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1744. Nun erfolgte seine Ernennung
zum geheimen Rathe und ?l6n5potentiN-
rws in der Lombardie, als welcher er
auf einer im Jahre 1745 nach Genua
unternommenen Reise die feindliche Stirn«
mung der Genuesen gegen die Kaiserlichen
und ihr Hinneigen zu Neapel und ßrank-
reich bald erkannte. Im Feldzuge des
Jahres 4746 eroberte er die Citadelle
von Parma, commandirte in der Schlacht
bei Piacenza den rechten Flügel und
kämpfte noch bei Roddofreddo, wo er
auch durch eine Flintenkugel am Kopfe
verwundet wurde. Aber er ließ nur die
Wunde verbinden, stellte sich von Neuem
an die Spitze seiner Truppen und schlug
nach hartnackigstem Widerstände des
Gegners denselben zurück. Die Streitig»
keiten. die wegen Piacenza's Besatzung
zwischen den kaiserlicken und den sardi»
Nischen Truppen ausbrachen, wurden
durch seine Gewandtheit ausgeglicken.
Im Jahre 1747 übergab er an Ferdi-
nand Grafen von Harrach ^Bd. VI I ,
S. 377) die General-Statthalterschaft.
welche er im Jahre 1743 übernommen,
wurde aber schon im Jahre i748 wieder
Kastellan von Mailand, commandirender
General aller Truppen in Italien und
oberster Finanzminister der Lombardei.
Nachdem Graf Harr ach im Jahre
1750 wieder abberufen ward, übernahm
P. von Neuem die Statthalterschaft und
führte sie bis 1733, in der Zwischenzeit
auf dem Congresse zu Varese die lang-
wierigen Grenzstreitigkeiten mit den ita«
lienischen Landvogteien der Schweizer
beendigend. Nachdem er die General«
Statthalterschaft dem Erzherzog Ferdi-
nand übergeben, wählte er Bologna zu
seinem bleibenden Wohnsitze, wurde am
30. November 1753 zum Ritter des gol.
denen Vließes und am 29. Juni 1754
zum General'Feldmarschall ernannt; er« hielt im September 1763 seine Berufung
als Präsident des Rathes in Mailand,
welche Stelle er aber nur bis 1768
versah, worauf er sich gänzlich in
die Ruhe zurückzog und zu Bologna
im hohen Alter von 76 Jahren starb.
Die Muße, welche ihm die vielen Staats»
geschafte ließen, gehörte der Wissenschaft
und es genügt für die Weise, wie er
derselben oblag, der Umstand, daß der
berühmte Lami sein Bibliothekar war.
Im Uebrigen war der Graf eifrig in
seinem Glauben, hielt strenge Kriegs»
zucht, war reich an großen Entwürfen
und geschickt, sie auszuführen; liebte
Pracht und Ergötzlichkeiten, war er«
finderisch, dergleichen zu veranstalten
und ward noch im greisen Alter von
jugendlichem Feuer belebt. Der Graf
war zweimal vermalt, das erste Mal mit
Anna Marchesa von Ang uissola. die
ihm aber keine Kinder geschenkt. Sie
selbst lebte überhaupt meistens in Genua,
wo sie auch am 16. November 1751
starb. I n ihrem Testamente bedachte sie
das Spital Pammatone mit 100.000.
die Armenherberge mit 80.0W Lire.
Auch ihren Gatten, der sie in den letzten
Augenblicken besucht, bedachte sic reich«
lich, ihr Hauprerbe wurde aber ein Vet-
ter, der jüngere Marchese von Serra .
dem hiedurch ein jährliches Einkommen
von 100.000 Lire zufiel. Im August
1733 vermalte sich Graf Pal lav ic in i
zum zweiten Male mit Mar ia Katha»
rina Fava di Ferro, einer Witwe
des Marchefe von Conrad in i . welche
ihm einen Sohn, den nachmaligen Maria
Therefien-Ritter Ka r l Graf Pal lav i -
cini j^ s. d. S. 234^. gebar.
lknuFlie Lovrluio, colodrit
eä. 2.u,5tria.ek6 sec (KUlano 18ä9, I^sx. t>o.)
x. 76. — Meyer (I.). Das große Conver-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon