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Sanction. Als hierauf 4736 Kaiser
Kar l in Folge des zehn Jahre früher
mit Rußland goscbloffenen Bündnisses
an dem Streite der Kaiserin Anna
Ivanovna mit der Pforte Antheil zu
nehmen gezwungen war, wurde Iohan.n
PNf fy als Führer der vertragsmäßi»
gen Hilfsmacht von 30.000 Mann nach
Futak gesandt, wo er jedoch im Lager
untha'ig verweilen mußte und später sich
ganz zurückzog, worauf auch bald ein
neuer Friede zu Belgrad erfolgte. Als
einige Jahre darauf (1740) Kar l sein
Ende herannahen fühltc. ließ er noch in
seinen letzten Augenblicken Pä.lffy be-
rufen und empfahl die Erbin seiner
Staaten seinem Schuhe dringend. Wie
bekannt, trat die junge Königin unter
ungünstigen Verhältnissen ihre Regie-
rung an. Noch vor ihrer Krönung
wurde die Wahl des Palatin's vorge-
nommen und traf Johann PHlf fy,
welcher am 26. Juni die Krone auf das
Haupt der Königin, die ihn früher schon
mit der Benennung „Vater" beehrt
hatte, sehte. — Als nach immer wachsen»
der Wuth ihrer Feinde die Königin an
dem denkwürdigen 41. September 1742
die Treue ihres ungarischen Volkes zum
höcksten Enthusiasmus entflammte, war
es Johann Pä l f fy , unter deffen Vorsitz
die Reichsdeftutation über die Mittel
berathschlagte, den kräftigsten, schleunig«
sten Beistand zu leisten. Die Kaiserin
selbst gestand eS öffentlich in einem an
Pä.lffy erlassenen Handschreiben dank»
bar zu: „daß das Glück ihrer Waffen
und das Gelingen der wichtigsten Unter-
nehmungen, vorzüglich der Hilfe, Tapfer»
keit, Geschicklichkeit und Klugheit der
ungarischen Kriegsvölker (dieß find eigene
Worte) zuzuschreiben sei". Als bald
darauf des Preußenkönigs neuer Einfall
in Böhmen Gefahr drohte, brauchte Theresia nur einige Prälaten und
Magnaten eilig in Preßburg zur Berath»
schlagung zu versammeln, und alsbald
war allgemeine Rüstung beschlossen,
welche Johann Pälffy's Palatinal-
sckreiben an alle Behörden thätigst be«
förderte. Der Palatin selbst, uneracktet
seines hohen Alters und der rauhen
Jahreszeit, wollte als Oberfeldherr der
ungarischen Insnrrection den Kriegszug
mitmachen und nur mit Mühe konnten
ihn patriotische Freunde davon abhalten.
Diesen Feuereifer des ehrwürdigen Grei« -
ses ehrend, sandte ihm Theresia ihr
eigenes reich geschmücktes Reitpferd,
einen mit Diamanten besetzten goldenen
Degen und einen Diamantring von gro»
ßem Werthe sammt einem eigenhändigen
Schreiben: „Mein Vater Pa l f fy ! Icb
sende Euch dieses Pferd, welches nur
allein von dem Eifrigsten Meiner Unter«
thanen bestiegen zu werden würdig ist.
Empfanget zugle'iä> diesen Degen, um
Mich wider Meine Feinde zu beschützen,
und nehmet diesen Ring als das Kenn»
zeichen Meiner gegen Eucb tragenden
Zuneigung an." Wie bemerkt, die In»
surrection kam zu Stande, aber Päl f fy
war altershalber außer Stande, sie zu
führen und mußte diese Ehre dem Feld>
marschall Eßterhäzy überlassen. Im
Jahre 1746 machte P. der Kaiserin, als
diese der Iagdlust in Kittsee genoß, seine
letzte Aufwartung. Seit Mitte 1730
begann sichtlich der Verfall seiner Ge>
sundheir, er war aber auch bereits
87 Jahre alt, endlich mit Anbeginn des
Ia>hres 1731 verschlimmerten sich seine
Leiden so sehr, daß er ihnen auch in
wenigen Wochen erlag. Utiter kriegeri-
schen Ehrenbezeugungen und großen
Feierlichkeiten fand am 24. März seine
Beisetzung statt. Der Graf Johann ist
der Stifter der jüngeren Haupt»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon