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Listen jener Leute, die ihr Vaterland um
Credit. Freiheit und Ehre bringen woll«
ten. Ein solcher Mann des Vormärz
konnte im Nachmärz um so weniger blo»
ßer Zuschauer bleiben, als er ja wieder
Deputirter und noch mehr, Altersprafi-
dent des Unterhauses war; er bekleidete
letztere Stelle bis zur Wahl Paz-
mandy's. WaS seine parlamentarische
Thätigkeit in dieser denkwürdigen Periode
betrifft, so ist zunächst seiner Rede zu
gedenken, mit welcher er am 4. August
in der Debatte über das Elementarschu»
lengesetz den ministeriellen Antrag in
meisterhaft schlagender Weise bekämpfte
ssiehe die Quellens in der Sitzung vom
30. August wurden über seinen Antrag
die Krankenhäuser und frommen Stif-
tungen von der Steuer befreit; in der
Sitzung vom 24. September aber drang
er, erbittert von der Unlauterkeit der
Politik, die damals gegen Ungarn in
Anwendung kam, zur^ Erlassung eines
Manifestes an die Völker Europa's mit
den denkwürdigen Worten: „Jetzt ist es
Zeit, üsoters üi n6Hu.eam, 8Up6ro5)
^.oksronta. movebo, auszurufen. Sollen
wir uns immer auf zwei Bände des
OorMs Huris verlassen? Werden uns
diese als Batterien dienen? Dann gli-
chen wir den Leuten, welche, wenn es
ringsum donnert und blitzt, Palmbeeren
anzünden, auf daß es nicht einschlage".
Paläczy folgte dem Agitator nach
Debreczin und votirte in der Sitzung
vom 13. April dem abgetretenen Kriegs«
minister Msszäros den Dank des
Hauses, zugleich seine einstimmige
Ernennung zum Feldmarschall-Lieutenant
fördernd. I n der letzten Debrecziner
Sitzung, vom 30. Mai, beantragte er —
und damals schien er zum ersten Male
in seiner vieljährigen parlamentarischen
Thätigkeit ans der Rolle strengpuritani- scher Sitteneinfalt, die ihm bis dahin
eigen geblieben, zu fallen — für den
Landesgouverneur die für Ungarn unge-
heuere Gage von 200.000 fl. C. M.
und verlangte, daß das Ministerium für
eine der Würde der Nation angemefsene
Wohnung desselben inBuda-Pesth sorge.
Noch einmal, einige Wochen später, er»
scheint er und in jener düsteren Periode
zum letzten Male in der Sitzung vom
21. Juli 1849. in welcher er in Abwe-,
senheit deS ordentlichen Präsidenten die
merkwürdige erste Sitzung des Unterhau«
ses auf dem letzten magyarischen Reichs,
tage zu Szegedin eröffnete. Nach der
Katastrophe von Villagos flüchtig, lebte
P. einige Zeit in der Türkei, kehrte aber
später nach einem Amnesticerlaß in seine
Heimat zurück, in der er im Jahre 486t,
ein Greis von 78 Jahren, sein Leben
beschloß. Sein Tod war das Losungs»
wort für alle Parteien des Landes, ihm,
dem gefeierten und hockgeachtetcn Pa>
trioten, alle nur denkbaren Huldigungen
darzubringen. Nachdem der Präsident
im Unterhause seinen Tod angekündigt,
wurden, um den Todten zu ehren, drei»
tägige Sitzungsferien und sechswöchent»
liche Trauer nebst Begräbniß auf Landes-
kosten beschlossen. Der Zipser Sachse
Paul Hund sd o rfer — spater magya-
risirt Hunfa lv i — erhob zwar gegen
die dreitägigen Sitzungsferien Protest,
blieb aber mit demselben vereinzelt und
wurde von Baron Naday, ehemaligen
Director des National.Theaters. und
Baron Eötvös mit seinem Antrage
zurückgewiesen. Die Bestattung selbst
ging in feierlichster Weise vor sick. Die
einbalsamirte Leiche wurde von Pesth,
wo P. gestorben, nach seiner Heimat
Miskolcz gebracht und auf dem Bahnzuge,
der die Leiche führte, befand sich auch das
Ehrengeleite, bestehend aus dazu erwähl»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Volume 21
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- O'Donnel-Perényi
- Volume
- 21
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1870
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 542
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon