberle tanzten. Mit
„König Ottokar's Glück und Ende"
schloß die Pä.lffy'sche Directionspe.
riode. Noch ist anzuführen, daß der
Liberalitat und dem Kunstsinne des Gra«
fön auch eine lithographische Anstalt, welche sich neben seinem Palais in Her-
nals befand, ihre Entstehung und längere
Zeit ihre Erhaltung verdankte. Ein Herr
Kühn stand der Anstalt als Director
vor, es wurden in derselben die zu ihrer
Zeit stark bekrittelten Versuche mit Ton«
platten gemacht, welche ganz vorzügliche
Ergebnisse leisteten, u. A. einen Abdruck
des berühmten Onyres aus dem k. k.
Antikencabinete. dann eine vortreffliche
Abbildung des kunstvollen Holzplafonds
aus einem der Zimmer des k. k. Ritter»
schloßes im Larenburger Parke. Auch
besaß der Graf seiner Zeit eine ungemein
reichhaltige Mineraliensammlung, welche
er nach einer Schätzung des Bergrathes
Werner um 100.0l)0fl. an den Fürsten
Eßterhäzy, jedoch mit dem Vor«
behalt verkaufte, sie lebenslänglich be«
nützen zu können. Welchen Antheil der
Graf an der Wissenschaft nahm, dafür
spricht feine Betheiligung an der 3. Ver«
sammlung deutscher Naturforscher und
Aerzte in Wien im September 1832, in
welcher er öffentlich einen Vortrag hielt
über den Nutzen solcher gelehrter Ver>
eme im Allgemeinen und ihre Einwir«
kung auf die industrielle Wohlfahrt der
Menschheit; dieser Vortrag steht in Franz
Pietznigg's „ Mittheilungen aus Wien"
(1832. Sollinger, gr. 8».) Bd. I I , S. 42,
abgedruckt. Als der Graf im Jahre
1840 im Alter von 66 Jahren starb,
wurde Seiner, der Viele bereichert,
Tausende beschenkt, unzählige Künstler
unterstützt und gebildet. sein ganzes
großes Vermögen künstlerischen Zwecken
geopfert, kaum mehr gedacht. Von allen
Stimmen, die ihm in den Tagen des
Glanzes geschmeichelt, wurde auch nicht
eine laut. Kein Nekrolog frischte die
Erinnerung an seine Wohlthaten und
Kunstbestrebungen auf. Er starb ver-
gessen, aber der Undank der Welt, den
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon